Seit der Veröffentlichung der ersten Edition im Jahr 2022 hat der Jumbo-Verlag zahllose Erweiterungen und Sondereditionen für sein Musikspiel Hitster in den Handel geschossen. Ich werfe einen Blick zurück auf drei Jahre Hitster-Geschichte und berichte, warum mich die Reihe so begeistert hat.

Vor rund drei Jahren veröffentlichte der Jumbo-Verlag sein Musikspiel Hitster und landete damit einen Megakracher. Seit der Veröffentlichung des Originals ist viel passiert. Wenn ihr heute in den gut sortierten Fachhandel geht, findet ihr eine Vielzahl von Produkten aus der Welt von Hitster vor. Da kann man schnell schon einmal den Durchblick verlieren. Ich habe mich seit Bestehen der Reihe durch fast alle Ausgaben des Spiels gewühlt und dabei versucht hunderte Songs der Rock- und Popgeschichte in die richtige chronologische Abfolge zu bringen. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die beiden frisch erschienenen Editionen Celebration und Rock erweitern den Songkatalog einmal mehr und sind ein willkommener Anlass, um eine Gesamtübersicht aufzustellen.

Hitster bedient sich aus über einhundert Jahren Musikgeschichte

Als ich Hitster am Jumbo-Stand auf der SPIEL 2022 entdeckt hatte, wusste ich sofort: das Teil musst du haben! Dabei wirkt das Material erstmal ziemlich unspektakulär und das Regelwerk fast schon banal. Platt heruntergebrochen handelt es sich bei Hitster um ein einfaches Musikquiz, bei dem ihr bekannte Songs in den richtigen zeitlichen Ablauf bringen müsst. Wer zuerst zehn Hits korrekt in den Zeitstrahl einsortieren kann, gewinnt die Partie. Und das war’s im Wesentlichen auch schon, von ein paar kleinen Gimmicks mit denen man Punkte der Mitspieler stehlen kann einmal abgesehen, gibt es nicht sehr viel mehr zu erklären.

Was ist also das Besondere an Hitster? Warum hat es so viele Musikliebhaber wie mich begeistert? Die Antwort ist einfach, Hitster bringt die Musik selbst an den Spieltisch und macht sie so direkt für alle erlebbar. Auf der Rückseite jeder Karte befindet sich ein QR-Code, der einfach nur mit der Hitster-App gescannt werden muss. Innerhalb weniger Augenblicke erklingen die größten Hits von damals und heute aus dem Smartphone oder noch besser, einer angeschlossenen Bluetooth-Box. Realisiert wird das über eine Anbindung an den Musikstreaming-Dienst Spotify.

Hitster funktioniert nur mit Spotify… oder etwa doch nicht?

Wer ein Premium-Abo abgeschlossen hat, ist klar im Vorteil. Nach dem Scannen dürft ihr den gesuchten Song in voller Länge genießen, dann erkennen und ihn anschließend hoffentlich chronologisch korrekt in die eigene Auslage einordnen. Ohne Abo funktioniert Hitster allerdings auch. Statt des gesamten Songs, erhaltet ihr jetzt aber nur einen kleinen Ausschnitt. Das ist völlig ausreichend, um das gespielte Lied zu identifizieren. Aber wenn gerade eines der eigenen Lieblingslieder läuft, möchte man schon gerne etwas länger reinhören. Seit einiger Zeit steht glücklicherweise eine Alternativ-App für Apple Music zum Download bereit, die von einem Drittanbieter entwickelt wurde.

Bereits das Basisspiel hat mich völlig von den Socken gehauen und dürfte zu den meistgespielten Titeln 2022 gehören. Jede Partie ist eine kleine nostalgische Reise. Es macht immer wieder großen Spaß, die Songs der eigenen Jugend erneut zu hören. Viele Lieder sind eng mit starken Erinnerungen verknüpft und so werden schnell persönliche Anekdoten ausgetauscht. „Weißt du noch, damals bei der Abi-Feier, da haben wir dieses Lied rauf- und runtergehört?“ Aber auch wenn der gespielte Song völlig unbekannt ist, gibt es doch eine faire Chance, seine Karte korrekt einzuordnen. Die Stile der verschiedenen Jahrzehnte unterscheiden sich schon deutlich und mit einem guten Ohr lässt sich der Veröffentlichungszeitraum zumindest etwas eingrenzen. Als Quizspiel und Nostalgie-Maschine hat Hitster ganze Arbeit geleistet.

Die Hitster-Reihe wächst und wächst und wächst

Mit rund dreihundert Songkarten ist der Umfang von Hitster schon ganz ordentlich. Doch irgendwann war es dann doch Zeit für Nachschub. Mit dem ersten Erweiterungspaket hat sich Jumbo jedoch ausgerechnet auf deutsche Schlager konzentriert. Das Set mag sicherlich seine Fans finden, kommt mir persönlich aber auf keinen Fall ins Haus. Deshalb ist die Schlager-Edition auch das einzige Set, das bei mir nicht zu Hause im Regal steht. Vielversprechender war da schon die nächste Welle, die gleich im Doppelpack daherkam. Summer Party versprüht eine wunderbar entspannte Atmosphäre, die zum Tanzen einlädt und für Urlaubsfeeling sorgt.

