Erinnert ihr euch noch an letzten Monat? Da gab es dieses ziemlich bizarre Video, in dem Death-Stranding-Schöpfer Hideo Kojima durchs All reist und auf einem feindseligen Planeten abstürzt. Das war allerdings keine Werbung für ein neues Spiel, sondern eine Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Nicolas Winding Refn und dem Modehaus Prada für eine Kunstinstallation. Übrigens: Der Kurzfilm namens "Satellites II" wurde mithilfe von KI-Tools erstellt – was wenig überraschend für ordentlich Wirbel gesorgt hat.

Nach dieser Enthüllung hat sich Kojima nun ausführlicher zur Nutzung von KI geäußert. In einer Aussage, die sich für mich ein wenig nach Zurückrudern anfühlt, erklärte er der Washington Post, dass "Kunst Leben" sei. Zudem bezweifelt er, dass die umstrittene Technologie noch zu seinen Lebzeiten echte Kunst erschaffen kann.

"Aber in 50 oder 100 Jahren, wer weiß. Vielleicht kann KI dann Kunst erschaffen", sagt Kojima in einem Porträt über die Kunstausstellung (via Kotaku). "Aber solange ich lebe, werde ich das wohl nicht mehr erleben. Ich interessiere mich auch nicht dafür." Weiter erklärte Kojima, dass die Menschheit irgendwann einen "guten Weg" für den Umgang mit KI finden werde, das aber letztendlich "Sache der Jugend" sei.

Frühere Positionen und die Rolle von KI als Routine-Werkzeug

Wie Kotaku anmerkt, lässt sich Kojimas genaue Haltung zum Thema KI nur schwer durchschauen. In einer E-Mail von Valves Gabe Newell an Elon Musk aus dem Jahr 2018 heißt es beispielsweise: "Hideo Kojima (Metal Gear-Reihe, ein echter Visionär in unserer Branche) war hier bei Valve, um über sein neues Spiel [Death Stranding] zu sprechen. Dabei erwähnte er, wie wichtig ihm künftige Entwicklungen im KI-Bereich sind ... Er sprach auch darüber, wie gerne er ins All reisen würde, und ich habe ihm angeboten, den Kontakt zu dir herzustellen." In einem Interview mit Wired Japan aus dem Jahr 2025 erklärte Kojima wiederum, er plane, "gemeinsam mit KI zu erschaffen", da die Technologie "die Effizienz steigern" könne.

Der aktuelle Artikel der Washington Post schlägt in eine ähnliche Kerbe: "Kojima sagt, KI eignet sich am besten als Hausmeister für kreative Routineaufgaben, und dass Menschen in dem Raum bleiben müssen, in dem Kunst entsteht." Er steht der Technologie also offensichtlich offener gegenüber als andere Spieleentwickler, die sie komplett meiden wollen. Wie genau Kojima die KI in seinen kommenden Projekten – dem Xbox-Horrorspiel OD und dem geistigen Metal-Gear-Nachfolger Physint – letztendlich einsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Branchenweite Debatte über Kennzeichnungspflicht und kreativen Wert

Aktuell wird in der Branche heftig darüber debattiert, ob Studios die Nutzung von KI bei der Spieleentwicklung offenlegen sollten. Im November letzten Jahres erklärte Epic-Games-Chef Tim Sweeney, dass eine solche Kennzeichnungspflicht absolut "keinen Sinn" mehr ergebe – man könne die Entwickler genauso gut fragen, welches Shampoo sie benutzen.

Andere sind da weniger überzeugt und glauben nicht, dass KI so alltäglich wird, dass eine Kennzeichnung hinfällig wäre. Unterdessen meint Konrad Tomaszkiewicz, Game Director von The Witcher 3 und Co-Director von Cyberpunk 2077, dass reine KI-Spiele keine Seele haben werden. Er räumt jedoch ein, dass es im Entwicklungsprozess durchaus sinnvolle Einsatzbereiche gibt. Auch Aloy-Sprecherin Ashly Burch sagt, dass KI nützlich sein kann, betont aber, dass sie die menschliche Kreativität niemals ersetzen darf.