Battlestar Galactica, genauer gesagt die Neuinterpretation kurz nach der Jahrtausendwende… Selten hat mich eine Serie so hin und her gerissen wie diese. Denn was als grandiose Science-Fiction anfing – geerdet und mit exzellenten Charakteren sowie cleveren Konflikten im Skript –, das erlebte in den folgenden Jahren eine seltsame Wandlung, die ich weder emotional noch erzählerisch so richtig mitgehen konnte.

Dennoch gehören die ersten zwei Staffeln aber zum Besten, was das futuristische Pantoffelkino je hervorgebracht hat. Und den Anfang machte damals natürlich 33. Gut, den eigentlichen Start legte die dreistündige, titelgebende Miniserie hin. Aber 33 war der Name der ersten Folge – und was für eine Folge das war!

Denn alle 33 Minuten muss sich die Galactica dort gegen einen Angriff der Zylonen wehren, die aus irgendeinem Grund immer wissen, an welche Koordinaten die kleine Flotte der wenigen verbleibenden Menschen gesprungen ist.

Texte erscheinen leider nur so: rein schriftlich.

Eine Crew völlig entkräfteter Piloten, Mechaniker und Befehlshaber. Die leise Verzweiflung in den letzten Sekunden vor dem Ablauf der nächsten 33 Minuten. Und irgendwann die schwere Entscheidung, ob man ein womöglich von den Zylonen kompromittiertes Schiff mit mehr als eintausend Zivilisten an Bord zerstören soll, um die Sicherheit der restlichen, nicht einmal mehr 50.000 Menschen zu wahren…

Das damals neue BSG setzte gleich vom Start weg einen neuen Maßstab dafür, was Science-Fiction kann – und dessen 33 ist jetzt die Messlatte dafür, was Battlestar Galactica: Scattered Hopes als Videospiel erreichen will.

Entwickelt wird Scattered Hopes dabei von Alt Shift; einem Independent-Studio, das schon für Crying Suns verantwortlich zeichnet, welches interessanterweise von Dune und Foundation inspiriert war. Im Metier kennt sich das französische Studio also aus – und auch im Genre, denn genau wie Crying Suns wird auch Battlestar Galactica: Scattered Hopes ein Roguelike sein.

Immer wieder greifen die Zylonen an.

Mit einem kleinen Unterschied: Die Kämpfe gegen die Zylonen werden nicht rundentaktisch ausgetragen, sondern in pausierbarer Echtzeit. In Wellen (und auf einer zweidimensionalen Ebene) kommen da kleine Gruppen an Zylonen angeflogen, sodass man die wenigen eigenen Vipers, Raptors und später auch andere Schiffe so verteilen muss, dass sie die Wellen ausschalten, bevor sie die eigene Flotte erreichen.

Entscheidend für die Aufteilung sollten dabei die Fähigkeiten der Schiffe und auch die individuellen Begabungen ihrer Piloten sein. Zusätzlich nutzt man größere Waffensysteme des Mutterschiffs, um zum Beispiel Raketen abzufeuern, die in einem größeren Bereich Schaden anrichten. Nur das ikonische Sperrfeuer der Galactica habe ich leider nicht entdeckt, als ich eine knappe Stunde lang den Einstieg von Scattered Hopes gespielt habe.

Das lag auch daran, dass Adamas Galactica zumindest anfangs gar nicht das zentrale Schiff ist, sondern eine Gunstar unter anderem Kommando. Es war ja wirklich nur der Einstieg, in dem ich noch nicht allzu viel vom Spiel gesehen habe. Größere Gefechte gab es zum Beispiel nicht und auch besonders schwierige Entscheidungen musste ich nicht treffen. Da man irgendwann ja aber weiß, dass sich Zylonen unter den Menschen befinden, wird es hoffentlich eine interessanter Frage sein, wie man mit denen umgehen soll.

