Epic-CEO Tim Sweeney hält nichts davon, Spiele in digitalen Stores mit einem „Made with AI“-Label zu markieren. Auslöser für diese Aussage war ein Post des X-Nutzers Matt Workman, der forderte, solche Kennzeichnungen komplett abzuschaffen, weil sie inzwischen jede Aussagekraft verloren hätten. Sweeney griff die Diskussion auf – und stimmte zu. Seine Begründung: In den kommenden Jahren werde KI in so gut wie jeder Produktion eine Rolle spielen, sodass eine besondere Kennzeichnung wenig Mehrwert biete.

Sweeney präzisierte, dass KI-Labels in bestimmten Bereichen durchaus sinnvoll seien – etwa bei Kunstprojekten, bei denen Urheberschaft und Rechteklärung zentral sind, oder in Marktplätzen für digitale Assets, bei denen Käufer wissen müssen, welche Nutzungsrechte gelten. Für Spiele-Shops wie Steam, Epic Games Store oder Konsolen-Marktplätze sei die Lage jedoch eine völlig andere: Spiele würden ohnehin kollektiv und mit einer Vielzahl von Tools entwickelt, weshalb ein einzelner Hinweis auf KI-Einsatz am Ende nicht aussagekräftig sei.

KI-Einsatz vs Shampoo

Als ein Nutzer einwandte, Kunden hätten „ein Recht darauf, es zu wissen“, blockte Sweeney ab – mit einem bewusst überspitzten Vergleich. Man könne dann auch gleich deklarieren, welches Shampoo die Entwickler nutzen. Der Kern seiner Position: Der Einsatz von KI sei eine zunehmend alltägliche Produktionsrealität und kein marktrelevantes Qualitätsmerkmal.

Steam and all digital marketplaces need to drop the “Made with AI” label. It doesn’t matter any more.

— Matt Workman (@cinedatabase) November 13, 2025

Um diesen Inhalt zu sehen, erlaube bitte targeting-Cookies. Cookie-Einstellungen verwalten

Im Widerspruch dazu steht Steams aktuelle Richtlinie. Seit Anfang 2024 verpflichtet Valve alle Entwickler dazu, offenzulegen, ob generative KI bei der Entstehung eines Spiels genutzt wurde – und in welcher Form. Die Angaben erscheinen gut sichtbar im Store unter „AI Generated Content Disclosure“. Beispiele wie ARC Raiders zeigen, wie diese Einordnung aussieht: Dort heißt es, das Team nutze „prozedurale und KI-basierte Tools“, das Endprodukt reflektiere jedoch weiterhin die kreative Arbeit der Entwickler. Das Label soll Käuferinnen und Käufer informieren, die den Einsatz generativer KI kritisch sehen und ihre Kaufentscheidung davon abhängig machen möchten.

To KI or not to KI

Der Epic Games Store hat eine solche Offenlegung bislang nicht eingeführt – und nach Sweeneys Statement ist auch nicht davon auszugehen, dass sich das kurzfristig ändert. Sein Standpunkt fügt sich in die breitere Debatte um Transparenz, Copyright-Fragen und Verantwortung beim Einsatz von KI-Werkzeugen. Während Valve diesen Weg aktiv reguliert, setzt Epic auf Selbstbestimmung der Studios und verweist auf die rapide Normalisierung von KI im Produktionsalltag.

Wie sich die Branche positioniert, bleibt offen. Klar ist jedoch: Zwischen Plattformbetreibern, Studios und Verbrauchern wachsen die Erwartungen auseinander. Die Frage, ob KI-Kennzeichnungen künftig ein essenzielles Transparenzinstrument sind oder lediglich die nächste kurze Episode in einem überhitzten Technologiediskurs, ist damit alles andere als geklärt.