Dank der ersten Erweiterung ‘Klauen von Awaji’ fühlt sich ‘Assassin’s Creed Shadows’ endlich vollständig an und schmiegt sich ein wie ein fehlendes Puzzleteil
Ich war letzte Woche bei Ubisoft in Bordeaux zu Gast und konnte vorab schon einmal Einblicke in die erste Erweiterung ‘Assassin’s Creed Shadows: Klauen von Awaji’ gewinnen. Dabei scheint der DLC nicht nur endlich Licht ins Dunkel zu bringen, sondern auch die persönliche Geschichte Naoes zu einem Abschluss zu bringen. Wir erfahren also doch noch, was es mit Tsuyu, Naoes Mutter, auf sich hat, und bekommen sogar noch einige Templer obendrauf. Was ich von der Erweiterung gesehen habe, hat definitiv Lust auf mehr gemacht.
Eine Insel mit zwei Festungen
Dass diese Erweiterung primär Naoes Geschichte fortführt, wird direkt am Anfang klar. Denn Gerüchte über eine gefangene Shinobi erreichen unser Versteck und zusammen mit Junjiro gehen Naoe und Yasuke dem nach. Es folgte eine einzigartige und spannende Introsequenz, über die ich euch leider noch nicht mehr erzählen darf. Doch schließlich erreichen wir die Insel Awaji und werden sofort mit einer Menge Abscheu und Feindseligkeit empfangen. Schon die Wachen beäugen uns kritisch und die Personen, die wir befragen, könnten auch nicht abweisender sein.
Tomeji macht Yasuke gleich zu Beginn das Leben schwerDirekt über unserem Ankunftsort thront eine gigantische Festung, die auch gleich unser erstes Ziel wird. Dort entdecken wir nicht nur Naoes Mutter, sondern auch gleich noch einige neue Spielmechaniken. So sind viele sonst so praktische Geheimgänge und Öffnungen in Mauern nun vermint oder mit Stolperfallen ausgestattet, sodass unbedachtes Vorgehen gleich alle umstehenden Wachen alarmieren kann. Außerdem wechselt bei der folgenden Flucht die Kontrolle über Yasuke und Naoe häufiger. Dies soll wohl nicht das einzige Mal sein, dass beide Hauptcharaktere enger zusammenarbeiten, wie uns einer der Entwickler verriet.
Zudem machen wir direkt Bekanntschaft mit der Herrin der Insel, Kimura Yakuri, die auch die Anführerin der hiesigen Templer ist. Ihre rechte Hand Tomeji zeigt auch gleich gegen Yasuke, was er so drauf hat – und, noch besser, unsere neuen Feinde sind nicht unvorbereitet. Unsere Mission ist also nicht nur, die neue Gruppe namens ‘Sanzoku Ippa’ aufzuhalten, sondern auch das dritte kaiserliche Artefakt sicherzustellen. Wem übrigens der Name Kimura bekannt vorkommt, erinnert sich wohl noch an einen der ersten Templer des Hauptspiels Kimura Kei. Dieser ist Yakuris Vater und Tomeji war ihm treu ergeben.
Tomeji war auf eine Niederlage vorbereitetEine neue Gegnerallianz
Auch wenn es sich formal um Templer handelt, wird schnell klar, dass sich die Gruppe nicht in allem einig ist. So sagt Tomeji gleich zu Beginn, dass Yakuri nur dem Namen nach eine Templerin ist und deutet so schon früh erste Spannungen innerhalb der Gruppe an. Wie sich das Ganze entwickelt, werden wir erst beim Release sehen, doch ist die gesamte Gruppe durchaus faszinierend.
Kimura Yakuri weiß, wie man Eindruck schindetNeben der Strippenzieherin Yakuri und dem General Tomeji gibt es noch zwei weitere Antagonisten, mit denen wir es aufnehmen müssen. Zum einen haben wir da den Meisterspion, welcher uns immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Er schränkt unsere Späher ein und weiß immer, wo wir sie einsetzen. Dieses Gebiet wird entsprechend markiert und die Menge an Wachen und Patrouillen erhöht.
