Gothic Remake im Test: Eine wunderschöne Zeitreise, die an der eigenen Sturheit leidet
Was ist Gothic Remake?
Das Gothic Remake ist eine Neuauflage des deutschen Rollenspiel-Klassikers von 2001. Entwickelt von Alkimia Interactive und gepublisht von THQ Nordic, versetzt das RPG Spieler zurück in die raue Minenkolonie von Khorinis. Erschienen für PC, PS5 und Xbox Series X/S.
Ihr wollt Gothic? Cool. Ihr bekommt Gothic. Aber seid ihr euch auch sicher, was es heißt, wenn ihr sagt, dass ihr Gothic wollt? Wann habt ihr es das letzte Mal gespielt? Vor zehn Jahren? 20? So wie ich vor 25? Die Welt hat sich seitdem ganz schön verändert. Sicher, wenn das Original von damals euer liebstes RPG ist, ihr es alle ein oder zwei Jahre spielt, dann kann ich das hier abkürzen. Ihr wisst, was ihr bekommt, und das bekommt ihr hier mit dem Gothic Remake auch. In hübsch. Aber davon abgesehen: Nicht mehr und nicht weniger.
Alle anderen verdeutlichen sich vielleicht noch einmal, woher die Nostalgie für diesen Titel kommt: Aus einer komplett anderen Ära. Gothic erschien 2001 und war ein relativ dunkles und für die Zeit erwachsenes Open-World-RPG mit Fraktionen und einer gewissen Entscheidungsfreiheit. Das war revolutionär, wie es nur selten in der Branche vorkommt. Sonst hatten wir nur Ultima 9, Might & Magic 6, Daggerfall und Vampire: The Masquerade. Dazu ein paar kleinere und zu Recht vergessene Irrläufer, das war es. Mehr gab es nicht und in so einer Umgebung war Gothic ein Titan in einem Genre, das es noch nicht wirklich gab. Einer mit vielen Ecken, Macken und Kanten. Was okay war, denn alle anderen der genannten Spiele hatten von solchen Ecken eher noch mehr als Gothic.
Gothic Remake Grafik: Ein moderner Blick aufs Minental
Zeitsprung 25 Jahre bis heute: Gothic Remake sieht gut aus, fangen wir damit an. Die Überarbeitung der Optik ist wirklich gelungen. Sicher, man kann es jetzt nicht mit den Besten oder vielmehr Schönsten im Genre aufnehmen, aber die kleine Welt von Gothic ist nun detailliert, toll ausgeleuchtet, einfach immer wieder eine kleine Augenweide. Respekt gezollt, das hat Alkimia Interactive gut hinbekommen. Sicher, die Animationen sind etwas schwerfällig und unnatürlich, aber das schiebe ich mal darauf, dass man sich nicht zu weit vom Original entfernen wollte.
Es ist ein paar Jahre her. Hat sich kaum was verändert. Leider.Womit die Probleme beginnen. Die Laufbewegung ist immer ein wenig lahm, aber zuerst stört das nicht. Bis man merkt, dass man immer noch viel zu viele der Wege hin- und herlaufen muss. Gerade anfangs trottet man extrem viel hin und her und mit jedem Meter fragt man sich mehr, ob die Erfindung von Schnellreisen und Teleportern nicht doch eine gute Sache war. Nun, hatte Gothic nicht direkt – nur zu wenigen Locations, relativ spät und das auch nur über magische Umwege. Aber selbst dann geht das meist ereignislose Wandern weit über alles hinaus, was sinnvoll und für den einen oder anderen tolerabel ist. Andere mögen es die Atmosphäre aufnehmen nennen, ich nenne es Zeitverschwendung. Nehmt die eigenen Hütten und Betten in Lagern und Festungen: Sie liegen gefühlt immer möglichst weit von Eingängen und späteren Schnellreisepunkten entfernt. Pure Schikane? Nicht 2001, wir wussten es nicht besser. Heute, im Vergleich zu 25 Jahren Gameplay-Evolution? Nun…
Dass es keine Questmarker gibt, würde ich erst einmal als Bonus sehen. Die Welt ist eh klein genug, generelle Karten lassen sich finden und Orientierung fällt mit ein wenig Spielzeit nicht zu schwer. Lustigerweise schwerer, als es damals war. Die ganzen Details des Waldes zum Beispiel sorgen für eine visuelle Unruhe, die eher alles gleich wirken lässt als individuell. Die einfacheren Formen der wenigen Polygone im Original ließen sich leichter auseinanderhalten. Aber trotzdem, dieser Aspekt ist definitiv ein Bonus und lädt zur Erkundung ein.