Entscheidung können im großen Stil über individuelle Schicksale und das der Flotte bestimmen.

Schwierige Entscheidungen sollen jedenfalls Teil dieses Roguelikes sein und überhaupt gefiel mir beim kurzen Anspielen das Managen der Crew zwischen den Kämpfen sogar besser als die Raumschlachten selbst. Genau wie in 33 hat man ja nur begrenzt viel Zeit, kann also nur eine bestimme Anzahl an Aktionen nutzen, um Reparaturen durchzuführen, Upgrades auszuführen, Forschung anzukurbeln, Erkundungsteams auf die Suche nach Ressourcen zu schicken und sich um die Besatzungen zu kümmern .

Immerhin sollte man die Piloten aller Schiffe trainieren, damit sie die erwähnten Fähigkeiten überhaupt erst entwickeln. Und ich erhielt zumindest einen kleinen Vorgeschmack auf die bevorstehenden Entscheidungen, als es galt, einen Dieb ausfindig zu machen. Denn als mir das gelang, hatte ich anschließend noch die Wahl, ob und wie ich ihn bestrafe.

Das Knifflige daran: Man sollte bei allen Entscheidungen bedenken, wie sie sich auf die drei Fraktionen innerhalb der kleinen Flotte auswirken, sprich die Mechaniker und anderen Arbeiter, das Militär sowie die sogenannte Unterwelt. Im einfachsten bzw. in meinem Fall wollte das Militär einfach nur ein bisschen mehr Geld. Hätte ich dafür einen Teil der ohnehin knappen Ressourcen abzweigen sollen?

Und schneller als einem lieb ist, tauchen dann auch in Scattered Hopes die Zylonen wieder auf. Zwei Minuten dauern ihre Angriffe beziehungsweise das Aufladen der FTL-Triebwerke, sodass man fliehen kann – zuvor sollte man allerdings die Angriffsschiffe in den Hangar zurückbeordern, falls man sie nicht zurücklassen will. Das ginge zwar, nur würde man dann einen Teil dessen verlieren, was in diesem Überlebenskampf am wichtigsten ist.

Umso ärgerlicher fand ich es deshalb, dass ich dieSchiffe einmal nicht rechtzeitig zum Umdrehen „überreden“ konnte – nicht, weil das grundsätzlich unmöglich war, sondern weil die Steuerung partout nicht so funktioniert hat, wie ich das aus anderer Echtzeittaktik intuitiv gewöhnt war. Auch das Zusammenfassen mehrere Einheiten per Maus-Rechteck gibt es in Scattered Hopes leider nicht, obwohl ich recht oft mehrere Schiffe auf ein Ziel ansetzen wollte.

Im Anschluss an die Spielzeit habe ich daher mit einem der Entwickler gesprochen, der meinen fehlgeschlagenen Rückruf beobachtet hat, und offenbar wägt Alt Shift ohnehin noch ab, wie genau die Handhabung in Bezug auf einige Details aussehen soll.

Man kann, muss aber nicht, einzelnen Schiffen Piloten zuweisen, denen im Kampf spezielle Fähigkeiten zur Verfügung stehen.

Natürlich kann es auch schlicht sein, dass ich mich noch nicht ausreichend auf dieses Battlestar Galactica eingegroovt. Als Fan der Serie – zumindest ihrer ersten Staffeln – bin ich ja trotzdem sehr gespannt auf diese Auslegung des Wettlaufs mit den Zylonen.

Begeistert hat mich Scattered Hopes zwar noch nicht. Aber vielleicht sollte ich den Namen des Spiels einfach für bare Münze nehmen und darauf hoffen, dass Alt Shift im Gegensatz zu den Zylonen einen Plan hat. (Sorry, Ron, aber den hatten sie doch nicht wirklich.) Vielleicht gelingt es ja der ersten ausführlich spielbaren Version dann, mich vollends in ihren Bann zu ziehen.