Machen wir uns nichts vor: Als die RTX 5070 letzten März erschien, war die Lage alles andere als optimal. Zu Beginn des Lebenszyklus einer Grafikkarte muss sich diese vor allem an ihrem Vorgänger messen lassen. Und da holte die RTX 5070 im Direktvergleich mit einer 4070 durchaus eine Leistungssteigerung raus (gut 20 Prozent bei Raytracing-Anwendungen), konnte sich gegenüber der 4070 Super aber kaum hervortun.

Gut, als Upgrade-Pfad für diese Halbschritt-Karte war die 5070 trotz neuem GDDR7 Speicher sicher ohnehin nicht gedacht. Aber ein zum Start erstaunlich hoher Preis (die UVP lag 50 Euro über der 4070 Super, der Straßenpreis war zeitweise noch höher) und eine im Vergleich zum Vorgänger deutlicher verbesserte Konkurrenz-GPU in AMDs RX 9070 mit mehr (wenn auch langsamerem) Speicher und etwas besserer Rasterisierungs-Leistung (sprich “Performance ohne Raytracing“) ließen die 5070 wie kein besonders attraktives Angebot aussehen.

Meine RTX 4080 Super (links) neben der Geforce 5070. Ich gebe zu, die kompakten Maße haben was. Meine RTX 4080 Super (links) neben der Geforce 5070. Ich gebe zu, die kompakten Maße haben was... Welcher Trottel ist denn da unten rechts mit dem Finger vor die Kameralinse gerutscht!?

Jetzt, nicht ganz ein Jahr später, sieht die Lage etwas anders aus. Stand Mitte Januar 2026 ist die RTX 5070 konsistent günstiger – sie ist ab etwa 540 Euro zu haben, während die 9070 sich eher Richtung 600 Euro und darüber bewegt. Mit ein wenig Abstand zur letzten Generation fällt nun eine Beurteilung dieser Grafikeinheit einfacher, wenn man betrachtet, was sie eigentlich ist: Ein bezahlbares Upgrade für Leute, die von Karten der 20er und 30er Reihe kommen und darauf Wert legen, von Raytracing Gebrauch zu machen.

Eine solide GPU für aktuelle 1440p-Spiele – hoffentlich dauerhaft zum angemessenen Preis

In meinem Praxistest war ich von der Performance dieser oberen Mittelklasse-Karte durchaus angetan. Vor allem aber mag ich ihr Design sehr, denn mir liegt ein Gerät im Nvidia-Referenzdesign vor, das mir schon seit der 10er-Reihe den Kopf verdreht, und jetzt in mattem, gebürstetem Anthrazit kriminell hübsch aussieht. Meine vor einem Jahr gekaufte, stärkere 4080 Super (Asus ProArt, ebenfalls ein hübsches Teil), musste für diesen Erfahrungsbericht Platz machen und obwohl der Vergleich nicht fair ist, finde ich die schlankeren Abmessungen der jüngeren, aber auch weniger leistungsstarken GPU zugegebenermaßen ziemlich sexy.

Passt, wackelt nicht, hat genug Luft.

Harte Benchmarks haben bereits andere zur Genüge geliefert. Aber in meiner 21:9-Auflösung von 3440 × 1440 hatte ich durch die Bank mit grafisch aufwendigen Titeln genug Spielraum, um mit DLSS auf Qualität bei einem Mix aus maximalen und vereinzelten, nur leicht an die Leine genommenen Einstellungen gute Bildraten jenseits oder weit jenseits der 60 fps zu erreichen. Oft genug, ohne auf Multi-Frame-Generation zurückzugreifen, die für jemanden wie mich, der auf Lag (Latenz) allergisch reagiert, nur in wenigen Titeln gut funktioniert.

