In Warhammer 40.000: Dark Heresy könnt ihr jeden beschuldigen, denn ihr bestimmt, wie die Wahrheit aussieht
Nach Rogue Trader macht Owlcat Games mit Dark Heresy einen weiteren Abstecher ins Universum von Warhammer 40.000. Im neuesten cRPG des Entwicklerstudios seid ihr ein Akolyth der Inquisition und geht gegen Ketzer vor. Mit eurer Gruppe bestimmt ihr dabei das Schicksal des Calixis-Sektors und setzt den Willen des Imperators um, wobei jede Entscheidung wichtig sein soll.
Dementsprechend habt ihr viel Macht in Dark Heresy, wie Executive Producer Anatoly Shestov während einer Präsentation des neuen Rollenspiels auf der gamescom betont. Niemand wird euch im Spiel verurteilen, also könnt ihr buchstäblich jeden beschuldigen und so im Grunde die Wahrheit bestimmen. Ob das dann aber auch richtig ist, nun, das ist eine andere Frage.
Rollenspiel mit Untersuchungen
Nach dem Erfolg von Rogue Trader geht Owlcat Games mit Dark Heresy nicht nur inhaltlich in eine etwas andere Richtung, man hat auch die Technik komplett von Grund auf neu entwickelt. Das bedeutet zugleich, dass man keine Assets aus Rogue Trader erneut verwenden konnte. Auf das Endergebnis ist man laut Shestov “verdammt stolz”, zumal das ganze Unterfangen “teuer wie Sau” war. Die Mühe hat sich aber ausgezählt, denn die Schauplätze, die ich im Verlauf der Demo sehe, sind groß und detailliert, erstrecken sich über mehrere Ebenen. Das Klettern und Springen funktioniert nun zum Beispiel nahtlos und in einem Bereich seht ihr etwa nicht nur eine niedrigere Ebene im Hintergrund, ihr könnt diese tatsächlich erreichen. Hilfreich war dabei sicherlich, dass nach Angaben von Shestov die wichtigsten Leute, die an der Entwicklung von Rogue Trader beteiligt waren, bei Dark Heresy ebenfalls am Start sind.
Ziel des Spiels sei es nicht, eine Verschwörung gegen euch aufdecken, vielmehr plant ihr sie quasi selbst. Shestov lädt einen Spielstand, der das Spiel nach rund 15 Stunden zeigt. Die fünfköpfige Gruppe befindet sich auf dem Planeten Scintilla, wo man das Verschwinden von Leuten untersuchen sollt. Die Bewohner dort wissen noch nicht, dass sie durch das Chaos korrumpiert wurden, doch bis dahin können sie euch vielleicht noch dabei behilflich sein, an Antworten zu kommen.
Executive Producer Anatoly Shestov präsentierte Dark Heresy auf der gamescom.Wichtig dabei ist, dass euch Dark Hernenesy wenig an die Hand nimmt. In diesem Abschnitt sucht ihr beispielsweise nach Hinweisen in der Umgebung, wobei euch die Fähigkeiten eurer Begleiterinnen und Begleiter helfen können, mehr zu finden. Alle Informationen und Hinweise, die ihr sammelt, landen im Journal, wo ihr es nach Lust und Laune hin und her schieben beziehungsweise anordnen könnt. Mitunter sind auch genauere Untersuchungen möglich, die zu weiteren Anhaltspunkten führen.
Letztlich geht es darum, dass ihr selbst die erhaltenen Informationen interpretiert und selbst entscheidet, was vorgefallen ist. Aus diesem Grund setzt man laut Shestov explizit darauf, im Journal “Zitate” abzubilden. Es werden niemals Interpretationen von Dingen verwendet, die Charaktere sagen, interpretieren sollt schließlich ihr selbst. Das geht so weit, dass euch das Spiel zu keinem Zeitpunkt sagt, dass ihr jetzt ausreichend Hinweise oder Beweise für eine Schlussfolgerung habt oder ob es da draußen noch mehr gibt. Natürlich ist es dadurch möglich, schon früh irgendjemanden wegen irgendetwas zu beschuldigen, nur ist die Chance hoch, dass es nicht das ist, was wirklich passierte.
Somit ist Dark Heresy mehr eine Art Kombination aus Rollenspiel und Mystery-Adventure und dadurch nicht einfach nur ein Nachfolger zu Rogue Trader, der dem gleichen Muster folgt. Natürlich haben eure Entscheidungen große und kleine Konsequenzen, mit denen ihr dann leben müsst, von einfachen Kommentaren in Dialogen bis hin zu neuen Begleitern, die ihr bekommen könnt. Owlcat ist es wichtig, dass das Spiel hier nicht irgendeine Richtung für euch vorgibt. Ihr müsst selbst den besten (oder auch nicht) Weg für euch finden. Jeder der Fälle, mit denen ihr euch im Spielverlauf beschäftigt, soll daher anders sein, damit ihr nicht das Gefühl bekommt, dass sich die Dinge wiederholen. Und während ihr anfangs noch ein Akolyth seid, arbeitet ihr euch Stück für Stück zum Inquisitor hoch.
