id Software-Director Hugo Martin: Doom-Entwickler strafen seine optimistischen Worte ab
Zwei Wochen sind vergangen, seit Microsoft 3.200 Entlassungen ankündigte und eine gewaltige Kündigungswelle die Xbox-Sparte überrollte. Selbst absolute Branchen-Urgesteine wie das Doom- und Quake-Studio id Software blieben davon nicht verschont. Die ersten Berichte zeichneten ein extrem düsteres Bild. Hugo Martin, der Director der jüngsten Doom-Teile, wehrt sich allerdings gegen diese Darstellung. Er wies Behauptungen zurück, der legendäre Shooter-Entwickler sei nur noch zu einem reinen Support-Studio verkommen. Ein paar Tage später melden sich nun aber "aktuelle und ehemalige Mitarbeiter" zu Wort. Sie teilen Martins Optimismus ganz und gar nicht.
Kritik der Angestellten an Martins Aussagen und der Rückblick auf die Entwicklung von Doom 2016
Das Magazin Game Developer veröffentlichte einen Bericht, der Martins Aussagen aus einem aktuellen Livestream direkt entkräftet. Senior Editor Chris Kerr schreibt darin: "Mehrere anonyme Quellen haben Game Developer verraten, dass das Studio Anfang des Monats rund zwei Drittel der verbliebenen Mitarbeiter entlassen hat, die an Doom (2016) gearbeitet haben." Darunter befinden sich demnach auch Entwickler, die als absolute Schlüsselfiguren des Veteranenteams galten.
Doom: The Dark Ages Revelations - Official DLC Overview Trailer Doom: The Dark Ages Revelations - Official DLC Overview TrailerAuf YouTube ansehenEinige dieser Entwickler zeigten sich nach Martins Aussagen offen enttäuscht. "Ich stimme Hugos Statement nicht zu. Viele der Entlassenen hat das sehr verletzt. Für sie klang das so, als würde er ihren Anteil am Erfolg unserer Spiele als völlig unbedeutend abtun", erklärte eine der Quellen gegenüber der Webseite. "Ich bin schon mein ganzes Leben lang Gamer. Halbiert ihr in einem Spiel einen Stat, spricht sofort jeder von einem Nerf. Die bittere Wahrheit ist: Das Doom-Team ist zur Hälfte noch da und zur Hälfte einfach weggeworfen worden."
Die Entwickler merkten außerdem an, dass das letztlich eingestellte Doom 4 ein derartiges Desaster war, dass es das Studio fast ruiniert hätte. Doom 2016 stieg schließlich aus der Asche dieses Titels empor. Doch laut dem Team kostete die Entwicklung "rund sieben Jahre und eine absurde Menge an Crunch". Den Quellen zufolge hat Microsoft Anfang des Monats auch genau die Leute vor die Tür gesetzt, die damals "eine ungesunde Anzahl an Überstunden geschoben haben", um den Release überhaupt erst möglich zu machen.
Wer ist Hugo Martin?
Als Game Director ist Hugo Martin das kreative Herzstück der modernen Shooter-Ära von id Software. Er leitete die Entwicklung des massiv erfolgreichen Reboots Doom (2016) sowie des Nachfolgers Doom Eternal und verhalf der altehrwürdigen Marke nach dem gescheiterten Doom 4 zu altem Glanz.
Künftige Herausforderungen für id Software und der aktuelle DLC-Release
Eine weitere Quelle betonte: Wie Martin die aktuelle Studiogröße nach den Entlassungen einschätzt, funktioniert nur als Argument, weil es zwischen 2010 und 2011 eine "massive Fluktuation und einen regelrechten Exodus" bei id Software gab. Das brachte das Studio damals in eine extrem prekäre Lage. Erst später fuhren die Verantwortlichen die Neueinstellungen wieder hoch und holten sich für den Endspurt Hilfe von externen Studios. Ihr könnt euch also leicht ausrechnen, dass ein derart stark zusammengestrichenes id Software (erneut) in einer massiven Zwickmühle steckt. Unter den aktuellen Erwartungen von Microsoft dürfte es extrem schwer werden, noch einmal einen Triple-A-Shooter komplett im Alleingang zu stemmen.
Erst Anfang dieses Monats erschien für Doom: The Dark Ages der gewaltige Revelations-DLC. Die Zukunft von id Software bleibt zwar vorerst unklar, aber die Xbox-Führungsebene hat Berichten zufolge großes Interesse an weiteren Doom- und Quake-Spielen.
Die Entlassungswelle bei Xbox
Die massiven Kürzungen bei id Software (seit 2021 Teil der Xbox Game Studios) sind Teil eines historischen Kahlschlags. Im Zuge von Restrukturierungen nach großen Übernahmen baute Microsoft zuletzt Tausende Stellen in seiner Gaming-Sparte ab, was zahlreiche Kult-Studios in Bedrängnis brachte.









