Letzte Woche war ich aus Gründen im Android Play Store, wahrscheinlich, weil die Auto-Updates mal wieder hinterherhinkten, und dort entdeckte ich Resident Evil Survival Unit. Cool, ein Resi Mobile, ist das neu? Einfach mal runterladen. Relativ schnell war ich nach dem Starten überzeugt, dass dies ein fünf Jahre alter Free-to-Play-Titel sein muss. Resident Evil Survival Unit hat alle Unarten an Bord, die die schlimmsten Auswüchse des Survival-Aufbau-Mobile-Game so mit sich brachten, und sieht noch völlig veraltet dazu aus. Ich liebe Resident Evil. Aber schon nach weniger als 24 Stunden hasste ich Resident Evil Survival Unit mit Inbrunst.

Erst einmal vorweg, ich habe nichts gegen ein gutes Free-to-Play. Ich habe jahrelang Final Fantasy Brave Exvius gespielt und dort auch nicht zu wenig Geld versenkt. Ich mag Diablo Eternal für das, was es ist, wirklich. Und auch wenn ich noch keinen Euro dort gelassen hab, ich hätte kein großes Problem es mal zu tun, wenn es nicht dermaßen viel Content geben würde, mit dem ich so noch zu tun habe. Was ich aber abgrundtief verachte, das sind die ganzen Zombie Wars, Zombie Apokalypse, Zombie dies, Zombie das. Ihr habt die Werbung gesehen, aktuell rennt eine Figur von unten nach oben, muss einfache Matheaufgaben lösen, um mehr Zombies zu killen, weil… Marketing ist genial, Gameplay ist eh für Anfänger, was weiß ich.

Lasst euch nicht täuschen, der coole, kleine echte Resi-Anteil ist in Resident Evil Survival Uinit bald vorbei.

Ich nehme an, dass sich jemand bei Capcom dachte, hey, wir haben auch jede Menge Zombies, diese Games rennen, lasst uns mitrennen. Und das taten sie dann auch. Die ersten ein, zwei Stunden war ich sogar relativ beeindruckt. Ihr habt zwei Mini-Spiele, einmal ein Resident-Evil-Super-Light, bei dem ihr ganz klassisch mit festen Kameraperspektiven durch ein Anwesen und dann Labor wandert, Hebel und Schlüssel sucht und hier und da mal einen Zombie erschießt. Niedlich, wirklich. Das andere ist eine stationäre Kampfsequenz, bei der ihr drei Charaktere habt, die eine Welle an Gegnern überleben müssen. Das Übliche. Charaktere ballern automatisch, ihr entscheidet nur, wann Specials auszulösen sind, und jede Stage hat noch ein oder zwei interaktive Elemente. Dauert 30 Sekunden. Niedlich. Halbwegs.

Und damit sind wir auch schon im üblichen Gacha-Aufbau-Junk angekommen. Die Charaktere werden zufällig gezogen, um in eurer Basis zu hausen. Da Resident Evil nicht Hunderte Figuren hat, ist das Hochleveln stärker im Vordergrund, als neue Figuren zu ziehen. Das Hochleveln wird durch zahlreiche Faktoren gebremst, seien es Ressourcen, von denen ihr immer mehr braucht, oder spezielle Items, die ihr nur gelegentlich ziehen dürft. Außer natürlich, euer Bankkonto ist einfach zu voll und ihr müsst dringend etwas dagegen tun. Dann kauft ihr Premium-Währung.

Na, habt ihr doch schon mal gesehen, oder? Resident Evil Survival Unit ist 99 Prozent die billigste Aufbau-Schablone, die sie finden konnten, angereichert mit dem Maximum an Pay-LOTS-to-Win Bremse.

