Auf dem Papier ist es die perfekte Verbindung: Wo dem Steam Deck für technisch aufwändige Spiele die Luft ausgeht, streamt man sie einfach per GeForce NOW. Kein Wunder also, dass Nvidia seinen Streaming-Dienst jetzt auch mit einer speziell dafür angepassten Version auf dem Handheld anbietet. Wobei… genau da liegt leider schon der virtuelle Hund begraben. So richtig angepasst hat man GeForce NOW nämlich überhaupt nicht.

GeForce NOW im Überblick

Ganz kurz ein paar Worte für Alle, die mit dem Streaming-Angebot noch nicht vertraut sind. Wer sich auskennt, der möge die folgenden drei Absätze überspringen.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern stellt Nvidia selbst keine Spiele zur Verfügung, sondern nur die Möglichkeit, überhaupt zu streamen – und zwar ausschließlich Spiele, die sich bereits in den eigenen Bibliotheken von Steam, Xbox, Ubisoft, Epic Games, Xbox beziehungsweise Blizzard (Battle.net) befinden und die von GeForce NOW auch unterstützt werden.

Es gibt verschiedene Abonnements, von denen das einfachste kostenlos ist. Dafür muss man dort mit Wartezeiten rechnen, bevor man überhaupt loslegen kann, ist pro Sitzung auf eine Stunde Spielzeit beschränkt und man muss Werbung in Kauf nehmen. Beim Performance-Abo für knapp 55 Euro pro halbes Jahr werden die Wartezeiten dagegen deutlich verkürzt und die Spielzeit einer Sitzung auf sechs Stunden erhöht, während das Warten beim Ultimate-Abo für knapp 110 Euro pro halbes Jahr am kürzesten ausfällt und die maximale Spielzeit einer Sitzung acht Stunden beträgt.

Zusätzlich unterscheidet sich die Qualität der Streams von kostenlosen 1080p über maximal 1440p beim mittleren Abo bis hin zu „ultimativen“ 4K. Diverse grafische Optionen, darunter Frame Generation, HDR sowie Bildraten bis zu 240 FPS, stehen zudem nur Ultimate-Abonnenten zur Verfügung, während Performance-Nutzer immerhin 60 FPS, Raytracing und das Beibehalten der Ingame-Einstellungen über mehrere Sitzungen genießen, worauf Nutzer des kostenlosen Dienstes verzichten müssen. Allen Abos ist allerdings gleich, dass man maximal 100 Stunden pro Monat spielen darf. Danach würden zusätzliche Kosten anfallen.

So streamt man heute

Um das klar zu kennzeichnen: Mir hat Nvidia ein Ultimate-Abonnement zur Verfügung gestellt, um darauf einen Blick zu werfen, wie der Streaming-Dienst mit der frisch veröffentlichen offiziellen App nun eben auch auf Steam Deck läuft. Meine Erfahrungen beziehen sich daher ausschließlich auf das Ultimate-Erlebnis, wo mir sicherlich auch deshalb keine Wartezeiten beim Starten einer Sitzung aufgefallen sind.

GewForce NOW - So streamt man auf Steam Deck. 1 of 6 Caption Attribution Auf den ersten Blick eine ganz normale Nutzeroberfläche - die mit Controller nur leider etwas umständlich bedienen lässt.

Allerdings musste selbst ich nach jedem Start eines Spiels dessen Einstellungen in Sachen Steuerung, HUD und so weiter neu vornehmen – jedenfalls so lange, bis ich die Option aktiviert hatte, dass GeForce NOW die Grafik(!)-Einstellungen dauerhaft festhält. Zusätzlich musste ich manuell festlegen, welche Datenmengen das Programm streamt, anstatt eine Voreinstellung zu nutzen. Denn mit Letzteren lässt das Ergebnis in Sachen visueller Qualität und Eingabeverzögerung sehr wünschen übrig.

Hat man eine ausreichend schnelle Leitung (Nvidia empfiehlt eine Bandbreite von 50 Mbps und Latenzzeiten von maximal 40 ms für das bestmögliche Erlebnis – Anforderungen, die mein Setup durchgehend übertrifft), funktioniert das Spielen per Stream dann aber erfreulich gut.

