Wenn ich auf das aktuelle Spielejahr blicke, ertappe ich mich schnell bei einem paradoxen Gedanken: Meine größte Vorfreude gilt nicht etwa brandneuen Universen oder Fortsetzungen wie GTA 6, sondern zwei Remakes. Assassin's Creed: Black Flag Resynced und Halo: Campaign Evolved stehen in diesem Jahr bei mir ganz oben auf der Wunschliste. Es ist das perfekte Beispiel für eine Branche, die sich zunehmend auf ihr emotional wirkungsvollstes Kapital verlässt: die pure Nostalgie. Und es scheint zu funktionieren.

Dabei ist der Begriff Remake breit gefächert. In manche Neuauflagen fließt bedeutend mehr Aufwand als in andere - und bei diesen hat man dann auch das Gefühl, dass sich Mühe gegeben wurde. Es macht für mich auch einen großen Teil dessen aus, ob ich ein Remake wirklich als gut empfinde oder nicht. Wenn ich erneut das Steuerrad der Jackdaw ergreife oder als Master Chief den ersten Schritt auf den Ringplaneten mache, muss sich das nicht nur angenehm anfühlen - mindestens so gut wie damals. Für mich muss es auch entsprechend modern aussehen. Also nicht nur ein bisschen über die Grafik drüber gebügelt, sondern wirklich grundlegend überarbeitet. Halo: Campaign Evolved auf Basis der Unreal Engine 5 ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine optisch perfekte Illusion aussehen kann. In unserer Erinnerung sah das selbstverständlich schon immer so aus. Doch wenn ihr dann wieder das Original in die Konsole einwerft, holt euch die Realität schnell ein. Die Nostalgie wirkt wie eine emotionale Zeitmaschine, ein wohliger Anker in einer komplexen Welt, und sorgt so gleich von Beginn an für ein Gute-Laune-Feeling.

Warum die Spielebranche auf sichere Remakes setzt

Seit 2023 wird die Videospielindustrie von massiven Entlassungswellen und drastisch steigenden Entwicklungskosten überschattet. Um finanzielle Risiken zu minimieren, stützen sich große Publisher zunehmend auf bewährte Marken und Remakes, die ein garantiertes Publikum mitbringen.

Wirtschaftliche Sicherheit und das Kaufverhalten der Spieler

In schwierigen Branchenzeiten mit zahlreichen Entlassungen ist das für Publisher und Entwickler natürlich ein sicherer Hafen. Angesichts des Budgets, das ein völlig neues Assassin’s Creed verschlingt, dürfte die Neuauflage von Black Flag Resynced nur einen Bruchteil davon kosten. Zudem gibt es viele Fans des Originals und damit eine potenziell große Zielgruppe, an die man das Spiel wieder verkaufen kann. Das wirtschaftliche Risiko sinkt und neben Fans begeistert man womöglich noch neue Käuferinnen und Käufer für die Marke. Eine Win-Win-Situation.

Auf der einen Seite wünschen wir uns als Spieler auch immer etwas Neues, zögern jedoch, wenn es darum geht, 70 bis 80 Euro für eine neue, uns unbekannte Welt auszugeben. Ist das nicht allzu verständlich, wenn auf der anderen Seite Nachfolger bekannter Serien und Neuauflagen vertrauter Spiele – von denen wir wissen, dass sie Spaß machen – auf uns warten? Halo und Assassin’s Creed waren auch mal neu, doch damals gab es bedeutend weniger Spiele als heute, mit denen man im Laufe eines Jahres regelrecht bombardiert wird.

Die Notwendigkeit einer Balance zwischen Nostalgie und Innovation

Es ist ein härterer Konkurrenzkampf als damals und die Wahl zwischen Neuem und Altem am Ende ein Balanceakt. Manche von euch sind Remakes gegenüber ablehnend eingestellt, was ich durchaus nachvollziehen kann. Andererseits merke ich bei mir selbst - liegt es am fortschreitenden Alter? -, dass ich mitunter mehr die Lust auf Altes statt auf Neues verspüre. Wenn ich daran denke, wie häufig ich die früheren James-Bond-, Star-Wars- oder Star-Trek-Filme gesehen habe, können da modernere Filme nicht mithalten. Oder auch bei Serien … zuweilen habe ich mehr Bock auf einen Rewatch einer alten Serie, die meine Jugend geprägt hat, als auf eine neue Show. Es ist ähnlich wie bei Spiele-Remakes: Ich kann mir sicher sein, dass sie mir gelungenes Entertainment bieten.

Ich bin jedenfalls froh, dass es sie gibt – sofern ich den Eindruck habe, dass wirklich Mühe und Aufwand drin stecken. Letztlich sollten wir aber nicht vergessen, mit unserem Geldbeutel auch jenen Projekten eine Chance zu geben, die mutig neue Wege beschreiten. Wenn wir als Konsumenten nur noch die Vergangenheit belohnen, berauben wir uns der Klassiker von morgen. Denn schließlich wollen wir in zwanzig Jahren wieder bahnbrechende Spiele haben, auf deren Remakes wir uns dann freuen können. Ich denke, der Weg der Zukunft ist wohl eine gesunde Mischung aus beidem.