Donkey Kong Bananza im Test - anfangs war ich skeptisch, doch das hier ist der erste große Hit nach dem Launch der Switch 2
In der jüngeren Vergangenheit hat sich Donkey Kong eher auf 2D-Abenteuer beschränkt und das ist auch die Spielweise, mit der ich den Affen in den vergangenen Jahren intensiver kennenlernte. Und jetzt wirft Nintendo das alles über den Haufen! Nicht komplett, doch das neueste Bananen-Abenteuer des affigen Helden bricht aus der starren 2D-Perspektive aus und wirft euch in zahlreiche verschiedene, größtenteils zerstörbare 3D-Welten. Donkey Kong Bananza verkörpert genau das, was in Nintendos DNA steckt: Experimentierfreudigkeit, farbenfrohe Games, purer Spielspaß und ein kleines bisschen Verrücktheit.
Ein starker Affe
Im Grunde kann Donkey Kong hier (fast) komplett eskalieren und die Spielwelt nach Lust und Laune auseinandernehmen, eure persönliche Wutbude, wenn ihr so wollt. Wenngleich natürlich nicht alles zerstörbar ist, es gibt gewisse Grenzen. Sonst würde das nicht so richtig funktionieren, wenn ihr alles weggekloppt habt und am Ende nichts mehr übrig ist. Das wäre nicht so richtig zielführend. Letztlich besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Welten zurückzusetzen. Wenn ihr also wirklich mal an einen Punkt kommen solltet, an dem ihr ein Problem habt, etwas Bestimmtes zu erreichen, hilft euch das weiter.
In diesem Spiel ist der Affe jedenfalls ziemlich agil und stark. Ihr prügelt euch durch allerlei verschiedene Materialien, die immer härter werden, je weiter ihr euch durch die Schichten in Richtung Planetenkern arbeitet. Manche reagieren nur mit bestimmten anderen, auf weiteren Oberflächen rutscht oder springt ihr wie ein Flummi, wieder andere lassen euch in die Luft abheben, wenn ihr sie greift und festhaltet. Hier und da müsst ihr schon genauer darüber nachdenken, was und wie ihr es tut, wobei euch das Spiel super wenig Steine in den Weg legt.
Im Laufe des Abenteuers bewegt ihr euch durch zahlreiche verschiedene Schichten.Im Gegenteil: es ist ziemlich (einsteiger)freundlich gestaltet. Klatscht Donkey Kong in die Hand, kann er zum Beispiel versteckte Gegenstände orten. Im Laufe der Zeit lässt sich diese Fähigkeit - wie auch viele andere - weiter verbessern, und es gibt wirklich einiges zu finden. Von Fossilien, die ihr für Kleidung eintauscht, über Gold, das für verschiedene Dinge genutzt wird, bis hin zu Chips, mit denen ihr weitere Banandium-Juwelen erhaltet. Nach jeweils fünf gesammelen Banandium-Juwelen schaltet ihr einen neuen Fähigkeitspunkt frei, mit dem ihr den Affen stärker oder widerstandsfähiger macht, um nur zwei von vielen Aspekten zu nennen. Kurz gesagt: wer das Spiel komplett ausreizen und alles freischalten möchte, wird für die Erkundung belohnt.
Und dabei habe ich die zahlreichen versteckten Bonuslevel noch gar nicht erwähnt. Dahinter verstecken sich die unterschiedlichsten Herausforderungen, ihr sollt etwa Gegner innerhalb eines bestimmten Zeitlimits ausschalten. Besonders nostalgisch wird es erwartungsgemäß in den Bonuslevels, die im bekannten 2D-Format gestaltet sind. Hier kommt klassisches Donkey Kong-Sidescroller-Feeling auf, zugleich kommen dort ebenfalls die zerstörerischen Fähigkeiten zum Einsatz.