Gameplay und Komfort: Ein Rollenspiel aus einer anderen Zeit
Man muss aber auch den Willen haben und bereit sein, sich Notizen zu machen, wo es eigentlich nicht mehr nötig sein sollte. Jeder NPC sieht aus ein paar Metern erst mal recht ähnlich, aber es gibt davon bestimmt 20 oder mehr allein im ersten Lager und alle haben was mit Quests zu tun. Wer war noch mal Fletcher, wer Guy? War das der nahe der Arena? Warum zeigt mir das Spiel das nicht auf der Karte, wie es praktisch alle Games der letzten 20 Jahre tun? Erneut, wenn man das will, weil es früher so war, dann bekommt man das hier. Aber ich frage mich, wie viele das wirklich noch wollen und ob ich, wenn ich dann mal als normaler Spieler ein paar Tage aussetzen muss, weil echtes Leben und so, überhaupt noch einen der Typen wiederfinde. Komfort war 2001 ein seltener Luxus, heute entscheidet er oft darüber, ob Leute nach zwei Stunden überhaupt noch weiterspielen.
Das ist nicht Gothics einziges 2026-Problem. 2001 war der Stapel der Schande selten höher als eine Handvoll Spiele und sehr viele, die ich heute noch vor mir hätte, sind weit besser. Ich habe Banishers, Claire Obscur und Avowed nur je ein paar Stunden angespielt. Aber jedes dieser Spiele hat meine Aufmerksamkeit mehr verdient, schon allein, weil sie mich in den ersten sechs Stunden mehr unterhalten konnten als Gothic das auch nur versucht. Das liegt auch an der Philosophie, die einem neuen Konkurrenten – Kingdom Come – deutlich besser gelingt.
Die Welt fühlt sich nicht mehr so dreckig an wie in der alten Engine. Das hat weniger mit Verfehlungen von Remake zu tun, sondern mit der Grobschlächtichkeit des 25 Jahre alten Originals.Gothic wirft euch in eine Welt, in der ihr ein Fremder seid. Das ist das Motto, die ganze Essenz der Idee von Gothic am Ende des Tages. Alles, was danach kommt, ist nur generische Fantasy, die alte Drachenlanze-Storys komplex wirken lässt. In der Welt von Gothic gibt es einen Krieg gegen Orks und einen rücksichtslosen König, der um jeden Preis Waffen und magisches Erz braucht. Vor allem Letzteres kommt aus einem Tal, in dem ein magischer Unfall dafür sorgt, dass keiner das Tal verlassen kann. Eine Barriere lässt Verurteilte rein, aber sonst können nur Waren relativ frei passieren. Also übernehmen die ehemaligen Bergwerkssklaven das Tal und eine relativ stabile Ordnung etabliert sich. Eine Mikrogesellschaft mit einer Handvoll Fraktionen und unterschiedlichen Zielen.
Die offene Welt: Warum klein manchmal besser ist
Auf der Habenseite steht für mich die Größe der Welt. Das Tal ist sehr übersichtlich und das erlaubt es auch heute noch, dass man jeder Ecke zumindest visuell anmerkt, dass dies von Hand ausgestaltet wurde. Außerdem muss ich eh schon genug herumlaufen, klein kommt dem entgegen. Der Grund dafür ist natürlich, dass es damals noch schwieriger war, eine große Welt zu bauen. Das endete sonst wie Might & Magic 6 oder die ersten beiden Elder Scrolls: Unendliche Copy-Paste-Landschaften, bei denen der Begriff karg etwas beleidigt guckt, weil selbst karg normalerweise mehr zu bieten hat als das. Im Vergleich dazu war Gothic eine detaillierte Offenbarung, auch wenn die Grundfläche übersichtlich war. Das halte ich heute immer noch für eine Stärke. Lieber klein mit Charakter wie hier als endlos groß. Mittlerweile geht auch beides, aber da wachsen die Budgets dann doch schnell.