Wo ich tatsächlich ganz gern Kompromisse eingehe, das ist Cyberpunk 2077, in dem ich mit zweifachem Multi-Frame-Rendering selbst bei vollem Path-Tracing auf 60 Bilder pro Sekunde kam. Reichen einem „nur“ Raytracing-Einstellungen, kann man sogar ohne MFG flüssig in hoher Detaildichte spielen. Es sind diese Szenarien, in denen die 5070 selbst die geliebte RTX 3080 in die Tasche steckt. Eine Karte, die man zum Launch 2020 so gut wie nie zur UVP von 699 Euro bekam. Tatsächlich zahlte man nicht selten eher 900 Euro.

Aber auch ohne “Multi Frame Gen” performt die 5070 immer noch sehr anständig. Battlefield 6 ist mit so gut wie durchweg maximierten Einstellungen und DLSS auf Qualität deutlich im dreistelligen FPS-Bereich. Arc Raiders bewegt sich immer irgendwo nordwärts von 90 oft genug über 100 Bilder pro Sekunde. Kingdom Come: Deliverance 2 galoppiert in all seiner Schönheit ebenfalls mit um die 100 Bilder durch Böhmen. Kurzum: Das sind eine Menge Frames pro Euro, wenn es um aktuelle Spiele geht. Je nach Vorlieben für Bildrate (feste 40 FPS sehen auf einem Display mit VRR auch sehr gut aus) beziehungsweise Toleranz für Technik-Tricksereien wie MFG oder den verschiedenen DLSS-Stufen bietet die RTX 5070 viel Spielraum, um einzelne Spiele in Richtung Performanz oder Opulenz zu optimieren.

Cyberpunk mit vollem Path Tracing. Ein Genuss!

Die Frage nach der Zukunft

Die 5070 ist also, wenn man unter 600 Euro investieren will, Raytracing möchte und es keine gebrauchte Karte sein soll, aktuell keine schlechte Wahl. Aber wie sieht es in der Zukunft aus? Nun, da wird vielfach berechtigterweise auf die 12 GB VRAM hingewiesen, die, wenn man es darauf anlegt, schon jetzt in dem einen oder anderen Szenario knapp werden, insbesondere in 4K. Aktuell würde ich die Lage noch nicht als brenzlig beschreiben, aber das dürfte sich mit neueren Titeln in absehbarer Zeit ändern und immer größere Kompromisse verlangen. Außerdem gibt es Gerüchte, dass wegen der Speicherknappheit - danke KI! - die RTX 3060 neu aufgelegt werden soll. Das lässt befürchten, dass auch 50er Karten in Bälde knapper und damit wieder teurer werden könnten.

Kurz: Die RTX 5070 dürfte Enthusiasten vermutlich nicht durch die nächsten drei, vier Jahre bringen. Aber wann hat das für eine GPU dieser oberen Mittelklasse schon mal gestimmt? Wichtiger ist immer, womit ihr euch aktuell herumschlagt – und da ist die Geforce 5070 ein substanzielles Upgrade solltet ihr das letzte Mal zur 3070 oder gar 2070 zugeschlagen haben. Preislich lagen diese in etwa auf demselben Level, zumindest bis der Bitcoin-Boom die 30er Karten knapper und damit teurer machte.

Hauptsache, es bleibt bei dem Preis.

Geforce RTX 5070 – Fazit

Obwohl der Vorsprung zur Konkurrenz knapper wird, in nackter Raster-Performance sogar verloren geht: Die RTX 5070 ist aktuell - Mitte Januar 2026 - eine einfach und vergleichsweise erschwinglich zu bekommende Grafikeinheit, die mit Raytracing-Fokus und führenden Upscaling-Lösungen (DLSS steht mittlerweile bei Version 4.5, MFG geht neuerdings sechsfach) mittelfristig einen attraktiven Upgrade-Pfad von Mittelklasse-Karten der 20er- und 30er-Generation darstellt. Die nächste Generation von Nvidia darf ihren Vorgänger aber gern wieder deutlicher in den Schatten stellen – und die harte Konkurrenz durch AMD ist sicher ein guter Ansporn dafür. Wer merkt, dass seine alte GPU aus dem letzten Loch pfeift, macht momentan mit der 5070 wenig falsch.