Es war eine verheerende Woche, nicht nur für die Spieleindustrie als Ganzes, sondern im Speziellen für Xbox. Hunderte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben bei Xbox infolge einer Entlassungswelle beim Mutterkonzern Microsoft ihre Jobs verloren – Entlassungen, die insgesamt mehr als 9000 Menschen betreffen. In den vergangenen Jahren ist das eine traurige Regelmäßigkeit in der Videospielbranche geworden, die viele Studios betrifft, und es ist wahrscheinlich, dass sich dieser Trend auch im restlichen Jahr 2025 und darüber hinaus fortsetzen wird.

Einst galt die Spielebranche als krisenresistent, doch seit einigen Jahren kommt es bei Entwicklerstudios und Publishern zu massiven Entlassungen. Vielleicht erinnert ihr euch noch an Meldungen über 860 Entlassungen bei Epic, 1.800 bei Unity, 900 bei PlayStation, 530 bei Riot – und sogar schon einmal 1.900 bei Xbox. Und das sind nur einige wenige Beispiele.

Wie gesagt, leitete Microsoft in dieser Woche eine weitere Entlassungsrunde ein, es ist die vierte innerhalb von weniger als zwei Jahren. Microsoft teilte Eurogamer mit, dass diese Entlassungen "notwendig seien, um das Unternehmen und die Teams für den Erfolg in einem dynamischen Marktumfeld zu positionieren".

Berichten zufolge soll sich dadurch nichts an den Next-Gen-Xbox-Plänen von Microsoft ändern. Zudem dementierte das Unternehmen Berichte über einen möglichen Rücktritt von Xbox-Chef Phil Spencer. Unterdessen riefen Spieler als Reaktion auf die Entlassungen zu einem Game Pass-Boykott auf. Weiterhin wird berichtet, dass Titel wie State of Decay 3, von dem man schon länger nichts mehr hörte, oder auch Hideo Kojimas OD, sicher sein sollen.

Anders gesagt: rund um Xbox ist in dieser Woche definitiv viel passiert. Um euch dabei zu helfen, diese Entwicklungen einzuordnen und in Gänze zu erfassen, haben wir die aktuellen Meldungen der Woche noch einmal für euch zusammengefasst.

Betroffene Projekte und Personen

Rares Fantasy-Adventure Everwild, das vor über sechs Jahren angekündigt wurde und seitdem weitgehend unter Verschluss gehalten wurde, wurde Berichten zufolge eingestellt. In der Folge gab Gregg Mayles – der seit ganzen 35 Jahren bei Rare war – seinen Abschied vom Unternehmen bekannt.

Der Reboot von Perfect Dark, entwickelt von The Initiative, wurde im Rahmen der aktuellen Kürzungen bei Microsoft ebenfalls eingestellt. Der Neustart der Rare-Serie war erstmals im Dezember 2020 angekündigt worden und befand sich seitdem bei The Initiative in Entwicklung. Nach zahlreichen Rückschlägen wurde Tomb Raider-Entwickler Crystal Dynamics hinzugezogen, um zu helfen – doch es scheint, als werde das Projekt niemals das Licht der Welt erblicken. Joanna Dark-Darstellerin Alix Wilton Regan forderte daraufhin die Fans auf, ihre Stimmen zu erheben, um Perfect Dark zu retten, nachdem Microsoft das Spiel Anfang dieser Woche gestrichen hatte.

Romero Games, das kleine irische Entwicklerstudio der Branchenveteranen John und Brenda Romero, verlor seine Finanzierung durch Bethesda, wodurch die Entwicklung einer komplett neuen Shooter-IP eingestellt werden musste. Unbestätigten Berichten zufolge wurde das gesamte Entwicklungsteam entlassen.

Forza Motorsport "existiert nicht mehr", behauptet unterdessen ein ehemaliger Mitarbeiter von Turn 10. Der frühere Content-Koordinator Fred Russell veröffentlichte auf Facebook einen Beitrag mit Bildern aus seiner Zeit an der Serie und schrieb: "Turn 10 Studios hat die Forza Motorsport-Abteilung geschlossen und das Team existiert nicht mehr" Die Entwicklung von Forza Horizon soll jedoch fortgesetzt werden. Laut Bloombergs Jason Schreier wurden Berichten zufolge fast 50 Prozent der Belegschaft von Turn 10 entlassen.

Forza Motorsport hat offenbar keine Zukunft mehr. | Image credit: Xbox

Chris Linn, Senior Producer der Zenimax Online Studios, bestätigte auf LinkedIn die Einstellung eines unangekündigten MMOs mit dem Codenamen Blackbird. "Heute war eine der größten Enttäuschungen meiner 35-jährigen Spielekarriere. Meine Enttäuschung gilt nicht in erster Linie mir selbst, sondern meinem Team und den Spielern, die nie die Gelegenheit haben werden, das fantastische Spiel zu spielen, das wir aufgebaut haben." Auch Matt Firor, Präsident der Zenimax Online Studios, kündigte an, dass er infolge der Entlassungen und der Einstellung des Projekts zurücktreten werde.

Laut Bloomberg entlässt Microsofts Mobile-Gaming-Sparte King rund 200 Beschäftigte – das entspricht etwa 10 Prozent der Belegschaft. Auch Teams, die nicht direkt mit Spielen zu tun haben, sind betroffen. Wie The Verge berichtet, wurde Personal aus dem User-Research-Team von Xbox entlassen, darunter auch der Leiter für Produktsicherheit im Bereich Familie und Kinder, Mike Mongeau.

