Konrad Tomaszkiewicz, der Director des vielversprechenden Vampir-Rollenspiels The Blood of Dawnwalker – und zuvor Director bei The Witcher 3: Wild Hunt –, hält eine verzögerte nächste Konsolengeneration für ein Studio wie seines für "besser".

Tomaszkiewiczs Kommentare kommen zu einer Zeit, in der die Preise für Konsolen ein beispielloses Niveau erreichen. Der Grund dafür sind Komponentenengpässe, weil generative KI-Rechenzentren die Bestände aufkaufen. Dies ist die erste Konsolengeneration, bei der der Preis nach der Markteinführung gestiegen statt gefallen ist. Zudem gibt es Gerüchte, dass die Herstellung der PlayStation 6 Sony bis zu 1000 US-Dollar kosten könnte.

Derweil rechnet Xbox damit, dass sich die Bauteilpreise in einem Jahr noch einmal verdoppeln. Das Unternehmen hat bereits davor gewarnt, dass sich dies auf seine Next-Gen-Konsole Project Helix auswirken könnte. Wir haben auch schon hautnah miterlebt, welche Auswirkungen diese überhöhten Preise auf neue Gaming-Hardware haben. Valves konsolenähnliche Steam Machine kam zu einem Preis auf den Markt, der deutlich über den ursprünglichen Vorstellungen von Valve lag. Eine neue Konsole in diesem Umfeld auf den Markt zu bringen, könnte sich als Desaster erweisen.

The Blood of Dawnwalker - Official 'The Dawnwalker Saga' Trailer | IGN Summer of Gaming 2026 Ein Teaser deutet eine serielle Zukunft für The Blood of Dawnwalker an, die vielleicht bis in die Moderne reicht.Auf YouTube ansehen

Die Vorteile einer verlängerten Konsolengeneration

Die Folge: Wir blicken womöglich auf eine in die Länge gezogene Konsolengeneration, da die Plattformbetreiber ihre Pläne anhalten oder aussetzen, bis sich die Preise stabilisieren. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Als ich Tomaszkiewicz fragte, ob sich das auf Rebel Wolves und die Pläne auswirkt, aus The Blood of Dawnwalker eine Serie zu machen, antwortete er: "Überhaupt nicht, und um ehrlich zu sein, ist es sogar besser für uns."

"Wenn ihr das Spiel habt und wisst, wie die Systeme und Features an diese speziellen Konsolen angepasst sind, wisst ihr auch, was ihr tun müsst. Eine neue Plattform bringt immer neue Herausforderungen mit sich. Ihr müsst sie erst kennenlernen und wissen, wo eure Grenzen liegen. Was könnt ihr tun und was nicht? Und ihr müsst einen zusätzlichen Build erstellen, um den ihr euch später kümmern müsst."

Wer sind Rebel Wolves?

Rebel Wolves wurde 2022 in Warschau gegründet. Das unabhängige Studio besteht zu großen Teilen aus Branchen-Veteranen, die zuvor bei CD Projekt Red maßgeblich an Hits wie The Witcher 3 und Cyberpunk 2077 gearbeitet haben. "The Blood of Dawnwalker" ist ihr groß angelegtes Debüt-Projekt.

Der enorme Aufwand hinter mehreren Spiel-Builds

Schaut euch mal die aktuelle Situation von Rebel Wolves bei The Blood of Dawnwalker an: Das Studio erstellt vier Builds. Einen für die Xbox Series X/S, einen für die PlayStation 5 und zwei für den PC. Das liegt daran, dass einige Regionen unterschiedliche Altersfreigaben haben, die verschiedene Spielversionen erfordern. "Nehmen wir an, wir haben vier Builds und ihr wollt später einen Patch für die Spieler veröffentlichen", sagte Tomaszkiewicz. "Ihr müsst sicherstellen, dass diese Änderungen auf der Xbox, der PlayStation, PC-Build 1 und PC-Build 2 funktionieren."

"Wenn die Next-Gen kommt", fügte er hinzu, "kommen noch einmal zwei Builds dazu. Das vervielfacht den Arbeitsaufwand. Das klingt zwar einfach, aber man muss bedenken, dass eine Gruppe von Testern jede Plattform einzeln testen muss. Dabei geht es nicht nur um eine bestimmte Änderung. Sie prüfen, ob das gesamte Spiel ohne Blocker läuft, ob ihr es von Anfang bis Ende durchspielen könnt, und so weiter. Um ehrlich zu sein, ist das ein riesiger Aufwand. Arbeiten wir mit den aktuellen Konsolen, ist es einfacher. Wir wissen genau, wie viele Builds wir haben, und das Ganze lässt sich leichter verwalten."