In dieser Welt seid ihr der namenlose Held, der als Gefangener ohne Ausrüstung in den Mix geworfen wird. Keine Bleibe, kein Schwert, die Grundlagen sind die eigentlichen Aufgaben der ersten Stunden Orientierung. So weit, so gut und so immer noch reizvoll. Gerade bei jedem, der das Tal nicht kennt, sprich Gothic nie gespielt hat, dürfte hier Interesse wecken. Dieses Konzept funktionierte bei Dark Souls wie bei Kingdom Come. Warum also nicht mehr in Gothic, es hat doch 2001 funktioniert? Nun, mittlerweile haben Entwickler gelernt zu unterscheiden, was wichtiger Teil der notwendigen Lernkurve ist, um den Spielspaß aufzubauen und das Erkunden zu fördern. Die richtigen Tutorials und Hinweise an den richtigen Stellen wirken Wunder, ohne das Spielerlebnis zu verwässern. Gothic ist auch schwer, weil es nicht immer logisch ist, aber gleichzeitig nichts erklärt.
Ja, es geht noch. Die dumme KI zu Wachen kiten ist eine Option.Das beginnt schon mit der Heilung. Ihr lernt schnell, dass Schlafen ein guter Weg ist, um zu heilen, denn andere Heilvarianten wie Tränke oder Nahrung sind zuerst knapp. Schlafen heilt aber nur, wenn ihr zuvor eine unbestimmte Zeit lang aktiv wart und dafür reicht es nicht, frisch gestärkt rauszugehen, ein oder zwei Kämpfe zu absolvieren und verletzt zurückzukommen. Mehr Schlafen bringt nichts, ob das nun Sinn macht oder nicht, das Spiel will es so. Kingdom Come ist am besten vergleichbar, baut aber eine simple und logische Korrelation von Nahrung, Schlaf und Heilung auf. Diese lässt sich sofort verstehen und nutzen. Nicht so Gothic.
Das Kampfsystem: Frust wie vor 25 Jahren (nur wussten wir es da nicht besser)
Dafür hat es andere Stärken. Das Diebstahlsystem ist sehr solide. Ihr könnt erwischt werden, ohne dass das gleich ein Todesurteil ist. Im Gegenteil, der Beklaute und die Wachen werden euch zu Boden strecken, aber nicht töten. Stattdessen nehmen sie euch was ab, als Schadensersatz. Sicher, eine große Rolle spielt das nicht, weil ich eh das Quicksave und -load spamme, als wäre es 2001. So oft habe ich F5 und F9 seit Ewigkeiten nicht mehr benutzt. Allein schon, um den Frust aus dem stocksteifen Kampf ein wenig herauszunehmen.
Das Erbe von Piranha Bytes
Während das Original von 2001 das Essener Studio Piranha Bytes berühmt machte, entsteht das Remake beim neu gegründeten Studio Alkimia Interactive in Barcelona. THQ Nordic rief das Team speziell ins Leben, um den Meilenstein der deutschen Spielehistorie in die Moderne zu holen.
Bevor ihr später dann Magie habt und auch ein paar etwas interessantere Waffen, schlagt ihr euch mit Schwertern und drei Attacken herum. Diese sind alle lahm, werden mit der Zeit zumindest etwas schneller und lassen sich zu semieffektiven Kombos erweitern. Ja, es kommern mehr Waffen- und sogar ein paar Waffentypen. Es kommen ein paar Zaubersprüche. Fühlt es sich dann besser an? Ja. Fühlt es sich je gut an? Meh... nicht wirklich. Im Kampf ist Gothic als Hybride so sehr Action wie RPG und die Action ist einfach von Vorvorgestern. Das System wird dann noch durch einen Block und einen Ausfallschritt abgerundet. Beides ebenfalls eher behäbig und ungelenk. Elegant und flüssig wurde es hier nie. Ich will jetzt gar nicht mit Schwertkampfmeisterwerken wie Tsushima anfangen, es reicht wohl zu sagen, dass das verkorkste System von Kingdom Come zwar schwieriger und unzuverlässiger ist, aber zumindest etwas interessanter. In Gothic kommt es hauptsächlich auf die Zahl der Gegner an. Die Muster eines Feindes lassen sich leicht lernen und zu 90 Prozent sicher ausnutzen.
