Laut Steam-DB ist Jump Space auf der Liste der Spiele, die am meisten auf die Gamer-Wunschlisten gesetzt wurden, auf dem stolzen 15. Platz. Die Demo vom letzten Steam Next Fest muss mächtig Eindruck geschunden haben. Damals war ich zu spät dran, aber nach dem, was ich jetzt von der Early-Access-Version gespielt habe, die am 19.09. in den Verkauf geht, würde ich sagen: Jump Space steht zu Recht dort. Was für ein cooles Konzept!

Was das ist? Nun, in einer Welt, in der die KI ihren Willen bekam und sich die Maschinen gegen uns aufgelehnt haben, fliegt ihr mit dem einzigen Raumschiff, dessen Computer euch nicht umbringen will, durch PvE-Missionen unterschiedlicher Schwierigkeit, die ihr auf einer Karte selbst wählt. Dabei erfüllt ihr Ziele und rüstet mit den Belohnungen nach und nach das Schiff immer besser auf, um auch in schwierigeren Missionen nicht als Weltraumschrott zu enden.

Kartentisch zum Kurssetzen in der Mitte, rechts Sensorstation und Abschussrohr, wenn man sich mal selbst in den Weltraum katapultieren muss.

Das Multicrew-Erlebnis, das ihr jetzt schon spielen könnt

Während der Missionen, die immer aus mehreren Sprüngen zu Sub-Missionen bestehen, bekämpft ihr Gegner, bergt gestrandete Ladung oder entert havarierte Schiffe. Ein Greifhaken und ein Jetpack schießen euch durch die Gegend wie Actionhelden und allgemein habe ich das Gefühl, hier hätte sich jemand gefragt, wie man das Multicrew-Erlebnis eines Star Citizen in ein schnelleres, einfacher verdauliches und doch befriedigendes Format packen könnte. Vor allem in eins, das auch mal rauskommt.

Dazu gehört, dass euch während eurer Einsätze fast nach Art eines Roguelikes unterschiedliche Waffen, Ausrüstungsgegenstände und die Schiffsleistung verbessernde Artefakte in die Hände fallen. Die bleiben jedoch, abzüglich der Dinge, die in eurem kleinen Spieler-Inventar stecken, wenn ihr die Mission überlebt, nicht über diese eine Mission hinaus bestehen. Stattdessen werden mitgebrachte Sachen in Spielgeld umgewandelt, das dann wieder in permanente Upgrades fließen kann.

Schönes System, aktuell noch nicht komplett ausgereizt: Man muss nur selten wirklich den Scotty machen und Energie so zusammenpuzzeln, dass alle Syteme funktionieren, die man braucht.

Und weil auf so einem Schiff immer mehr zu tun ist, als einer locker allein erledigen kann, ist Jump Space nunmal im Koop am besten. Wenn jemand fliegt, der oder die andere die Kanonen bemannt oder befraut und jemand Drittes Craftingmaterialien aus den Kollektoren holt, Feuer löscht, Eindringlinge zerstört oder Minen von der Schiffshülle entfernt, ist dieses Spiel einfach nur brillant. Ihr spielt im Maschinenraum Energieversorgungstetris mit Ausrüstungsmodulen, craftet unter Hochdruck Munitionsnachschub oder Batterien für die Schilde, die sich nicht von selbst aufladen und und und.

sobald ihr mal auf der Außenseite eines Raumschiffes entlanggelaufen seid, das gerade in einen Dogfight verwickelt ist, wisst ihr, dass ihr gerade eines der irrsinnigsten Gefühle dieses Spielejahres hattet. Überhaupt ist es ein Spiel cooler Augenblicke, etwa wenn man sich dem Grappling Hook in letzter Sekunde aus einer explodierenden Raumstation in die Sicherheit der Luftschleuse des eigenen Schiffes hievt.

Zwischen den beiden Railguns und den Turrets zu wechseln, um maximalen Schaden auszuteilen, ist alles andere als einfach.

Natürlich geht es auch allein, fast besser als zu zweit, denn der Schiffsdroide Buddy ist zuverlässiger als ein Mitspieler und scheint an Bord an mehreren Stellen zugleich zu sein. Aber ab drei Spielern wird Jump Space zu einem wirklich spannenden, motivierenden Weltraum-Erlebnis, und das, obwohl sich im aktuellen Zustand die Missionsbausteine noch schnell wiederholen und das Erlebnis irgendwann eintönig ist.

Was jetzt noch passieren muss

Auch fehlt es noch am Feinschliff im Ablauf einzelner Einsatzfragmente. Manches Mal wirft einem das Spiel endlose Wellen an KI entgegen, wobei ihr noch Missionsziele lösen müsst, während gerade euer Schiff in klitzekleine Einzelteile zerlegt wird. Andere Stellen wirken fast totenstill, da hat man das Gefühl, der Code im Hintergrund gönne sich gerade eine Pause. Aber immer dran denken: Das hier ist noch Early Access und dass schon jetzt offenbar alle Mitspielenden Missionsfortschritt und Upgrades des Schiffes erhalten, ist jetzt schon mehr als ich von vielen großen Koop-Produktionen sagen kann (auch wenn es momentan alles andere als verlässlich ist, was man behält und was nicht).

Besser nicht kämpfen, denn von den Drohnen kommen immer noch mehr. Das Gunplay kann sich durchaus sehen lassen.

Was ich damit sagen will: Jump Space ist ein Spiel, auf das ihr euch aus gutem Grund freut. Und sollte das noch nicht der Fall sein, ändert sich das hoffentlich nach der Lektüre dieses Artikels. Die spektakulären Space-Walks, das solide Ballergefühl und die einfachen, aber spaßigen Raumkämpfe sind jetzt schon unterhaltsam und imponieren darin, wie durchdacht sie im Zusammenspiel sind: Sich mit Freunden an die Arbeitsteilung auf diesem mittelgroßen Raumschiff zu machen, ist ein wundervolles Konzept, das ihr zum schmalen Preis von 20 Euro ruhig mit einem Kauf unterstützen könnt. Aber überlegt, ob ihr Jump Space nicht noch ein paar Updates Zeit lasst, bevor ihr selbst die Magnetstiefel schnürt und tiefer einsteigt.