The Blood of Dawnwalker - Official Gameplay Deep Dive Overview Part 3 Ein ausführlicher Blick auf das Gameplay in The Blood of Dawnwalker. Das Spiel bringt einige interessante Ideen mit.Auf YouTube ansehen

Zukunftspläne und technische Hürden von Next-Gen-Tools

The Blood of Dawnwalker erscheint in ein paar Wochen, am 3. September. Es ist also durch und durch ein Spiel "dieser Generation". Rebel Wolves macht aber kein Geheimnis aus den eigenen Ambitionen, eine ganze Spielereihe daraus zu stricken. Dies untermauerte das Studio beim Summer Game Fest mit einem Trailer. Dieser bot einen kurzen Blick auf ein modernes Setting für das Spiel, gekoppelt mit dem Versprechen, dass sich die aktuell noch im Mittelalter angesiedelte Reihe irgendwann bis in diese Zeit vorarbeiten wird.

Es wird also eine Fortsetzung geben. Diese dürfte dann vermutlich in den Gefilden der Next-Gen-Konsolen landen. Müssen Tomaszkiewicz und Rebel Wolves so etwas schon lange im Voraus einplanen? "Das hat eigentlich keinen großen Einfluss auf das Design", sagte er. "Natürlich kommt es darauf an, was man machen möchte. Aus meiner Sicht wirkt es sich aber hauptsächlich auf die Optik aus. Mit stärkerer Technik und besserer Hardware lassen sich viele Dinge einfacher umsetzen, weil einem mehr RAM und ein besserer Prozessor zur Verfügung stehen."

"Wir können zum Beispiel versuchen, mehr Animationen ins Spiel zu packen. Wir hatten über aktuelle Systeme der Unreal Engine nachgedacht, etwa Emotion Matching. Das ist allerdings ziemlich rechenintensiv, weshalb wir uns dagegen entschieden haben, es für dieses Spiel zu nutzen. Für das nächste Spiel werden wir das aber mit Sicherheit versuchen. Und wenn man stärkere Hardware hat, kann man auch mehr zeigen."

Wer ist Konrad Tomaszkiewicz?

Als Game Director von The Witcher 3: Wild Hunt lenkte Konrad Tomaszkiewicz eines der einflussreichsten Rollenspiele des letzten Jahrzehnts. Nach seinem Weggang bei CD Projekt Red im Jahr 2021 gründete er Rebel Wolves, um mit einer kleineren, agileren Struktur ein neues AAA-RPG zu erschaffen.

Abwägung zwischen technischem Fortschritt und Zielgruppengröße

Man geht also oft davon aus, dass die Entwicklung für Next-Gen-Konsolen nur spannende Vorteile bietet. Doch wie Tomaszkiewicz erwähnte, bedeutet dieses Vorhaben auch, dass man Tools für die neuen Maschinen aktualisieren muss. Und das bringt jede Menge Trial and Error mit sich.

Man darf eine neue Hardware zwar nicht ignorieren, allein schon wegen der damit verbundenen Erwartungen und des Prestiges. Aber zum Launch bieten sie nur ein sehr begrenztes Publikum. Derzeit besitzen beispielsweise mehr als 90 Millionen Menschen eine PS5. Eine neue Konsole braucht viel Zeit, um überhaupt in die Nähe einer solchen potenziellen Zielgruppe zu kommen. Ein Spiel plattformübergreifend für verschiedene Generationen zu entwickeln – mitsamt all der damit verbundenen Komplikationen –, scheint also die logische Entscheidung zu sein. Vorausgesetzt natürlich, es lockt kein lukrativer Exklusiv-Deal.

The Blood of Dawnwalker ist ein düsteres Fantasy-Rollenspiel im Stil von The Witcher mit einigen sehr interessanten Ideen. Das Offensichtlichste ist die doppelte Natur des Protagonisten Coen, der bei Tag ein Mensch und bei Nacht ein Vampir ist. Es gibt jedoch auch eine offene Weltenstruktur und einen kontrollierten Einsatz von Zeit. Beide Elemente greifen ineinander und sorgen dafür, dass sich das Spielerlebnis ganz anders anfühlt als alles andere.