Don't Nod vor dem Abgrund? Tencent verweigert die Rettung für das Aphelion-Studio
Dem französischen Studio Don't Nod (bekannt für Life is Strange, Banishers, Jusant und ganz aktuell Aphelion) könnte bald das Geld ausgehen. In einem neuen Finanzbericht verriet der Entwickler und Publisher, dass die Barreserven bis November erschöpft sein könnten.
Aus den Unterlagen geht hervor, dass Mitbesitzer Tencent weder das nächste Projekt finanzieren noch seine finanzielle Beteiligung am Studio aufstocken will. Tencent hatte sich während des Post-Pandemie-Booms 2021 bei Don't Nod eingekauft und hält derzeit 42 Prozent der Firmenanteile.
Der Journalist Gauthier "Gautoz" Andres stieß auf BlueSky zuerst auf den besorgniserregenden Bericht der Wirtschaftsprüfer. Das französische Magazin Gamekult nahm die Zahlen genauer unter die Lupe. Daraus geht hervor, dass Don't Nod im April noch 8,8 Millionen Euro in der Kasse hatte.
Image credit: Don't NodStudio-Präsident Oskar Guilbert erklärte, dass die Führungsebene bereits nach Auswegen sucht. Man klopfe vor allem bei anderen Publishern an, um frische Gelder aufzutreiben. Leider erbrachte bisher keines dieser Gespräche eine feste Zusage.
Was das konkret für das Studio bedeutet, steht noch in den Sternen. Es ist aber durchaus realistisch, dass bald Einsparungen und Entlassungen drohen. Um gegenzusteuern, schraubt das Team anscheinend die Pläne für sein nächstes Spiel – aktuell als "Projekt P14" in Entwicklung – herunter. Laut Gamekult veröffentlicht das Studio den Titel eventuell früher als geplant, dafür aber in abgespeckter Form.
Der Vorstand von Don't Nod trifft sich am 17. Juni, um über mögliche Lösungswege zu beraten.
Viele Studios der Branche machen gerade harte Zeiten durch. Für Don't Nod ist es allerdings nicht die erste Krise. Erst Anfang 2025 entließ das Studio eine ungenannte Zahl von Angestellten im Büro in Montreal. Schon 2024 kündigte der Entwickler Entlassungen an, nachdem das Kletter-Abenteuer die Verkaufserwartungen verfehlt hatten.
Image credit: Don't NodGanz allgemein ziehen sich große Publisher immer häufiger aus der Finanzierung unabhängiger Studios zurück. Der chinesische Konzern NetEase ließ beispielsweise "Gang of Dragon" fallen – das nächste Spiel des Yakuza-Erfinders. Das passierte, kurz nachdem das Entwicklerteam frisches Geld gefordert hatte, um den Titel fertigzustellen.
Im November letzten Jahres machte NetEase bereits die Bad Brain Studios dicht – ein Team aus ehemaligen "Watch Dogs: Legion"-Entwicklern. Anfang dieses Jahres schloss Tencent außerdem TiMi Montreal. Dieses Studio bestand aus früheren Ubisoft-Talenten und schraubte neben anderen Projekten an einem großen AAA-Open-World-Spiel.









