Hell is Us - Erkunden, ermitteln, kämpfen: Das düstere Action-Adventure von Rogue Factor hat mich gleich gepackt.
Seit ich Ende letzten Jahres Alex' Gameplay-Eindrücke zu Hell is Us gelesen habe, war ich extrem neugierig auf das Action-Adventure von Rogue Factor. Das Spiel ist ein wilder Mix aus zu Herzen gehenden Bürgerkriegsschicksalen, Schwertkämpfen gegen mysteriöse Kreaturen, organisch integrierten Rätseln und jeder Menge freier Erkundung.
Dazu kommt, dass es keine Übersichtskarte, Zielmarker auf dem Bildschirm oder klar definierte Quests gibt. Das klingt richtig spannend, obwohl ich eigentlich ein echter Orientierungslegastheniker bin und mich in größeren Spielgebieten regelmäßig verlaufe. Im Rahmen der Big Ben Week hatte ich nun selbst die Möglichkeit, von Beginn an gut zweieinhalb Stunden in die finstere Spielwelt einzutauchen. Spoiler: Jetzt bin ich nicht nur neugierig, sondern freue mich riesig darauf, wenn Hell is Us am 4. September für PS5, Xbox Series X/S und PC erscheint.
Kein Soulslike, aber schon herausfordernd: Bei den Kämpfen gegen die aggressiven Hollow Walker bin ich ordentlich ins Schwitzen geraten.Familienzusammenführung im Kriegsgewirr
Kurz zur Story: Hell is Us spielt Anfang der 1990er-Jahre in dem fiktiven Land Hadea, das seit Langem von einem Bürgerkrieg erschüttert wird. Kurz nach dem Ausbruch des blutigen Konflikts wurde der Protagonist Rémi als Kind von seiner Mutter im letzten Augenblick aus dem Land geschmuggelt. Jahre später kehrt er mit einer Gruppe ON-Soldaten, die Hell is Us-Version der UN-Blauhelme, in seine verwüstete Heimat zurück. Bei der nächstbesten Gelegenheit entfernt er sich unerlaubt von seinen Kameraden und macht sich auf die Suche nach seinen Eltern. Allerdings hat er kaum Erinnerungen an seine Kindheit. Der einzige Hinweis, dem er nachgehen kann: dass sein Vater der Schmied in dem kleinen Dorf Jova ist – oder war.
Das ist zunächst alles, was euch die Entwickler des kanadischen Studios Rogue Factor an die Hand geben. Es gibt keine Übersichtskarte oder Minimap, auf der Orte markiert sind. Es gibt keine Quest, die aufploppt und zumindest den groben Weg zeigt. Und es gibt keinen Protagonisten, der seine Gedanken laut ausspricht, wenn man mal lange orientierungslos im Kreis läuft. Wie Alex bereits in seiner Vorschau erwähnte, wollen die Entwickler den Weg zu einem Zwischenziel oder die Lösungen zu den zahlreichen Rätseln eben nicht auf dem Silbertablett präsentieren. Sie erwarten, dass ihr euch ganz genau umschaut, teils subtile Hinweise entdeckt oder einfach eurem Bauchgefühl folgt. Wenn ein Abschnitt der großen, halboffenen Welt interessant aussieht, dann wird sich dort wahrscheinlich auch etwas verbergen. Ob euch diese Entdeckung aber auch sofort weiterhilft, steht auf einem anderen Blatt.
Das Land Hadea ist durch den jahrelangen Bürgerkrieg gezeichnet und jetzt tauchen auch noch überall diese tödlichen Kreaturen auf.Glücklicherweise sind aber in den ersten Spielstunden die Hinweise aber noch nicht so gut versteckt. Nach einem Gespräch mit einem Bauern, der den Verlust seiner Söhne zu beklagen hat, bekommt ihr den guten Tipp, euch nach einigen Soldaten in der Nähe umzusehen, die über ein gepanzertes Fahrzeug verfügen. Zu Fuß ist es ein ganzes Stück, da wäre eine Mitfahrgelegenheit schon nützlich. Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass ich mich direkt in den dichten Wäldern verlaufen werde, was wirklich nicht das erste Mal für mich gewesen wäre, aber die Instruktionen sind zumindest am Anfang unmissverständlich.
”Folge den Windspielen”, “nimm’ den Weg an den mit weißen Kreuzen markierten Bäumen entlang oder geh nach Südosten bis zum großen Felsen”. Wenigstens gehört ein Kompass zu Rémis Grundausrüstung, sodass man den Richtungsangaben gut folgen kann, wenn man die Augen offenhält und sich markante Punkte einprägt. In einem späteren Abschnitt ist mehr Ermittlungsarbeit gefragt, wenn ihr die notwendigen Informationen aus den Gesprächen mit anderen Menschen herausfiltern und in eine konkrete Zielvorgabe und Wegbeschreibung umsetzen müsst.
