Frohes neues Jahr zusammen! Ich hoffe, ihr seid gut reingekommen und habt zwischen den Jahren ein wenig die Beine baumeln lassen. Ich habe die letzten zwei Wochen genutzt, um mich aus der Zock-Tretmühle auszuklinken. Denn ich gebe zu, Ende 2025 drohte mich ein Stapel laufender, unerledigter oder nicht mal angefangener aktueller Releases zu erschlagen, der die vergangenen Monate unheimlich in Schieflage geraten war.

Ich war ein wenig ausgebrannt von Ressourcen-Farming- und Trials-Maloche in Arc Raiders, war wiederholt beim Versuch, einen Zugang zu Kingdom Come 2 zu finden, gegen eine Wand gelaufen. Ich war müde vom Komplettieren von Metroid Prime 4 und die Vorstellung, einen Haufen handgeschriebener Notizen bei Blue Prince anzuhäufen, klang für mich wie eine Drohung. Und so nutzte ich die erste Woche des Jahresendurlaubs dafür, auf allen meinen System aufzuräumen, ein digitales Detox, das mich wieder darauf einpegelt, was ich eigentlich von meinem Hobby erwarte.

Sorry Heinz, die Kerle musst du allein aufmischen. (Kingdom Come: Deliverance 2)

Schritt eins: Ehrlich mit sich sein

Das heißt: nach Marie-Kondo-Art über die Festplatten zu gehen und alles zu deinstallieren, dessen Thumbnail unterm Maus-Cursor eher ein “müsste ich eigentlich mal…” als ein “oh, ja gern!” provoziert. Fast 600 GB Speicher sind allein auf dem PC freigeworden, und ich würde lügen, wenn ich behauptete, die Einsicht, dass ich einfach nicht alles spielen kann, hätte nicht gutgetan. Lustig, wie man alle paar Jahre wie von selbst diesen Punkt erreicht, an dem man sich das bewusst machen muss.

Doch das Auskehren war nur der erste Schritt. Ich wollte ja zocken, vermisste lange Sessions, in denen ich tief im Sessel versank und mich voll auf die zentralen Ideen eines Spiels einließ. Was tut man also, wenn man wirklich spielen will, aber nichts so recht wie das Richtige scheint?

Schritt zwei: Zurück in die Vergangenheit

In meinem Fall ging es weit zurück in die Vergangenheit, weil sich die Gelegenheit eröffnete, eine Bildungslücke zu füllen. Für euch muss das nicht Panzer Dragoon Saga sein, das notorisch teuer und schwer zu bekommen ist (und das sich einen eigenen Artikel verdient hat, sobald ich damit durch bin), aber der Sprung in eine nicht allzu steinzeitliche Vergangenheit hat sich für mich als Glücksgriff erwiesen. Und ich glaube, das könnte es für euch auch.

Sieht sperriger aus, als es ist: Panzer Dragoon Saga.

Ich wette, auch ihr habt den einen oder anderen blinden Fleck in der Spielehistorie, den ihr ohne größere Schwierigkeiten beseitigen könntet (ich weiß, dass da ein ungespieltes Chrono Trigger in eurer Steam-Bibliothek rumliegt!). Ich jedenfalls hatte lange nicht so viel Spaß wie mit diesem fast 30 Jahre alten Rollenspielableger von SEGAs drachenreitendem On-Rails-Shooter. Dazu muss man sagen, dass ich eigentlich nicht der Typ bin, der oft sehr alte Games spielt. Allein schon von Berufs wegen habe ich nicht immer die Zeit dazu. Ich bin außerdem ein großer Fan moderner Annehmlichkeiten in Videospielen, bewundere in den besten die Ambitionen und die Breite und Tiefe an Erlebnissen, die sie ermöglichen. Aber der längere Blick auf einen Klassiker war eine interessante Kalibrierung auf das Wesentliche.

Worum es wirklich geht…

Warum? Weil mir auf diese Weise aufgefallen ist, wie häufig moderne Spiele ihre Motivation auf Progressionsysteme, Achievements und das Abarbeiten von Aufgaben auslagern, anstatt das eigentliche Machen-und-tun in den Vordergrund zu rücken. Sicher, auch viele Indies verfolgen klassischere Design-Philosophien. Aber für ältere Spiele stimmt es fast durchgehend: Sie finden früh den Spaß schon in ihren Grundlagen, haben einen schnell erfassbaren “Hook” und passen sich in ihrem Anforderungsspektrum ein wenig bequemer in den ohnehin schon stressigen Alltag ein, als viele moderne Games.

Viele Klassiker sind heute leichter zu bekommen, wenn dem Hersteller nicht gerade der Source Code abhanden gekommen ist.

Neue Spiele muss man oft erst “lernen”, sich an ihre Gangart gewöhnen. Auf denen bleibt man dann oft eher deshalb hängen, weil man selten die Energie hat, sich in das nächste einzuarbeiten. Kurzum: Ein Klassiker motiviert – wenn es keiner derjenigen ist, die sich heute allzu sperrig anfühlen – mit größerer Wahrscheinlichkeit aus sich heraus, mit der zusätzlichen externen Motivation in meinem Fall, endlich mal hinter die Faszination eines fast vergessenen Meilensteins zu steigen.

Passend zum Jahreswechsel hat mir diese Konzentration auf das, was beim Zocken wirklich wichtig ist, viel Schwung in ein neues Jahr an frischen Spielen mit auf den Weg gegeben. Geht es euch so ähnlich wie mir vor noch drei, vier Wochen, versucht vielleicht auch einfach mal diese Methode.