Das Problem ist die Basis drumherum. Ihr habt das Herrenhaus, dann ein Labor, dann Trainingsplätze, einen Hubschrauberlandeplatz und so weiter, fast zwei Dutzend Gebäude irgendwann. Alle müssen hochgelevelt werden. Das geht zuerst in Rekordgeschwindigkeit, auch weil euch das Spiel anfangs mit allen möglichen Premium-Items zuschmeißt. First one’s for free, all the cool kids take ´em... Aber schon bald ist diese Rallye vorbei. Ein Gebäude zu verbessern, dauert zig Stunden, die Items zum Leveln der Helden versiegen, und damit kommt ihr dann auch nicht mehr weiter in den Minigames. Außer natürlich euer Bankkonto ist zu voll. Ich erzähle euch hier nichts Neues: Seit zehn Jahren durchlaufen zu meinem Entsetzen erfolgreiche Spiele diesen Zyklus von wenig in nichts, was das Gameplay angeht.

Synapsen müssen stimuliert werden, also noch eine blanglose Belohnung und noch ein und noch eine... Nichts davon ist relevant, nach den ersten Stunden knallt ihr in Resident Evil Survival Unit hart gegen die Premium-Währung-Mauer.

Ich verstehe auch, warum es funktioniert, und das hat allein mit persönlichem Investment des Spielers zu tun. Damit meine ich erst mal nicht unbedingt investiertes Geld, wobei das natürlich den Effekt hochpotenziert. Aber die Zeit, die man investierte, und die ja schon ganz hübsche Basis, die man bekam, mit den Charakteren, die man schon hat, auch weil das Spiel einen anfixt, das will man ja nicht aufgeben. Aber diese Vollbremsung, die ihr hier in Resident Evil Survival Unit erfahrt, ist die gleiche wie in all den schlimmsten Vertretern dieser speziellen Art von Free-to-Play-Abschaum. Hirnloses Gameplay, sofern überhaupt noch was davon irgendwann übrigbleibt. Das, was am meisten Resident Evil an diesem Machwerk ist, das Innere des Anwesens, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Im Kampf-Minigame kann ich alle paar Tage wahrscheinlich mal einen neuen Level starten, wenn Häuser gebaut und Helden gelevelt sind. Was nur noch in 100.000-facher Zeitlupe passiert, verglichen mit den ersten Tagen.

Und warum auch nicht? Diese Minigames waren eh nur dazu da, einen anzulocken und lange genug zu halten, um diesen Punkt zu erreichen, an dem ich investiert genug bin, um weiterzumachen. Weiterhin sinnlos Dinge zu upgraden und vor allem Geld auszugeben, damit dies vielleicht noch innerhalb meiner Lebenszeit passiert. Alles an Resident Evil Survical Unit ab diesem Punkt wurde von tausend anderen Widerlichkeiten dieser Art durchgekaut. Die ausgespuckten Reste wurden zusammengekratzt, um als hässlicher Zombie – ja, das Spiel sieht aus wie fünf bis acht Jahre alt, Minimum – in den Play Store entlassen zu werden.

So nieldichen die kleinen Kampfsequenzen sind... ...eigentlich geht es in Resident Evil Survival Unit nur um solche Screens und eine Menge willkürliche Zahlen.

Es würde mich nicht kümmern, wenn dies einfach nur das nächste Hero Wars oder was auch immer wäre. Solchen Müll gibt es schon lange, wird es immer geben. Aber wenn die Seuche ein Franchise befällt, das ich liebe, dann gibt es halt eine emotionale Reaktion, also diesen Artikel. Ich werde jetzt das Einzige tun, was hilft. Deinstallieren und einen Haken hintersetzen. Ich hatte hier letztens mal eine Liste aller Resident Evils, sortiert von gut nach schlecht, zusammengeschrieben. Ich habe sie eben geupdatet. Ratet mal, welches jetzt das schlechteste Resident Evil ist. Hey, Umbrella Corps, ich hab gute Nachrichten für dich…

Bleibt nur noch eines zu tun. Sayonara, Resident Evil Survival Unit.