Die Reaktion von Xbox

Xbox-Chef Phil Spencer sprach die Entlassungen in dieser Woche in einem Memo an Beschäftigte an (via IGN):

"Heute teilen wir Entscheidungen mit, die Kolleginnen und Kollegen in unserer Organisation betreffen werden. Um den Gaming-Bereich langfristig auf Erfolgskurs zu halten und uns auf strategische Wachstumsfelder zu konzentrieren, werden wir Arbeiten in bestimmten Geschäftsbereichen einstellen oder reduzieren und dem Beispiel Microsofts folgen, Managementebenen zu entfernen, um Agilität und Effizienz zu erhöhen. Aus Respekt gegenüber den heute betroffenen Personen werden die Einzelheiten der Benachrichtigungen und etwaiger organisatorischer Veränderungen in den kommenden Tagen von euren Teamleitern kommuniziert."

"Ich weiß, dass diese Veränderungen zu einem Zeitpunkt kommen, an dem wir mehr Spielerinnen und Spieler, Spiele und Spielstunden haben als je zuvor. Unsere Plattform, unsere Hardware und unsere Spiel-Roadmap waren noch nie so stark. Der derzeitige Erfolg beruht auf schwierigen Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit getroffen haben. Wir müssen jetzt Entscheidungen treffen, um auch in den kommenden Jahren erfolgreich zu bleiben – und ein entscheidender Teil dieser Strategie ist es, die besten Chancen gezielt zu priorisieren. Wir werden das schützen, was gedeiht, und unsere Kräfte auf Bereiche mit dem größten Potenzial konzentrieren, während wir die Erwartungen erfüllen, die das Unternehmen an unser Geschäft hat. Dieser fokussierte Ansatz ermöglicht es uns, über Generationen hinweg herausragende Spiele und Erlebnisse für Spielerinnen und Spieler zu liefern."

"Chancen zu priorisieren ist essenziell – aber das schmälert nicht die Bedeutung dieses Moments. Ganz einfach: Wir wären heute nicht da, wo wir sind, ohne die Zeit, Energie und Kreativität derjenigen, deren Rollen betroffen sind. Diese Entscheidungen spiegeln in keiner Weise das Talent, die Kreativität oder das Engagement der betroffenen Personen wider. Unser Fortschritt ist kein Zufall – er ist das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit unserer Teams."

"Die Personalabteilung arbeitet direkt mit den Betroffenen zusammen, um Leistungen aus dem Abfindungsprogramm bereitzustellen (gemäß lokaler Gesetzgebung), einschließlich Gehaltszahlungen, Krankenversicherung und Vermittlungsunterstützung. Beschäftigte, deren Rollen gestrichen wurden, werden ermutigt, sich auf offene Stellen innerhalb von Microsoft Gaming zu bewerben, wo ihre Bewerbungen vorrangig geprüft werden."

"Danke an alle, die unsere Kultur, unsere Produkte und unsere Community geprägt haben. Wir gehen mit tiefer Dankbarkeit und Respekt für all jene weiter, die diese Reise mitgestaltet haben."

In einer Mail an die Beschäftigten, die Eurogamer, Jason Schreier und Windows Central vorliegt, ergänzte Xbox' Studioleiter Matt Booty:

"Ergänzend zu Phils Nachricht möchte ich mehr zu den Veränderungen in unseren Studios mitteilen. Wir haben die Entscheidung getroffen, die Entwicklung von Perfect Dark und Everwild zu beenden und mehrere unangekündigte Projekte in unserem Portfolio einzustellen. In diesem Zusammenhang schließen wir eines unserer Studios – The Initiative."

"Diese Entscheidungen, ebenso wie weitere Veränderungen in unseren Teams, sind Teil eines übergeordneten Versuchs, Prioritäten anzupassen und Ressourcen neu zu verteilen, um unsere Teams im sich wandelnden Branchenumfeld auf größeren Erfolg auszurichten."

"Wir haben diese Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen, denn jedes Projekt und jedes Team steht für Jahre an Arbeit, Vorstellungskraft und Engagement."

In einer bemerkenswert unsensiblen Reaktion auf die Entlassungen schlug Matt Turnbull, Executive Producer bei Xbox Game Studios Publishing, den Entlassenen vor, generative KI zu nutzen, um bei der Jobsuche zu helfen. In einem inzwischen gelöschten LinkedIn-Post schrieb er:

" Ich weiß, dass diese Art von Tools starke Gefühle bei Menschen hervorrufen, aber ich wäre nachlässig, wenn ich nicht versuchen würde, unter diesen Umständen den bestmöglichen Rat zu geben. Ich habe mit Möglichkeiten experimentiert, LLM-KI-Tools (wie ChatGPT oder Copilot) einzusetzen, um die emotionale und kognitive Belastung zu reduzieren, die mit dem Verlust des Arbeitsplatzes einhergeht."

Es folgte eine Reihe von Ideen für KI-Eingabeaufforderungen ("Prompts"), um den jetzt Arbeitssuchenden bei der Jobsuche zu helfen – und enthielt die Aufforderung, den Beitrag "mit anderen im eigenen Netzwerk zu teilen". Dass das nicht allzu gut ankam, versteht sich von selbst.