Durch die Welten in Richtung Planetenkern
Dabei bekommt es Donkey Kong mit der finsteren Void Company zu tun, die von Void Kong angeführt wird. Unterstützung erhält er von Grumpy Kong und Poppy Kong. Ihr werdet allen des Öfteren begegnen und das sind keine freundlichen Treffen. Alles dreht sich um die goldenen Banandium-Juwelen, die auch die Void Company haben möchte. Anders gesagt: Sie wollen DK die Bananen vorenthalten. Das geht natürlich gar nicht! Jedenfalls will Void Kong das mit einer riesigen Maschine bewerkstelligen, die letztlich dafür sorgt, dass DK unter der Oberfläche landet und dort auf einen Felsen trifft, der sich als junge Pauline entpuppt. Gemeinsam wollen die beiden fortan zum Planetenkern gelangen, wo man sich angeblich einen Wunsch erfüllen lassen kann - was beiden weiterhelfen würde. Allerdings möchte Void Kong dort ebenfalls hin.
Die Bananza-Verwandlungen erfüllen alle einen bestimmten Zweck und ihr braucht sie auch.Und auf eurem Weg nach unten erlebt ihr so einiges. Zahlreiche kleine Welten beziehungsweise Schichten, von denen ihr gar nicht erwarten würdet, dass es hier unter der Erdoberfläche so aussieht. Wir haben sonnige Strände, saftig grüne Wälder, heiße Lava (was noch am ehesten passt) oder eine stürmische Eiswelt. Und dazwischen immer wieder Bossgegner, die euch an den Kragen wollen. Eigentlich ergibt das ja gar keinen Sinn, und das sind noch nicht einmal die merkwürdigsten Welten. Aber egal, das hier ist sicherlich nicht das Spiel mit dem höchsten Realismusanspruch, also alles okay. Es dient dem Spielspaß und im Grunde verkörpert Bananza auch genau den Charme, der viele Videospiele eigentlich ausmacht: habt Spaß, tobt euch aus und denkt nicht zu viel über Realismus nach.
Donkey Kong ist währenddessen gewissermaßen für die Drecksarbeit zuständig, prügelt sich mit Gegnern, zerlegt das Terrain, klettert und so weiter. Pauline hockt auf seinem Rücken und kann euch einerseits mit ihrer Stimme den Weg zum Ziel weisen, andererseits öffnet ihr Gesang spezifische Barrieren für euch, wodurch ihr Zugriff auf Bonuslevel erhaltet oder einzelne Objekte zerstören könnt, die den Fortschritt behindern.
Zudem geht es nicht alleine darum, Dinge lediglich zu zerstören. Also, letztlich schon überwiegend, doch ihr könnt (und müsst) Teile der Umgebung gleichermaßen für eure Zwecke einsetzen. Zum Beispiel, indem ihr ein Stück aus dem Boden oder aus einem Felsen reißt und damit Dornen in ihre Einzelteile zerlegt, die euch den Weg blockieren. Weiterhin nutzt ihr Bruchstücke aus der Umgebung, um darauf durch die Gegend zu sliden, um Doppelsprünge durchzuführen oder euch ein Seilrutschen entlangzuhangeln. Je nach Material klappt das mal mehr, mal weniger gut, insofern kommt es da ebenfalls auf die richtige Wahl an. Und: aus Matsch könnt ihr zum Beispiel Stück für Stück Brücken bauen, indem ihr ein Teil nach dem anderen aufeinander klatscht. Das System dahinter ist auf jeden Fall durchdacht und wird auf vielfältige Weise eingesetzt.
Bananen-Power und Verwandlungen
Und das ist längst nicht das Ende eurer Möglichkeiten in diesem Spiel. Es gibt da nämlich noch die Bananzas, die ja zugleich im Titel des Spiels stecken. Paulines Gesang hilft Donkey Kong dabei, bestimmte animalische Formen anzunehmen, die ihr im Spielverlauf erlernt und die ihm zu neuen Fähigkeiten verhelfen, die er ansonsten nicht hätte. Die Kong-Bananza sieht ist zum Beispiel noch relativ normal aus, macht DK zu einem größeren und stärkeren Affen, wodurch er sich auch durch festere Materialien prügeln kann und im Allgemeinen Sachen mit größerer Leichtigkeit zertrümmert.
