Days Gone… irgendwie hatte es mich nie gereizt. Was hauptsächlich daran lag, dass ich den Bariton tief gurgelnder Motorräder zwar mag, mit Bikes und Bikern aber nichts anfangen kann. Nichts dagegen! Es ist nur partout nicht meine Wellenlänge. Das und die Masse stumpfer Schießbudenfiguren, mit der man es in Sonys Action-Adventure zu tun bekommt: Zombies sind einfach nicht mein Ding und Days Gone damit quasi zweimal nicht.

Also habe ich es immer auf die lange Bank geschoben, bevor ich in irgendeinem Sale endlich zugeschlagen habe – um anschließend noch auf das kurze Zeit später angekündigte Remaster zu warten. Immerhin genießt Days Gone einen erstaunlich guten Ruf und erinnert mich in dieser Beziehung gar an das erste Nier. Wenigstens reinschauen wollte ich deshalb schon lange mal.

Aller Anfang…

Und dann macht es mir dieses Spiel erst mal wirklich schwer. Der ganz große Wurf ist dem ursprünglichen Entwickler Studio Bend zumindest nicht gelungen. Ich habe gerade Alex‘ damaligen Test gelesen und stimme im Grunde mit allem überein, was dort geschrieben steht. Die hiesige Apokalypse ist eine generische Open World und führt erzählerisch über weite Strecken auf so bemerkenswerte Art ins Leere, dass Days Gone gerade gegenüber dem frisch auf PC veröffentlichten The Last of Us Part 2 Remastered als in jeder Hinsicht deutlich schwächeres Spiel erkennbar ist.

Dazu kommen kleine Ärgernisse, die das an jeder Ecke noch mit Nachdruck unterstreichen. So merkt das Programm etwa nicht, wenn man eine Taste bereits drückt, kurz bevor sie aktiv ist, weshalb manche Quick-Time-Reaction in die Hose geht und es ständig diese kleine nervige Pause zwischen dem Heranlaufen an ein Auto und dem Öffnen des Kofferraums gibt. Dass man sich dabei dann nicht mal umsehen kann, sodass man hin und wieder von Zombies oder Raubtieren überrascht wird, nur weil das Alter Ego den Kopf nicht drehen mag... Wozu auch Vorsicht walten lassen in einer von Untoten und mörderischen Banden überrannten Apokalypse?

Der Ton ist ohnehin so leise, dass man die Umgebung kaum hört. In Filmszenen werden die Stimmen zudem gnadenlos von der Musik erdrückt und weil es keine fließenden Übergänge zwischen Film und Spiel gibt, wirken einige davon unnötig abrupt. Dass sekundenlande Ladezeiten überhaupt vorhanden sind, finde ich ebenfalls bedauerlich. Ach, und dass Deacon (so heißt der protagonistische Biker) manchmal in freier Wildbahn laut schreit, wenn er sich per Funk unterhält, ein andermal aber grundlos flüstert, reißt mich ebenfalls aus der Endzeit-Atmosphäre.

Logisch: Das Spiel geht in den lauten Momenten davon aus, dass er auf einem Motorrad sitzt. Tut er aber nun mal nicht immer, selbst wenn man häufiger fahren würde, als ich das getan habe. Dieselbe dysfunktionale Verknüpfung zwischen „So haben wir es uns gedacht“ und „So spiele ich es aber“ ist auch dafür verantwortlich, dass das kilometerweit entfernte Motorrad schon mal an den Eingang einer Mission gebeamt wird, ohne dass man es dort überhaupt braucht.

Kleiner Ärger im großen Upgrade

Alles Kleinigkeiten? Na, sicher. Ich finde es nur schade, dass nicht einmal für das Remaster der Aufwand betrieben wurde, solche Ungereimtheiten zu beseitigen. Die sind ja längst nicht alles. Man kann auch weiterhin zwar viele, aber längst nicht alle Aktionen einer beliebigen Taste auf dem Gamepad zuweisen. Ich habe außerdem ein Gewehr fallenlassen, das daraufhin nicht mehr auffindbar war. Tiere und Zombies stecken schon mal ihre Köpfe in Bäume. Und manchmal darf man nicht manuell speichern, obwohl man direkt neben einem Bett oder dem Motorrad steht.