Die Untersuchungen und Schlussfolgerungen sind jedoch nur ein Teil des Spielgeschehens, es gibt ebenfalls wieder Kämpfe. Shestov zeigt uns beispielhaft dafür eine Geiselnahme. Diese Situation lässt sich auf unterschiedliche Weise angehen. Shestov entscheidet sich dafür, einer der Wachen erst einmal etwas Alkohol zu übergeben und die Geiselnehmer zu überreden, dass ihr euch vom Gesundheitszustand der Geiseln überzeugen dürft. Ihr wählt dann ein Gruppenmitglied aus, dass in den Raum mit den Geiseln gehen darf, zugleich sind somit schon mal die Türen offen.
Dark Heresy wird euch viele Freiheiten bieten und euch wenig an die Hand nehmen.Nachdem klar ist, dass die Geiseln den Umständen entsprechend in Ordnung sind, entscheidet er sich dafür, den rundenbasierten Kampf zu starten, der im Großen und Ganzen ähnlich verläuft wie in Rogue Trader. Überarbeitet wurde zum Beispiel die Deckung. Es gibt hier unterschiedliche Arten davon, wodurch ihr etwa volle Deckung habt (die sich jedoch zerstören lässt) oder aber keine Deckung, doch dafür blockiert ein Objekt dann die Sichtlinie. So oder so kommt es erneut auf eine gute Platzierung eurer Leute an und ihr solltet schauen, dass ihr genau im Auge behaltet, was eure Feinde tun.
Rüstung schützt euch, solange sie vorhanden ist, von Wunden oder kritischen Treffern. Umgekehrt könnt ihr das genauso gut ausnutzen, um einzelne Körperteile ins Visier zu nehmen. Zerfetzt die Beine eines Feindes und er kann sich nicht mehr bewegen. Zielt ihr auf die Arme, lassen sie womöglich die Waffe fallen oder ihr verhindert dadurch einen Granatenwurf im darauffolgenden Zug.
Ein bisschen Glück spielt dabei immer eine Rolle. Selbst, wenn ihr direkt vor einem Gegner steht, ist es je nach Waffe oder Aktion möglich, sie zu verfehlen. Das ist dann natürlich ärgerlich, gehört aber mit dazu. Auf der anderen Seite lassen sich die Fähigkeiten eurer Gruppe miteinander kombinieren und ihr solltet euch überlegen, ob ihr nicht mit mehreren Leuten bei einem Ziel erst einmal die Panzerung aus dem Weg räumt und dann ordentlich Schaden zufügt, statt mit jedem individuelle Feinde zu attackieren. Es ist auf jeden Fall wichtig, das Schlachtfeld genau zu analysieren und zu wissen, wer als Nächstes an der Reihe ist und wie ihr davon profitieren (oder Schaden nehmen) könntet. Dank des Zufallselements kann immer etwas schiefgehen oder es läuft perfekt für euch - in diesem Spektrum ist alles möglich.
Hinzu kommt noch ein Moralsystem, das ähnlich funktioniert wie das Momentum in Rogue Trader. Mit hoher Moral wird ein Charakter stärker und erhält eine mächtige neue Fähigkeit, die ihr nutzen könnt. Das gilt gleichermaßen für Gegner. Sinkt deren Moral tief genug, kann das Konsequenzen haben. In diesem Beispiel erledigte Shestov, nachdem bereits mehrere Gegner getötet wurden, auch noch den Anführer der Geiselnehmer, woraufhin der Rest kurzerhand aufgab. Wie viele der Geiseln bis dahin im Kampfgeschehen getötet wurden - falls überhaupt -, ist ebenfalls flexibel.
Owlcat Games hat sich definitiv einiges für Dark Heresy vorgenommen und will euch ein spürbar anderes Spielerlebnis bieten als in Rogue Trader. Von dem, was ich bisher gesehen habe, scheint das ganz gut zu funktionieren. Das Spiel nimmt euch wenig an die Hand, ihr habt viele Freiheiten, wozu auch gehört, dass ihr eure eigenen Schlüsse ziehen müsst und jeden beschuldigen könnt. Es wird spannend zu sehen sein, wie tiefgreifend die daraus resultierenden Konsequenzen sind und ob man über verschiedene Fälle hinweg für ausreichend Abwechslung sorgen kann. Wer schon mit Rogue Trader seinen Spaß hatte, wird hier wohl nicht viel falsch machen - alle anderen Warhammer-Fans sollten Dark Heresy ebenfalls im Auge behalten.
Warhammer 40.000: Dark Heresy erscheint für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S.









