Es ist kalt, aber auch wunderschön: Island. Das Land, in dem Schnee und Vulkane mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit aufeinandertreffen, sich Wale im eiskalten Meer tummeln, drollige Papageientaucher nisten und die Sonne erst gegen Mitternacht untergeht. Hier findet das EVE Fanfest statt. Auf dieser Convention feiern Community und Entwickler das Universum, ihre Leidenschaft und das Gemeinschaftsgefühl. Entwickler CCP stellt die Neuerungen für EVE Online, Frontier und Vanguard vor und die Spieler pflegen ihre Online-Freundschaften und profitieren von der grandiosen Aussicht sowie dem lebendigen Nachtleben. Wirklich nüchtern waren nur wenige Fans - der Kater gehört für viele zum Erlebnis dazu.

EVE Vanguard im Detail: Ein MMOFPS für EVE-Neugierige

Ich war vor allem hier, um mir Vanguard anzusehen und euch davon zu erzählen. Das Casual-EVE für FPS-Fans. Oder wie die Entwickler es so schön nennen: MoMoFoPuS. Es ist ein MMO-Shooter, der mit EVE Online verknüpft werden und neue Spieler für das große Franchise rekrutieren soll. Für viele Spieler wirkt EVE Online wie ein massiver Berg an Content und Investment, zu hoch, um ihn jemals besteigen zu können. Auch ich habe noch keinen Fuß in die riesige Sci-Fi-Welt gesetzt, genau aus diesem Grund. Mir fehlt einfach die Zeit mich mit all den Details auseinanderzusetzen, keine Zeit für stunden- und tagelangen Grind. Dabei ist das Spiel alles andere als uninteressant. EVE Vanguard könnte hier einen guten Einstieg für alle bieten, denen es ähnlich geht.

Eindrücke vom EVE Fanfest 2025

1 of 5 Caption Attribution Die Harpa Concert Hall in Reykjavik. Hier fand das EVE Fanfest 2025 statt.

Aber was ist EVE Vanguard überhaupt? Ihr könnt es euch ein wenig wie Destiny 2 vorstellen. Ein MMOFPS mit sozialen Features. Ihr landet auf einer von vielen Maps und führt dort Missionen aus. Diese können völlig unterschiedlich sein. In einer Demo auf dem Fanfest durfte ich etwa Beacons verteidigen. Auf der Karte wird es auch andere NPCs und Spieler geben. Es liegt also an euch, ob ihr lieber vorsichtig herumschleicht oder aktiv den Kampf sucht. Dabei stehen euch unterschiedliche Waffentypen zur Verfügung - etwa eine Sniper mit ordentlich Wumms, eine Shotgun, Pistolen, Gewehre und mehr. Alle knallen akustisch ordentlich rein, nur hier und dort hat sich der Rückstoß noch etwas zu extrem angefühlt.

Ebenfalls interessant ist, dass ihr eure Munition craften müsst. Es gibt also ganz EVE-typisch mehr Ressourcen, die ihr im Blick haben müsst. Eure Waffen, Skins und die verschiedenen Anzüge findet ihr in einem speziellen Menü. Ihr könnt zudem im Squad spielen, den Proximity Chat nutzen und auch ein Matchmaking-System wird es geben. Die Welt besteht aus mehreren, düsteren Biomen - etwa einem Mangrovenwald oder wüstenähnliche Landschaften mit abgestürzten Raumschiffen und Säurepfützen, die euch bei Kontakt Schaden zufügen.

CCP hat außerdem Bastions vorgestellt. Diese über die gesamte Karte verteilten Treffpunkte werden von CCP mit dem Continental in John Wick verglichen. Es sind Orte, an denen nicht gekämpft wird - was wiederum bedeutet, dass überall anders durchaus Schüsse fallen dürfen. Hier findet ihr zudem NPCs, Bestenlisten, Shops und könnt euch Missionen abholen. Die sozialen Interaktionen stehen hierbei jedoch im Vordergrund. Wer diesen sozialen Kreis verlassen und in eine weitere Bastion reisen will, muss mit einer Art leichtem Reset rechnen. Abgesehen davon soll es in EVE Vanguard aber keine Resets geben.

Wann erscheint EVE Vanguard? Wer sich selbst ein Bild vom EVE-FPS machen möchte, kann dies im Early Access am 16. September 2025 machen - oder ihr wartet auf den Release im Sommer 2026.