Je weiter ihr nach unten vordringt, desto verrückter wird es.So weit, so normal. Danach wird es doch ein wenig … sagen wir außergewöhnlicher. DK kann sich außerdem noch in ein Straußen-Bananza verwandeln, um zu fliegen, sich von Ventilatoren in die Luft befördern zu lassen oder Eierbomben auf Gegner zu werfen, während das Zebra-Bananza euch schnell über zerbrechliche Pfade und sogar übers Wasser laufen lässt. Donkey Kong in Form eines riesigen Zebras oder Straußes zu sehen, ist definitiv … ungewöhnlich. Aber witzig. Hinzu kommt jeweils eine andere treibende Melodie im Hintergrund, denn ihr braucht Paulines Gesang, um diese Verwandlungen durchführen zu können. Von denen habt ihr übrigens noch zwei weitere im Spiel, doch die darf ich euch nicht verraten.
Zum Auslösen dieser Verwandlungen benötigt ihr Bananergie, die ihr wiederum durch das Sammeln von Gold erhaltet. Und davon gibt es mehr als genug in der Spielwelt. Durch unterschiedliche Kleidung oder Fähigkeiten lassen sich Ausbeute oder Dauer der Bananzas weiter verbessern, sodass ihr eigentlich nie oder nur selten in Situationen kommt, in denen ihr die Verwandlungen nicht einsetzen könnt. Und das ist gut so, denn so sind sie ein zentraler Bestandteil des Spiels und es macht wirklich Spaß, sie einzusetzen - so skurril das letztlich aussehen mag.
Das hier und überhaupt alles im Zusammenspiel zeigt mir einfach, wie verspielt man bei Nintendo ist. Donkey Kong Bananza versprüht durchgehend Charme, Witz und immer wieder ein gewisses Maß an Verrücktheit, das man bei Nintendo des Öfteren zu sehen bekommt. Es ist ein pures Spaß-Spiel und genau dafür liebe ich es inmitten dieser vielen anderen Spiele, die einen auf düster, realistisch und Ernst machen. Es gibt einfach so viel zu tun und zu entdecken, selbst wenn ihr euch an verschiedenen Stellen einfach nur in den Boden hinein prügelt. Es könnte sein, dass ihr auf Gold stoßt, auf eine Kiste mit einer Schatzkarte oder andere Dinge. Einfach herrlich.
Es gibt auch einige Bonuslevel mit 2D-Ansicht.In puncto Schwierigkeit bewegt sich Bananza auf einem eher leichteren bis mittleren Niveau. Ich hatte nie ernsthafte Probleme und ich würde sagen, die Schwierigkeit des Spiels ergibt sich nicht unbedingt per se aus den Kämpfen. Das gilt selbst für die Bossgegner, die nicht die großen Herausforderungen darstellen, wenn ihr erst einmal den Dreh raus habt. Vielmehr ist es manchmal kniffliger, den weiteren Weg zu finden oder bestimmte Dinge zu erreichen. Auch die Bonuslevel können mitunter etwas fordernder sein, indem ihr etwa innerhalb eines Zeitlimits bestimmte Ziele erreichen müsst. Im Großen und Ganzen ist Bananza jedoch kein allzu schwieriges Spiel.
Koop-Enttäuschung und eine künstlerische Ader
Vom Koop-Modus bin ich leider ein wenig enttäuscht. Das war in den Vorgängern zwar mitunter etwas chaotisch, besonders in stressigen, schnellen Situationen, doch ich konnte mich dort immerhin frei bewegen. In Bananza übernimmt eure Mitspielerin oder euer Mitspieler den Part von Pauline, kann euch mit Stimmattacken im Kampf oder bei der Zerstörung des Terrains unterstützen. Doch dabei bleibt Pauline gänzlich auf ihre Position auf DKs Rücken beschränkt. Und das finde ich sehr schade, ich wäre gerne mit zwei Charakteren zugleich durch die einzelnen Schichten geflitzt. Ich bin jemand, der sich im Koop-Modus gerne aktiv bewegt, statt einen halbwegs passiven Part einzunehmen. Das mag euch allerdings anders gehen, gut möglich, dass ihr daran mehr Spaß habt als ich.