Und dann sind da noch dermaßen dämliche Zombies, dass ihnen die liebevolle Umschreibung als Schießbudenfiguren viel wörtlicher gerecht wird als ohnehin gut wäre. Wenn ich einen von zwei direkt nebeneinander laufenden Untoten meuchele, erwarte ich jedenfalls nicht, dass der andere gemütlich weiter schlurft. Eine ganze Kolonne habe ich so ausgeschaltet – das zieht dem Spaß leider ein wenig den Zahn.

Je später die Spielstunde, desto schöner die Zombies

Tja… und trotzdem bin ich dran geblieben. Zugegeben: Zum einen ist das mein Job. Zum anderen strahlt Days Gone aber sowohl im Original (ich habe das extra verglichen) als auch in diesem Remaster eine Faszination aus, der ich mich selbst in Anbetracht der zahlreichen kleinen Störungen nicht entziehen konnte.

Man ist ja in einer weitgehend idyllischen Welt unterwegs, die dank der behutsamen Überarbeitung eine kleine Ecke schöner aussieht als zuvor. Die überarbeitete Beleuchtung, die vor allem in der Ferne etwas dichter bewachsenen Wälder sowie die Verbindung von einer relativ hohen Auflösung und 60 Sekundenbildern machen aus der Neuauflage kein neues Spiel, aber ein etwas hübscheres. Auch wenn mir die Farbgebung im Original mitunter besser gefällt.

Wer das Ganze mit Kopfhörern erlebt, genießt zudem stimmungsvollen Raumklang. Da passt dann sogar die Lautstärke. Umso seltsamer finde ich nur eben, dass der Klang über normale Lautsprecher auch im Remaster noch so unausgeglichen ist. Etwas verwundert bin ich außerdem darüber, dass ein exklusiv auf PS5 Pro zur Verfügung stehender Grafikmodus dank PSSR zwar eine Auflösung von 4K erreicht, in Sachen Schärfe allerdings eher dem regulären Performance-Modus der normalen PlayStation 5 gleicht. Die scharfe Qualität-Einstellung läuft hingegen auch auf der Pro-Konsole nur mit 30 Bildern pro Sekunde.

Versteht das nicht falsch: Days Gone profitiert von dem Mehr an Leistung – nur eben nicht so deutlich, wie ich gedacht hätte. Erwartet auf keinen Fall einen Unterschied, wie er in Final Fantasy 7 Rebirth zu sehen ist. Vielleicht erkennt ihr auf den folgenden Screenshots ja, wie ich das meine.

Days Gone Remastered: umfangreicher und etwas schöner als zuvor 1 of 12 Caption Attribution Im Qualitätsmodus sieht Days Gone Remastered am schärfsten aus, läuft allerdings selbst auf PS5 Pro nur mit 30 Sekundenbildern.

Ach, und natürlich wird inzwischen auch das Gamepad der PS5 mit erfreulich vielseitigem Rumble sowie Unterstützung der adaptiven Schultertasten angesprochen. Hinzu kommen neue Elemente der Barrierefreiheit, darunter eine Darstellung mit hohen Kontrasten, gesprochene Menüpunkte und akustische Hinweise, wenn sich Deacon in der Nähe eines Sammelgegenstandes befindet.

Vor allem aber ist es der Flow, in den man irgendwann kommt, wenn man die Missionsbäume mehrerer kleiner und großer Geschichten in beliebiger Reihenfolge erledigt, während man angenehm entspannt durch die offene Welt cruist. Immer wieder hält man dabei an kleinen Lagern sowie den Wracks gestrandeter Kleinwagen an, um deren Koffer- und Motorraum zu plündern oder die mitunter durchaus interessanten erzählerischen Details in der Umgebung zu betrachten.

Einen Teil der so aufgelesenen Materialien braucht man jedenfalls, um gelegentlich das Bike zu reparieren, dessen Tank zudem Benzin verlangt. Aus verschiedenen Ressourcen baut man nicht zuletzt Molotow-Cocktails, Sprengstoff- und andere Fallen sowie Munition für einen Bogen – hauptsächlich deshalb, um große Zombiehorden zu beseitigen, die an allen Ecken dieser Apokalypse lauern. Wobei man dafür auch die von Anderen platzierten Bärenfallen nutzen sollte. Und natürlich die rot markierten Gasgemische, deren Inhalt sich unter Beschuss mit einem feurigen Knall ausbreitet.