Die Vision für Vanguard und was die Community davon hält

Wie Brand Director Grant Tusker erklärt, dass Helldivers 2 und Hunt: Showdown wohl die interessantesten Konkurrenten für das Spiel werden könnten. An das Budget eines Destiny 2 kommt EVE Vanguard nicht heran, dennoch möchte es der MMO-Shooter mit seinen ganz eigenen Stärken am Markt versuchen - und dieser USP ist laut Tusker EVE Online beziehungsweise das Universum New Eden. Die Spieler sind nicht nur Teil von Vanguard sondern von etwas größerem, bedeutungsvollerem. Online wird in das Geschehen von Vanguard eingreifen und auch andersherum. Spieler in Vanguard, die etwa auf dem Boden Aufgaben nachgehen, können das Level der Korruption in Online beeinflussen, wie Tusker erklärt. Diese Interkonnektivität der beiden Spiele soll über die Zeit hinweg wachsen.

Ein klein wenig Farbe gibt es dennoch. Die Biome sollen zwar düster sein, aber dennoch in blauen, roten, grünen und gelben Farbschemata vorkommen. Abwechslung und so.

Vanguard richtet sich weniger an die Spielerschaft von Online, erklärt Tusker. Vor allem sollen hier neue Spieler angesprochen werden, die Freude an FPS-Games haben. Und daher muss auch das Gunplay stimmen, sonst wird Vanguard nicht lange überleben. Aus diesem Grund habe das Team auch extrem lange an der ersten Waffe gearbeitet, damit eben alles stimmt. Dazu soll Vanguard in die Lore eingebunden und sorgfältig in das bestehende Universum eingearbeitet werden, damit es dem ursprünglichen EVE-Gefühl treu bleibt. Die Skybox ist hier ein schönes Beispiel. Beim Blick in den Himmel fragt man sich mehr als nur einmal, was wohl die Online-Spieler gerade treiben.

Also, EVE Vanguard soll neue, interessierte Spieler ins Universum ziehen, die Community mit Spielern vergrößern, die etwas weniger komplex starten möchten. Wer EVE-curious ist und Shooter mag, fällt perfekt in die Zielgruppe von Vanguard.

Warum gerade ein MMOFPS? Das habe ich Tusker auch gefragt, denn es gibt ja auch noch MMORPGs und andere Spiele, in denen man die soziale Komponente unterbringen könnte. Hierbei war die besondere Leidenschaft für Shooter bei CCP wohl entscheidend. Mit Dusk 514 hatte der Entwickler 2013 bereits einen Versuch gestartet, ein MMOFPS in das EVE-Universum einzubinden. Leider ist dieser Versuch gescheitert, was unter anderem daran lag, dass CCP den Titel lediglich auf der PlayStation herausbringen wollte - dabei ist die Community von EVE seit jeher am PC zu finden.

Fun Fact: Die Entwickler von Vanguard sprechen den Namen des Genres fürchterlich gerne falsch aus. Sie sagen “Momofopus”, sprechen also nicht die einzelnen Buchstaben hintereinander aus, wie es üblich ist, sondern bilden daraus ein Wort, indem sie passende Vokale einsetzen. Dieser Running Gag stammt wohl von einem berühmten YouTuber, der diesen Ausdruck zuerst nutzte und irgendwie kann sich CCP seitdem einfach nicht satt daran sprechen. Welcher YouTuber dieses Wort genau in ihr Leben brachte, daran konnte sich Tusker leider nicht erinnern. Wenn ihr es wisst, tippt es bitte, bitte in die Kommentare!

Und was sagen die bestehenden Spieler? Die Meinungen zu Vanguard gehen hier ein wenig auseinander. Als ich mit einigen Fans darüber sprach erhielt ich unterschiedliche Antworten. Die einen hatten sich nur wenig für das MMOFPS interessiert, andere fanden, es sah clean aus und hätten sogar Lust es selbst zu probieren, wieder andere beäugten den Titel skeptisch. MisterVee, der Vanguard bereits ausprobiert hat, sagt, dass Vanguard einfach nicht ins EVE-Universum passt. Weasle350 denkt, dass Vanguard interessant aussieht und sicher ein gutes Spiel wird. Laut ihm habe CCP eine Menge von Dust 514 gelernt - zumindest kommt es diesmal auf den PC und wird kein PlayStation-Exklusvtitel. Wie der schottische Spieler Sarge mir erklärt, hat er sich damals sogar eine PS3 gekauft, nur um den neuen Titel zocken zu können.