In einem Interview sprach einer der Chefentwickler Ubisofts über den Realismusgrad und bezog Stellung zur Frage der künstlerischen Freiheit in Assassin’s Creed.

Spielt denselben Song nochmal!

Ach ja, die alte Diskussion über Realismus und historische Genauigkeit in Assassin’s Creed hat auch den neusten Teil wieder eingeholt, beziehungsweise ging es schon vor Release los. Dabei stand häufig Yasuke als Samurai im Mittelpunkt, aber auch die generelle historische Akkuratheit wurde in Frage gestellt.

Dabei ist die Diskussion so alt wie die Spielereihe selbst. Im ersten Teil wurde noch die Armbrust für Altair entfernt, da sie historisch inakkurat sei und in Odyssey reite ich quasi als Halbgott auf Pegasus herum. Aber sind wir mal ehrlich, historische Genauigkeit muss künstlerischer Freiheit ab und zu Platz machen. Sonst hätten wir wohl nie den Papst im Vatikan verprügelt und Leonardos Panzer ausprobieren können. Die Frage ist ja eher, wie sich die ausgedachte Geschichte in die tatsächliche Historie einfügt.

Dokumentation vs. Kunst

Der Cinematic Director von Assassin’s Creed Shadows, David Nibbelin, hat in einem Interview mit GamesRadar+ genau über dieses Thema gesprochen. Dabei hebt er sofort heraus, dass AC Shadows keine Dokumentation sei.

“Wir versuchen nicht, Japan aus einem sehr klinischen oder stereotypen Blickwinkel zu zeigen. Es ist keine Dokumentation. Wir wollten, dass Sie diese Geschichte wirklich erleben.”

Dafür ist künstlerische Freiheit sicher sehr wichtig, denn weiter sagt Nibbelin: “Eines der großartigen Dinge an einem Projekt wie Assassin's Creed ist, dass wir nicht eine traditionelle japanische Geschichte erzählen müssen. Es ist kein feudaler japanischer Film, bei dem alles sehr geerdet sein muss, denn die Art und Weise, wie Assassin's Creed die Historie betrachtet, ist sehr einzigartig.”

Dass Spiele, deren Geschichte stark in der Realität verankert sind, funktionieren, zeigten nicht zuletzt Kingdom Come: Deliverance 1 und 2, aber in einem Assassin’s Creed kann ich mir das trotzdem nur schwer vorstellen. Mal abgesehen von der Logik eines Todessprungs und der genauen Funktionsweise der versteckten Klinge, will ich nicht als Edward Kenway den halben Tag Zitrusfrüchte essen, um kein Skorbut zu bekommen und mehrere Tage bis nach Nassau brauchen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Kingdom Come, aber Assassin’s Creed kann gerne etwas fantasievoller bleiben. Am Ende kommt es vor allem auf die Balance an.