Es mag etwas buggy sein, das DLSS funktioniert nicht gut und der Leistungshunger ist groß. Aber schön ist es bis in jede Ecke. So sah das unter Wasser damals nicht aus.Bei zwei Gegnern klappt das auch noch gut, bei dreien, die nicht nur Kanonenfutter sind, seid ihr halt in der ersten Hälfte des Spiels tot - später kippt die extereme Balance dann in die andere Richtung, aber bis dahin müsst ihr leiden. Am Ende kommt es nur auf Timings an: Block oder Ausweichen, damit den gegnerischen Angriff abpassen, dann Kontern und wieder blocken, bevor er zurückschlägt. Die Gegner-KI ist dabei so verlässlich wie stupide. Das Problem ab dem dritten Gegner: Wenn ihr Timing etwas unglücklich ist – reiner Zufall, es gibt keine Koordination der Gegner untereinander –, dann gibt es für euch kein Fenster zum Zuschlagen, ohne dass ihr getroffen werdet. Und für lange Zeit reichen wenige Treffer, um euch zu Boden zu schicken. Schnelle Heilung innerhalb eines Kampfes? Gibt es nur sehr bedingt. All das wäre kein echtes Problem, wenn euer Held beweglicher wäre, aber seine Trägheit ändert sich nicht groß. Er schlägt mit den Leveln härter zu und kassiert weniger, aber die Bewegungen ändern sich nicht viel und es endet ganz häufig, dass ihr die dummen Feinde ein wenig kitet und dann möglichst einzeln in Folge statt im Pulk besiegt. Kämpfen, ganz, als wäre es 2001. Und nicht auf die gute Art, weil es die nach heutigen Maßstäben damals noch gar nicht gab.
Spielzeit und Performance: Der technische Check des Remakes
Dass gerade die ersten Stunden so zäh und die Progression des Helden generell lahm verläuft, hat natürlich auch wieder mit dem Alter von Gothic zu tun. So wie viele Games vor 2000 konnte man sich keine endlos ausufernden Spielewelten leisten. Ein Shoot'em'Up hatte sechs Level, die dauerten 30 Minuten, wenn man nicht starb. Bisschen wenig für ein Spiel, das 100 Mark kostete. Das galt natürlich auch für frische 3D-Welten: Gothic ist von der Fläche her kaum größer als manches Tutorial heutzutage und auch wenn die Questdichte hoch ist, ist es doch ein kleines Game. Wenn man da direkt überall hinrennen und alles nach Laune vermöbeln kann, dann dauert die Story nur ein paar Stunden. So sind es 20 bis 30? Je nachdem, wie ihr spielt, lässt sich das etwas beschleunigen oder verlangsamen, aber es ist damals wie heute eine solide Zeit.
Nur eben, dass diese Spieldauer damit erkauft wird, dass euer Held zum Start eine dermaßene Lusche ist, dass es nicht mehr lustig ist. Alles tötet euch mit ein bis drei Treffern, ihr kriegt nichts gebacken. Ich habe mich rein mechanisch und im geistigen Autopiloten durch die ersten Level gequält und dachte über all die Spiele nach, die ich stattdessen spielen könnte. Etwas, das ich damals nicht tun konnte, weil a) es aufregend genug war, überhaupt in einem echten Rollenspiel in 3D unterwegs zu sein, und es b) schlicht keine vergleichbaren Games gab, die zeigten, wie man es besser macht.