Den Monstern könnt ihr nur mit magischen Schwertern oder Äxten Schaden zufügen.Die Kämpfe sind eine Herausforderung (wenn ihr wollt)
Die freie Erkundung der Umgebung, das Zusammentragen von Informationen und das Lösen teils ziemlich anspruchsvoller Puzzles soll etwa die Hälfte des Spiels ausmachen, die restliche Zeit müsst ihr euch im Kampf beweisen. Recht früh stoßt ihr auf die sogenannten „Hollow Walker”, surreale Kreaturen mit anmutigen Bewegungen, die bei Sichtkontakt auf euch losstürmen. Mit Schusswaffen ist den Walkern nicht beizukommen, dazu benötigt ihr magische Klingen, wie Schwerter, Doppeläxte oder eine Art Hellebarde, die ein helles Licht ausstrahlen und ordentlich Schaden anrichten.
Hell is Us ist kein Soulslike und ihr verliert nach einem Tod auch nicht die wertvolle Ausrüstung. Aber ohne geschicktes Ausweichen und ohne auf eure Ausdauer zu achten, enden Kämpfe, besonders gegen mehrere Walker, schnell in einem Fiasko. Die flinken Wesen beharken euch mit teilweise schwer abschätzbaren Angriffen und wenn ihr auf verbundene Feinde trefft, bei denen ein Hollow Walker an einer Nabelschnur eine wabernde, formlose Masse mit sich führt, die im Spiel „Haze” genannt wird, dann braucht es schon ordentlich Geschick, um da wieder heil herauszukommen.
Und wohin jetzt? Das müsst ihr anhand von Hinweisen aus Gesprächen oder Beobachtungen selbst herausfinden – oder ihr lasst euch einfach von eurer Neugier leiten.Im Verlauf des Spiels erhaltet ihr Ausrüstungsgegenstände, die eure Lebensenergie und Ausdauer erheblich verbessern, eine aufrüstbare Drohne, mit der ihr Gegner ablenkt oder mit Spezialangriffen mürbe macht und wertet bei Handwerkern eure Waffen auf. Habt ihr zudem die Fähigkeit Heilungsimpuls gemeistert, bei der nach einem Treffer auf einen Gegner Partikel um euren Charakter erscheinen und ihr dann ein kurzes Zeitfenster zur Ausführung der Fähigkeit habt. Dann könnt ihr jederzeit auch in den Kämpfen eure Energie wieder auffüllen. Klasse: In den Optionen kann jederzeit die Aggressivität und die Höhe des Schadens durch die Walker in 5-Prozent-Schritten zwischen 50 und 200 Prozent feinjustiert werden. Ihr macht euch also die Kämpfe so schwer oder so leicht, wie ihr möchtet.
Jeden Tag eine gute Tat
Was ich allein in den ersten paar Stunden - abseits des großen Mysteriums um die Hollow Walker - von den Grausamkeiten des Bürgerkriegs zu sehen bekommen habe, ist schon starker Tobak: Ich treffe einen schluchzenden Mann, der seine tote Frau in den Armen hält; neben ihm eine Kinderleiche unter einem schmutzigen Laken. Ich komme an Massengräbern vorbei oder spreche mit Kindern, die mir mit Angst in den Augen davon berichten, wie ihre Eltern abgeholt wurden und wie sie nun allein zurechtkommen müssen.
In den Gesprächen erhaltet ihr nicht nur wichtige Hinweise, die euch weiterhelfen, sondern erfahrt auch mehr über das Land Hadea, die am Bürgerkrieg beteiligten Fraktionen und die mysteriösen Kreaturen.Besonders hat mich eine kurze Begebenheit gepackt, die man auch leicht verpassen kann, wenn man nicht mit jedem NPC ein Gespräch beginnt. In einem zerstörten Dorf steht ein Soldat vor einer Wand mit einem Gemälde. Mit blutroter Farbe ist darauf ein Baum gemalt, an dem Menschen an den Ästen aufgeknüpft sind. Die Überschrift lautet sinngemäß: Der einzig wahre Stammbaum einer Familie. Davor steht ein feixender Soldat der “anderen Seite” im Bürgerkrieg, der mir voller Hass erklärt, dass die anderen ja nun keine Menschen seien und dies die einzige Lösung für den Konflikt sei. Das hat mich richtig mitgenommen.
An dem grausamen Schicksal der Bevölkerung kann ich wohl nichts ändern, aber ich kann zumindest versuchen, die Trauer der Überlebenden ein wenig zu lindern, indem ich ihnen zuhöre und nach Gegenständen suche, die sie an ihre verlorenen Angehörigen erinnern. Diese findet man immer wieder gut versteckt in der Umgebung und wenn ich eine goldene Uhr, die einst einem verlorenen Sohn geschenkt wurde, oder den blutigen Teddy eines Kindes zu seinen Eltern bringe, habe ich eine gute Tat vollbracht, wie mir das Spiel mitteilt. Ich soll dafür sogar eine Belohnung bekommen. Welche das ist, habe ich bislang noch nicht herausgefunden. Vielleicht erhält Rémi einen Karmabonus und sieht Vater und Mutter wieder, wenn das Spiel erfolgreich abgeschlossen wird. Ich würde es Rémi und auch mir auf jeden Fall wünschen.
Ab heute spielt ihr auf Steam eine Demo zu Hell is Us. Lasst uns wissen, was ihr davon haltet!