Schnell, schneller, Steam Deck?

Ohnehin muss ich den Streaming-Diensten inzwischen ein positives Urteil aussprechen, obwohl ich sehr empfindlich bin, was besonders die Latenz in Shootern und Rennspielen angeht. Die ist auch jetzt noch ein ganzes Stück von dem Niveau eines lokal installierten Spiels entfernt! Bei Doom: The Dark Ages und seiner eigentlich perfekten Reaktivität fällt das extrem deutlich auf.

Die Verzögerung ist insgesamt aber so gering, dass ich (mit einem Ultimate-Abo) vieles außerhalb des kompetitiven Bereichs sowie abseits reiner Rennsimulationen wie Le Mans Ultimate auf diese Art spielen würde. Wobei gerade diese zwei Genres auf dem Steam Deck ohnehin keine echte Rolle spielen und der Verzicht auf die Simulationen auch daran liegt, dass mein Lenkrad unter GeForce NOW nicht erkannt wird, obwohl es direkt davor und danach stets einwandfrei funktioniert.

Ich frage mich nur, warum es die auf PC zur Verfügung stehende Option zum Minimieren der Latenz nicht auch auf Steam Deck gibt. Liegt es daran, dass die Bildwiederholrate ohnehin nicht über 60 beziehungsweise 90 hinauskommt und man die Auflösung nicht von höheren Einstellungen auf 1080p reduzieren kann? Denn das geschieht, wenn man sie auf PC einschaltet. Ein wenig mehr Transparenz in Sachen Menü hätte ich mir deshalb gewünscht – und zwar nicht nur an dieser Stelle!

Was nicht passt…

Die Menüführung per Handheld beziehungsweise Controller wird einer modernen Anwendung zum Spielen nämlich kaum gerecht. Ja, man kann im Grunde alles per Digikreuz & Co. bedienen. Allerdings kommt man zum Beispiel nicht mit einem speziellen Tastendruck in die Einstellungen, um etwa Filter für die Liste aller gewünschten Genres einzustellen. Man kann auch nicht per Analogstick durch diese Filter scrollen, sondern muss per Digikreuz oder Analogstock navigieren, während gar nicht alle Optionen auf einen Bildschirm passen.

Falls man sich bei Epic Games oder Xbox ein weiteres Mal einloggen muss (das kommt gelegentlich vor), kann man diese Fenster nicht immer oder zumindest nicht komplett per Controllersteuerung bedienen. Und selbst wenn man das so einstellt, startet das Steam, in welches sich GeForce NOW bei jedem Spielstart eines damit verbundenen Titel einloggt, nicht im Big-Picture-Modus. Falls man also dort landet, was oft genug vorkommt, muss man auf Touch umsteigen.

Wunderschön: Star Wars Outlaws auf dem Steam Deck.

Es gibt noch mehr solcher Kleinigkeiten und nichts davon ist ein Beinbruch. Aber das alles macht das Benutzen des Dienstes leider unnötig fummelig, wenn man ohne Maus und Tastatur auskommen muss. Und die Wenigsten dürften dauerhaft im Desktop-Modus unterwegs sein. Wobei man den übrigens mindestens einmal unbedingt braucht, denn man kann GeForce NOW nicht aus dem Store herunterladen. Stattdessen muss man dafür eine Datei herunterladen und eigenhändig installieren.

Schade finde ich nicht zuletzt, dass das Programm nicht besonders elegant mit dem Standby-Modus umgeht. In gewisser Weise liegt das vermutlich in der Natur der Sache. Allerdings würde ich einem Streaming-Dienst durchaus zutrauen, dass man nach dem Verlassen des Sleep-Modus nicht erstens aus dem Spiel geschmissen wird und zweitens nicht auch noch eine Weile warten muss, bevor man es erneut starten kann. Die eigentlichen Spielen kann man ja durchaus auf diese Weise pausieren.

