Seit der Lead Writer von Dispatch, Pierre Shorette, öffentlich verkündete, man habe „einige Sex-Szenen gestrichen“, und anteaserte, dass wir diese „eines Tages vielleicht zu sehen bekommen“, hat die Fangemeinde des Spiels kollektiv den Atem angehalten. Die Hoffnung auf einen Director's Cut oder einen späteren Patch, der die Romanzen im Spiel vertieft, war groß. Doch wie sich nun herausstellt, war die Vorfreude umsonst.

In einem Gespräch mit unseren englischsprachigen Kollegen von Robert Purchese stellten Shorette und Game Director Nick Herman nun klar: Es wird keinen Release dieser Szenen geben. Der Grund ist so simpel wie ernüchternd: Sie existieren schlichtweg nicht. Solche Sexszenen waren zwar angedacht, doch sie landeten nicht einmal im Storyboard.

Das Duo erklärte, dass die Verwirrung ihren Anfang nahm, als Dataminer im Code von Dispatch auf Fragmente stießen, die auf ungenutzte Events hindeuteten. „Sie konnten sehen, dass wir Abfragen drin hatten, ob jemand miteinander die Nacht verbringt oder welches Love-Interest die Nacht verbringt“, sagte Herman. Konkret ging es um die Figuren Blonde Blazer und Invisigal.

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Doch nur weil eine Code-Zeile eine Abfrage vorsieht, bedeutet das noch lange nicht, dass auch die entsprechenden Assets existieren. Shorette führte aus, dass diese sexy Eskapaden für die Zeit nach der großen Party in Episode 6 geplant waren – einem der emotionalen Höhepunkte der achtteiligen Staffel. Doch über das Planungsstadium kamen diese intimen Momente nie hinaus.

„Nur um es ganz deutlich zu sagen: Diese Szenen wurden nie im Storyboard festgehalten. Sie gingen nie in die Animation. Wenn die Leute also rufen 'Release them!': Sie haben nie physisch existiert!“, so Herman weiter. Laut Shorette wurde alles, was tatsächlich fertiggestellt wurde, auch im fertigen Spiel ausgeliefert. Das Studio habe schlichtweg kein Geld mehr gehabt, um weitere Dinge umzusetzen.

Dass Dispatch überhaupt existiert, grenzt ohnehin an ein kleines Wunder. Shorette blickte im Interview auf die jahrelange Odyssee zurück, in der AdHoc das Spiel zahlreichen Publishern pitchte und immer wieder abgelehnt wurde. Dass sich das Spiel inzwischen über zwei Millionen Mal verkauft hat und sogar von Witcher-Veteranen wie Konrad Tomaszkiewicz als „Spiel des Jahres“ gefeiert wird, ist eine späte Genugtuung für das leidgeprüfte Team.

Nach diesem Erfolg wirkt eine zweite Staffel von Dispatch nahezu gesetzt und dem Team ist der Erwartungsdruck sehr bewusst. Erfolg schraubt die Ansprüche hoch, und Shorette brachte das zum Schluss des Gesprächs mit einem bewusst kryptischen Satz auf den Punkt: „Eine Menge Druck. Es wird am Ende genauso sehr darum gehen, was es nicht ist, wie darum, was es ist.“