Es sind solche Details, die ich an der handgestalteten Welt auch heute noch schätze. Dann ist sie halt etwas kleiner, na und.Technisch habe ich ja schon gesagt, dass Gothic Remake hervorragend aussieht, und das meine ich absolut ehrlich. Die Welt ist wirklich schick, Wasser sieht hinreißend aus, selbst die Figuren in ihr sind nicht hässlich. Auch nicht besonders toll und definitiv der Tiefpunkt, aber der Rest ist eine wirklich hübsche, handgemachte kleine Welt. Das heißt aber nicht, dass Optimierung auch toll wäre. Auf meinem 4070-Laptop bekomme ich mit nicht mal höchsten Details gerade mal 30 echte Frames in WQHD. Wenn ich alles einschalte, dann sind es noch 18 Frames, aber dafür hat man ja DLSS. Wenn ich Cyberpunk auf Hoch stelle, bekomme ich auch nicht viel mehr als 20 native Frames, aber mit DLSS 3x dann sehr sauber aussehende 50. Nun, das ist hier auch der Fall, außer das mit dem sauberen Aussehen. Gothic ist ein Beispiel, wie schlecht implementiertes DLSS kommt, und das ist nicht gut. Ich hoffe, ihr seid sehr wetterfest gegen massives Screen-Tearing der schlimmsten Art. Auf nicht ganz so hohen Einstellungen mit 2x sah es etwas besser aus und ich bekam meine 70 Frames, mit denen ich hier leben konnte, aber wenn ihr nicht die Hardware habt – eine Desktop-4070 zum Beispiel, was Vergleichbares oder lieber gleich besser – wird es schwer mit den sauberen 60 Frames.
Abstürze hatte ich auch nicht zu wenige. Etwa ein halbes Dutzend Mal crashte Gothic Remake in den letzten Tagen, was einmal auch durchaus schmerzhaft war. Das Autosave ist vorhanden, aber nur, wenn ihr bestimmte kleine Meilensteine erreicht wie eine Quest beenden oder Ähnliches. Ich rannte einfach nur zwei Stunden rum, sammelte Krams und tötete Dinge. Hätte ich mir auch sparen können. Dass ich keinen Spielstand aus meinem Profil mehr laden kann, würde ich noch auf die Vorab-Version schieben. Hoffentlich. Aber ja, ich durfte jetzt noch mal anfangen, weil ich noch ein paar Screenshots mehr haben wollte. Mit einem Level-1-Helden in das Orkgebiet zu sprinten, die Dummheit der KI ausnutzen und Gegner zu Wachen kiten, damit die sie dann killen… Ich hatte glaube ich jetzt mehr Spaß als die Tage zuvor. Dann im Feindesland herumzurennen und zu schleichen, um ein paar Shots zu bekommen und vielleicht sogar wieder zu flüchten, das war Fun! Spielspaß ist halt da, wo man ihn findet, manchmal auch in einem kaputten Save.
Rückkehr einer Sound-Legende
Der nostalgische Soundtrack kommt nicht von ungefähr: Komponist Kai Rosenkranz, der bereits 2001 mit seiner Musik maßgeblich zur dichten Atmosphäre der Minenkolonie beitrug, kehrte für das Gothic Remake zurück, um die ikonischen Klänge neu zu arrangieren und zu erweitern.
Akustisch gibt es weniger Probleme, der Soundtrack ist herrlicher Fantasy-Anfang-2000er-Kitsch in Remastered. Würde ich jetzt nicht auf Platte kaufen oder rauf und runter hören wie damals, aber wirklich ein nette arragierter Flashback von Kai Rosenkranz. Die Stimmen dagegen… Was damals edgy und erwachsen war, wirkt heute bestenfalls wie schlechtes Benehmen und schlimmstenfalls wie Kindergarten. Daran sind nur teilweise die Sprecher schuld, der eigentliche Übeltäter ist ein Script, das man heute so nicht mehr schreiben würde. Risen hat das ja auch noch durchgezogen und wirkte damit zum Ende hin schon aus der Zeit gefallen. Wenn man heute die Dialoge eines Banishers, Clair oder selbst Avowed dagegenhält, wirkt Gothic schon wie ein Hobby-Projekt einer so ambitionierten wie gerade in die Pubertät gekommenen P&P-Runde. Was das am Ende eher dünnen Script um oberflächliche Fraktionsfehden und -interessen nicht weiterbringt. Wie gesagt, die darüberliegende Idee der undurchdringlichen Kuppel bietet zeitloses Potential, was Gothic daraus machte, war damals mutig und spannend. Aber die Welt hat sich halt weitergedreht.