Überhaupt startet gelegentlich mal ein Spiel nicht, sondern bleibt ohne Fehlermeldung auf einem schwarzen Bildschirm hängen. Oder man gerät in die Situation, in der man Witchfire im Epic Steam Store besitzt, aber nur die Steam-Version gestreamt werden darf. Wie gesagt: Kleinigkeiten. So richtig ausgewachsen wirkt das aber eben nicht. Und es geht hier nun mal an erste Stelle um die (nicht) auf Steam Deck zurechtgeschnittene App.

Große Spieler auf kleinem Bild

Im Gegenzug will ich nicht unerwähnt lassen, dass GeForce NOW auf dem Handheld erfreulich wenig Strom frisst, sodass man pro Akkuladung mit einer Spielzeit von etwa fünf Stunden rechnen kann. Überhaupt will ich an dieser Stelle auch einfach mal darüber freuen, wie großartig es ist, Indiana Jones and the Circle of Destiny, Cyberpunk 2077, Star Wars Outlaws oder Doom: The Dark Ages auf dem kleinen Handheld mit vollem Raytracing und kernstabilen 60 Sekundenbildern zu genießen!

Gut, 90 und gelegentlich sogar 60 sind bei vollen Ultra-Einstellungen auch mit Ultimate nicht immer drin. Das sind aber Ausnahmen, die man durch das Herabsetzen einer Grafikeinstellung schnell beheben kann. Ganz allgemein ist es schlicht großartig, diese Hardwarefresser auf der Couch zu erleben, ohne dass der Lüfter auf Durchzug schaltet – da erzähle ich langjährigen Streaming-Veteranen nichts Neues.

Besser als hier funktioniert es aber nirgendwo und das ist denn auch der Grund, aus dem sich das Installieren von GeForce NOW auszahlt – falls man bereits auf eine ausreichend große und über mehrere Plattformen verteilte Bibliothek an PC-Spielen zugreifen kann.

Bedenkt zum Abschluss vielleicht, dass euch beim Benutzen des Programms stets dieselbe Controller-Konfiguration zur Verfügung steht, falls ihr sie nicht speichert, um hin und wieder auf eine andere zu wechseln und auch die zu speichern. Denn auch wenn der Dienst mehr als 2.200 Spiele unterstützt, so „weiß“ das Deck stets nur, das gerade die Nvidia-App läuft – um die damit verbundene Controller-Konfiguration zu laden, aber keine auf das dort laufende Spiel zurechtgeschnittene.

Wie eingangs erwähnt, merkt sich GeForce NOW dann aber alle im Spiel vorgenommenen Einstellungen und überträgt selbstverständlich auch die Spielstände in die Cloud, sodass sie später auf anderen Rechnern oder in lokalen Installationen zur Verfügung stehen. Blöd ist nur, dass auch Grafikeinstellungen ausschließlich global gespeichert werden. Wer nicht nur auf dem Deck, sondern auch auf einem Rechner streamt, muss die Auflösung daher jedes Mal erst wieder von klein auf groß stellen und je nach Deck-Version und Spiel auch HDR stets neu aktivieren. Das bekommen reguläre Cloud-Saves besser hin.

Abschließende Worte

Wie gesagt: Von einer vollständig an die Handheld-Nutzung angepassten Umsetzung kann keine Rede sein. Davon ist GeForce NOW auf dem Steam Deck meilenweit entfernt. Wenn Nvidia von einer „nativen App“ spricht, dann weiß ich zwar, dass das vor allem ein technischer Hinweis ist, frage mich aber trotzdem, warum man nicht auch der Nutzerführung der dedizierten Handheld-Anwendung ein wenig mehr Aufmerksamkeit gewidmet hat.

Der eigentliche Streaming-Dienst aber, der läuft einwandfrei – zumindest für Abonnenten der Ultimate-Version. Wie das ein oder gar zwei Klassen „darunter“ aussieht, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Ob das in Anbetracht der maximal 100 Nutzungsstunden pro Monat den Preis von fast 20 Euro pro Monat rechtfertigt? Schwer zu sagen. Das liegt in eurem individuellen Ermessen. Das Spielerlebnis ist, so viel kann ich mit Bestimmtheit sagen, auf jeden Fall ein richtig gutes.