Eine ganz andere Schiene fährt Guilty Pleasures. Wenn ihr diese Songs wirklich gut findet, solltet ihr euch schämen… sofern man der Produktbeschreibung glauben darf. Tatsächlich fand ich jedoch die meisten der enthaltenen Lieder ziemlich gut, was Guilty Pleasure zu einer meiner favorisierten Ausgaben macht. Mit nunmehr vier Editionen mit je rund 300 Liedern konnte Hitster nun auf eine doch ziemlich umfassende Song-Bibliothek zurückgreifen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen, auch inhaltlich etwas am Spielkonzept zu verändern.

Hitster Bingo fährt einen neuen Ansatz

So erschien im vergangenen Jahr eine Bingo-Variante, bei der ganz klassisch Reihen, Spalten oder Diagonalen abgekreuzt werden müssen, um die Partie zu gewinnen. Kreuze dürfen gesetzt werden, wenn zuvor eine Aufgabe erfolgreich erfüllt wurde. Hier kommen die altbewährten Song-Karten mit den QR-Codes ins Spiel. Einen Zeitstrahl, der in den korrekten Ablauf gebracht werden muss, gibt es dieses Mal nicht. Stattdessen werdet ihr nach dem Titel des Songs, dem Interpreten oder dem Erscheinungsjahr gefragt. Hitster Bingo erlaubt hier verschiedene Schwierigkeitsstufen. So kann es manchmal ausreichen, nur das korrekte Jahrzehnt zu benennen oder ob der Song vor dem Jahr 2000 erschienen ist.

Hitster Bingo fühlt sich eine Spur herausfordernder an als die anderen Editionen und stellt den Quiz-Aspekt noch mehr in den Vordergrund. Ohne ein solides Musikwissen werdet ihr es hier deutlich schwerer haben. Zufallstreffer, die beim normalen Hitster immer möglich sind, gibt es bei Bingo viel seltener. Wenn ihr keinen Schimmer habt, wer den angespielten Song gesungen hat, werdet ihr wohl auch mit einem Rateversuch nicht weit kommen. Das Frustpotenzial ist in der Bingo-Variante somit viel höher. Als Musik-Nerd habe ich damit prinzipiell kein großes Problem, um neue Mitspieler zu rekrutieren war Hitster Bingo aber nur bedingt geeignet.

Mini-Editionen erweitern die Hitster-Songbibliothek

Glücklicherweise lassen sich die Songs aus der Bingo-Variante problemlos ins reguläre Spiel übertragen. Damit kann das Spiel alternativ als große Erweiterung herhalten. Das hat Jumbo aber offenbar nicht davon abgehalten, zwei weitere Zusatzpacks in den Handel zu bringen, dieses Mal im verkleinerten Format. Je rund 150 neue Songs gibt es nochmal obendrauf, wenn ihr euch die Erweiterung des bekannten Radiosenders Bayern-1 ins Haus holt. Hier gibt’s eine bunte Mischung von Radiohits aus verschiedenen Jahrzehnten, womit die Zusammenstellung in eine ähnliche Kerbe schlägt wie die Originalausgabe. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt dafür die zweite Mini-Erweiterung „Movies & TV Soundtracks“. Sie richtet sich an Filmfreaks, die mit ihren Vorlieben breit aufgestellt sind. Steinalte Klassiker werden hier ebenso abgehandelt wie moderne Netflix-Serien.

Ganz frisch hinzugekommen ist in diesem Sommer die von vielen heiß ersehnte Rock-Edition. Sie enthält wieder rund 300 Songs, diesmal liebevoll kuratiert vom Radiosender Bob, der vielen Rock-Fans ein Begriff sein dürfte. Für mich persönlich ist es das Highlight des bisherigen Hitster-Programms, umfasst das Set doch einmal mehr viele Jahrzehnte der Musikgeschichte, lässt den ganzen weichgespülten Kram oder gar kaum erträgliche Schlagermusik völlig außen vor. Guns N‘ Roses statt Helene Fischer… Led Zepplin statt der Hermes House Band… wer kann da schon nein sagen? Ich jedenfalls nicht.

Das (zumindest rein optisch) Beste kommt jedoch zum Schluss. Hitster Celebration erscheint in einer schicken Metallkiste und ersetzt die standardmäßigen Pappmarker durch hochwertige Pokerchips. Als eher lockerer thematischer Überbau müssen festliche Anlässe herhalten, zu denen die hier enthaltenen Hits vorzugsweise gespielt werden können. Im Großen und Ganzen zeigt sich Celebration von einer recht poppigen Seite mit überwiegend neuen Hits. Etwa siebzig Songs der Sammlung stammen jedoch aus anderen Hitster-Kollektionen. Es handelt sich um von den Hitster-Fans ausgewählte Hits, die besonders beliebt sind und so den Weg auch in diese Ausgabe gefunden haben.

Im europäischen Ausland sind außerdem noch einige andere Editionen verfügbar, von denen jedoch unklar ist, ob sie auch in den deutschsprachigen Handel gelangen werden. Eines dürfte jedoch sicher sein: die Hitster-Reihe wird weitergeführt und dürfte noch zahlreiche Ausgaben zutage fördern. Meine Wunschliste ist jedenfalls noch nicht abgearbeitet.