Seid ihr als Kind mit Nintendo aufgewachsen? Für den ein oder anderen mag das völlig normal klingen, für andere hingegen ist es keine Selbstverständlichkeit.

Zum Beispiel für Guillaume Broch, CEO und Creative Director von Sandfall Interactive (Clair Obscur: Expedition 33), und Ben Fiquet, CEO und Art/Creative Director von Lizardcube (Shinobi: Art of Vengeance). In einem neuen Interview geben beide an, dass sie nicht viel Erfahrung mit Nintendo-Systemen haben.

Ein anderer Weg

Was natürlich absolut in Ordnung ist, dennoch scheint es so einige Spielerinnen und Spieler zu verwundern, dass Entwickler keine oder kaum Erfahrung mit Nintendo-Geräten haben.

Im Gespräch mit denfaminicogamer.jp gaben Broch und Fiquet, die ihrerseits zehn Jahre trennen, an, dass sie mit Nintendo nicht viel zu tun hatten (via Time Extension).

”Es würde lange dauern, das zu erklären, aber ich bin westlich von Paris geboren und aufgewachsen und hatte eine ziemlich normale Kindheit”, sagt Broch. “Meine Gamer-Karriere begann im Alter von drei Jahren, als ich von meinem Vater ein Mega Drive bekam und oft ‘Juuouuki’ [Altered Beast] spielte.”

”Danach begann ich, viele PlayStation-Spiele zu spielen, und spielte alle japanischen RPG-Titel wie Final Fantasy und die Atelier-Reihe durch. Was Actionspiele angeht, spiele ich Capcoms Devil May Cry-Reihe sowie Shinobi, das für die PlayStation 2 erschienen ist. Ich persönlich hatte jedoch nicht viele Gelegenheiten, Nintendo-Spielkonsolen und -Titel zu spielen.”

Ähnlich äußerst sich auch Fiquet: “Wie Guillaume hatte ich nie die Gelegenheit, mit einer Nintendo-Spielkonsole zu spielen. Ehrlich gesagt bin ich auf dem Land westlich von Paris aufgewachsen ... Es ist ein ziemlicher Zufall, aber ich glaube, ich habe viel mit Guillaume gemeinsam. [lacht] Ein Freund von mir hatte ein Sega Master System, also habe ich mir dasselbe gekauft. Ich hatte damals keine Ahnung, dass es andere Optionen gab [lacht]. Ich weiß also nicht, welche Spielkonsole in Frankreich tatsächlich beliebter war ... Nintendo-Hardware war vielleicht beliebter, vielleicht aber auch nicht.”

Zu berücksichtigen ist dabei natürlich, dass es in der Entwicklung der Branche Unterschiede zwischen den Märkten gab. Besonders in Nordamerika füllte Nintendo nach dem US-Videospiel-Crash von 1983 eine große Lücke, während in Großbritannien und Europa Geräte wie der ZX Spectrum, Commodore 64 und später Atari ST und Amiga beliebt waren.

Erst mit der 16-bit-Ära nahm Nintendo den europäischen Markt wirklich ernst, bis dahin lief es für Sega in Europa ganz gut. Nach den Erfolgen mit dem Master System und dem Mega Drive ging es jedoch bergab, während danach die PlayStation mit Wucht auf den Markt drängte. Also ist es durchaus möglich, nicht direkt mit Nintendo aufzuwachsen.

Manchen scheint das jedoch nicht so wirklich bewusst zu sein: “Wie kann man buchstäblich Spieleentwickler sein, aber noch nie Nintendo-Spiele gespielt haben? Das ist für mich verrückt”, schreibt ein User. Ein anderer meint: “Kaum zu glauben, dass ein Director nicht wirklich Nintendo gespielt hat, aber es passiert.”

”Die Antworten hier sind wirklich lustig”, fasst es St1ka ganz gut zusammen: “So viele Leute können sich nicht einmal vorstellen, dass Westeuropa den Weg vom Computer über Sega zu Sony gegangen ist.”