Angaben zum Test:
Gothic Remake wurde auf einem Laptop mit Intel Ultra 7 255H, Geforce RTX 4070M, SSD M.2 und 32 GB RAM getestet. Die Testzeit betrug ca. 10 Stunden und dann noch einmal etwa 2 Stunden im neuen Anlauf. Die generelle Spielzeit liegt bei 20 bis 30 Stunden, je nachdem wie ihr spielt. Das Muster wurde als Code von THQ Nordic zur Verfügung gestellt. Versteckte Ecken und aufregende Orte: Gothic war eines der aufregendsten Spiele überhaupt. Vor 25 Jahren hat es Grundsteine gelegt und zeigte vielen kommenden Spielen den Weg. Es war ein wichtiges Spiel. Aber jetzt spiele ich lieber die Sachen, die Gothic etwas zu verdanken haben.Gothic Remake - Test Fazit
Das ist auch das, was ich Gothic Remake vorwerfe, und die Ungerechtigkeit dieses Vorwurfs zeigt sich im Namen des Spiels. Es ist ein Remake. Ein richtig solides, dem Original sehr treu ergebenes Remake eines echten Klassikers. Voller Gewinn also für Gothic Remake? Ja, wenn man ignoriert, was mit einem Remake mittlerweile eigentlich verbunden wird. Ein Blick auf Resident Evil 2 bis 4, die aus einer ähnlichen Ära wie Gothic kommen, zeigt, was möglich ist. Die Grafik auf den Stand zu bringen ist eine Sache, und hier übertrifft sich Gothic Remake. Sicher, Optimierung darf gern noch passieren, aber wenn es läuft, dann sieht es toll aus.
Aber was das Spielerische und auch zum Teil Erzählerische angeht, sind selbst B-Spiele wie Greedfall eigentlich weiter. Sie haben interessantere Charaktere, sinnvolle Komfort-Features und spielen sich einfach weniger hakelig. Selbst Elex ist da mehr auf dem Stand. Das ist ja ein direkter Nachfahre und sicher nichts, was ich sonst als Beispiel für ein gutes RPG heranziehen würde. Da müssen wir noch nicht mal in die Oberliga gehen, um Dinge wie so end- wie spaßloses Herumrennen, schwache Kampfsysteme oder Unzulänglichkeiten in der Steuerung anzukreiden. Zumindest optionale Komfortfeatures wären ja etwas gewesen, was man hätte machen können, ohne Verrat zu begehen. Gothic Remake steckt in der Vergangenheit fest, weil es das wollte. Weil es die von euch ansprechen wollte, die exakt das Spielgefühl von damals, nur in hübsch, suchen. Wenn ihr euch damit angesprochen fühlt, dann würdigt das und kauft bitte Gothic Remake. Es ist für euch gemacht. Nur für euch. Für alle anderen habe ich hier eine Liste mit 40 bis 50 RPGs der letzten 10 Jahre. Jedes davon zeigt, wie weit man in diesem Genre, das Gothic als Pionier vor so langer Zeit entscheidend mitdefinierte, gekommen ist.
007: First Light PROCONTRA- Kompakte, handgebaute Spielwelt
- Gelungene grafische Überarbeitung
- Verzicht auf Questmarker
- Sehr originalgetreu
- Gelungener, atmosphärischer Soundtrack
- Faires Diebstahlsystem
- Stocksteifes, veraltetes Kampfsystem
- Schlechte technische Optimierung
- Fehlende "Quality of Life"-Features
- Zäher Einstieg und lahme Progression
- Lange, ereignislose Laufwege
- Diverse Abstürze (plus ein geiziges Autosave)