Endlich: Motocross in der Apokalypse!

Spielerisch sind die Gefechte gegen die Untoten – das muss ich den Wenigsten von euch erzählen – ganz klar das Beste von Days Gone. Das Vorbereiten auf einen solchen Kampf, das Aussuchen der richtigen Tageszeit und dann das Ausschalten ganzer Wellen dieser Fieslinge ist eine Art offensive Tower Defense, die es in dieser Form nur hier gibt.

Von daher ist es kein Wunder, dass die Neuauflage nicht nur ein grafisches Upgrade enthält, sondern auch einen neuen Horde-Modus, in dem es ausschließlich darum geht, in der offenen Welt möglichst lange gegen in kurzen Abständen anrückende Zombiewellen zu bestehen. Dafür rennt oder fährt man von einem Lager zum nächsten, um Munition und Material für neue Ausrüstung zu sammeln und diese herzustellen, bevor bald schon die nächste Welle heran stürmt.

In der Endabrechnung steht dann eine Punktzahl, weshalb es sinnvoll sein kann, sich mit drei optionalen passiven Fähigkeiten nicht nur Verstärker wie bessere Heilfähigkeiten oder ein flotteres Motorrad zu verpassen, sondern vielleicht auch Nachteile wie schneller kaputt gehende Nahkampfwaffen. Jede Fähigkeit schlägt sich nämlich entsprechend ihrer Wirkung als positiver oder negativer Multiplikator im Punktestand nieder und der bestimmt wiederrum, wie schnell man neue Levels, Charaktere sowie weitere Fähigkeiten freischaltet.

Damit aber nicht genug, denn Bend hat (übrigens in Zusammenarbeit mit Climax Studios) auch Herausforderungen hinzugefügt, in denen man kurze Situationen spielt, um zum Beispiel aller Gegner im Lager einer feindlichen Bande so schnell wie möglich auszuschalten, so lange wie möglich zu überleben oder ein Zeitrennen auf dem Motorrad zu fahren. Für das erfolgreiche Erledigen dieser Herausforderungen erhält man Geld, mit dem man ebenfalls Charaktere sowie passive Fähigkeiten freischaltet, während die Punktzahl in eine Online-Highscoreliste eingetragen wird.

Gleicher Inhalt, kürzerer Name

Wie gesagt: Wichtiger wäre mir gewesen, dass die große Überarbeitung mehr als ein Facelift mit neuen Inhalten gewesen wäre. Trotzdem freue ich mich darüber, dass Sony seinem Spiel, das vielleicht nicht besonders erfolgreich war, aber von vielen Fans erstaunlich innig ins Herz geschlossen wurde, überhaupt diese Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Und immerhin hat sie einen großen Anteil daran, dass ich inzwischen verstehe, warum so Viele sich mit Deacon in den Sattel schwingen, um durch eine Welt zu streifen, die nach dem holprigen Einstieg irgendwann sogar erzählerische Stärken zeigt und die auch spielerisch einen charmanten Flow entwickelt, den man in dieser Form nur hier erlebt.

Wobei ich nicht unerwähnt lassen will, dass das Ganze für Besitzer des Originals gerade mal zehn Euro kostet. Für die PlayStation-Plus-Version gilt das zwar nicht, allerdings liegt selbst der volle Preis von Days Gone Remastered bei anständigen knapp 50 Euro. Ach, und falls ihr euch wundert: Für die PC-Ausgabe gibt es deshalb kein Upgrade auf die verbesserte Technik, weil die viel später erschienene Umsetzung ohnehin schon besser aussah als das ursprüngliche Spiel auf PlayStation 4. Mit dem Remaster nahmen Bend und Climax im Grunde nur eine Anpassung der Konsolenversion an den PC-Standard vor.

Das heißt aber nicht, dass PC-Biker auf die neuen Inhalte des Remasters verzichten müssen. Die gibt es nämlich auch da – wenn auch nicht als Days Gone Remastered, sondern in Form einer Erweiterung namens Broken Road, die ebenfalls zehn Euro kostet. Oder anders formuliert: Heißt auf PC zwar nicht Remastered, ist über den DLC aber dasselbe wie auf PlayStation 5.