Zwei Beispiele für den Fotomodus.Bleibt noch ein anderer cooler Aspekt von Bananza: DK Artist. Auch dieser Modus wurde im Vorfeld schon gezeigt, ihr könnt hier eure kreative Ader ausleben und einfach nach Lust und Laune an einer Form herum modellieren. Macht sie größer oder kleiner, bringt zusätzliche Elemente an, färbt alles ein. Das ist in dem Sinne kein Spiel, sondern wirklich eine Methode, um sich kreativ zu entfalten. Ihr könntet etwa versuchen, Nintendo-Charaktere oder andere Dinge nachzubauen, und dank Maus-Modus funktioniert das sogar ganz gut. Das wird nicht jeden ansprechen, doch witzig es allemal. Und ich bin schon gespannt auf die Kreationen, die wir hier sehen werden.
In Sachen Performance gibt sich Bananza schließlich kaum die Blöße. Überwiegend läuft das Spiel mit 60 Frames pro Sekunde und sieht dabei recht hübsch aus. Lediglich in einzelnen Situationen kann es zu leichten Framerate-Drops kommen. Das gilt besonders für Momente, in denen größere Zerstörungen stattfinden, oder in manchen Bosskämpfen. Diese Drops sind mitunter zwar spürbar, aber nie so weit, dass sie den Spielspaß in irgendeiner Form negativ beeinflussen würden.
Im Fotomodus gibt es verschiedene Filter.Donkey Kong Bananza - Fazit
Alles in allem ist Donkey Kong Bananza einfach ein großes, buntes und verrücktes Bündel der Freude für die Nintendo Switch 2. Ich gebe zu, dass ich anfangs, als das Spiel angekündigt wurde, noch etwas skeptisch war. Wahrscheinlich war ich nicht der Einzige, der sich mit dem Gedanken anfreunden musste, dass es erst einmal kein neues 2D-Donkey Kong gibt. Die Direct-Präsentation zum Spiel war dann schon überzeugender und das Spiel selbst zerstreut jegliche Zweifel daran. Das Entwicklerteam von Super Mario Odyssey hat hier etwas Besonderes geschaffen, das Donkey Kong nicht nur gerecht wird, sondern zugleich auf eine neue Art weiterentwickelt.
Es sind diese verrückten, unterhaltsamen Ideen, die Kreativität und einfach der pure Spaß am Spielen, die euch hier begeistern werden. Es macht so viel Spaß, sich mit DK durch die Gegend zu kloppen, das Terrain auseinanderzunehmen und all die Schichten dieser Welt zu entdecken, die mit der Zeit nur noch abgedrehter werden. Und dabei verliert man nur sehr selten den Überblick, was anhand der Voraussetzungen für sich genommen vermutlich schon ein Kunststück ist.
Donkey Kong Bananza ist genau die Art von Spiel, die ich mir von Nintendo erwarte und weswegen ich eine Switch 2 habe. Es ist ein absolutes Must-have für die einen Monat alte Konsole und wenn Nintendo in dieser Qualität weitermacht, wird uns die Switch 2 sicherlich noch einige tolle Titel bescheren.
Donkey Kong Bananza PROCONTRA- Größtenteils zerstörbare Welten
- Trotz Zerstörung behält man so gut wie immer den Überblick
- Ist bunt, laut und macht Spaß
- Verschiedene Materialien interagieren miteinander
- Die einzelnen Schichten umfassen viele versteckte Dinge, Bonuslevel und so weiter
- Angenehmer Schwierigkeitsgrad
- Skurrile, aber schöne Bananza-Verwandlungen
- Cooler DK Artist-Modus für Kreative
- Koop-Modus eher eingeschränkt, Mitspieler unterstützt nur bei Attacken und kann sich nicht frei bewegen
- Vereinzelt Framerate-Drops