Nicht leicht zu erkennen, doch eine Falle schützt den EingangZu guter Letzt gibt es noch Nowaki, die nicht nur eine exzellente Fallenstellerin ist, sondern ihres Zeichens auch Attentäterin. Ihr verdanken wir nicht nur Fallen in den Festungen und Straßenblockaden, sondern ebenso Attentate, die unsere Reise erschweren. Das Tückische hierbei ist, dass die Attentäter nicht einmal mit dem Adlerauge zu erkennen sind. Doch es gibt Möglichkeiten, wie mir Content Director Simon Arseneault im Interview verriet.
Content Director Simon Arseneault (rechts) und Til. “Man kann Stolperdrähte erkennen, man kann sie vorher entdecken und ihnen ausweichen. Man kann sie entschärfen.Es gibt diese Typen, die Auftragskiller, vielleicht hast du sie schon einmal in der Menge in der Stadt gesehen, wie sie sich verstecken und dich ohne Vorwarnung angreifen. Nun, diese kannst du schließlich anhand ihrer Animationen erkennen. Yasuke kann das auch. Das gilt nicht nur für Naoe. Wenn du deinen Adlerblick einsetzt, wirst du sie nicht entdecken. Aber du wirst bemerken, dass sie dich seltsam ansehen. Sie werden dich anstarren. Denn sie warten darauf, dich zu überfallen, und dann springen sie dich an. Das kannst du mit der Zeit erkennen.”
Le Bo-Baguette
Doch diesen Bedrohungen tritt Naoe nicht komplett wehrlos gegenüber, denn nicht nur hat sie Yasuke neben sich, sie hat auch eine neue Waffe zur Hand. Ganze 14 Monate hat das Team von Ubisoft Bordeaux mit der Entwicklung und dem Designen des Bo-Stabs verbracht. Und das wird meiner Meinung nach auch deutlich. Der Bo gibt uns mit Naoe nicht nur jede Menge Crowd Control, sondern auch gewaltigen Einzelschaden. Damit die Gegner zu verdreschen, macht wirklich viel Spaß. Vielleicht manchmal zu viel, denn ich habe ab und zu vergessen, dass Naoe nicht so viel aushält wie Yasuke und ich trotz dieser mächtigen Ergänzung meines Waffenarsenals nicht unbesiegbar bin.
Das wohl spannendste sind die unterschiedlichen Haltungen, die wir einnehmen können. Die Standardhaltung zielt auf die Mitte des Körpers. Doch mit L1 oder L2 (beziehungsweise LB und LT bei der Xbox oder Q und der rechten Maustaste) können wir entweder auf die Köpfe oder die Beine unserer Feinde zielen. Somit hat jede Haltung ihre Vor- und Nachteile und muss je nach Situation eingesetzt werden. Der Beinfeger ist zum Beispiel extrem mächtig und ermöglicht einen weiteren Angriff auf die am Boden liegenden Gegner, doch Feinde mit Rüstungen oder sehr agile Gegnertypen weichen diesem natürlich aus. Also erst mit anderen Angriffen schwächen und dann an die Wurzel des Problems gehen. Das gesamte Konzept hat mich hierbei an ‘Ghost of Tsushima’ und die vier Schwertformen erinnert.
Am begeisterten Blick des Shinobi erkennt ihr: Der Stab tut weh!Auch können wir nun endlich Kettenattentate ausüben. Ähnlich wie das Doppelattentat mit dem Tanto oder das Shoujitür-Attentat mit dem Katana, muss auch hierfür der Bo-Stab ausgerüstet sein und die entsprechende Fähigkeit freigeschaltet. Doch dann steht der fröhlichen Massen-Meuchelei nichts mehr im Weg. Durch all diese Dinge hat sich der Bo schnell zu meiner neuen Lieblingswaffe entwickelt. Die Animationen und das Gameplay sind beeindruckend und auch wenn es nur ein Stock ist, überraschend brutal. Die Entwickler und Entwicklerinnen haben der Waffe eine Stärke und Intensität verliehen, die für sich spricht.
Yasuke, der Waffenmeister
Yasuke bekommt zwar keine neue Waffe, doch dafür erhält er für jedes seiner bisherigen Tötungsinstrumente eine neue Fähigkeit. Das Ziel dabei war, sie alle flexibler zu machen, wie Simon Arseneault meint: “Also haben wir diese Waffen genommen und eine Funktion gegeben, die sie vorher noch nicht hatten oder die andere Waffen haben, aber diese nicht. Jetzt könnt ihr noch vielseitiger sein und sie nach Belieben kombinieren und mischen.”
Lange genug aufgeladen, lässt die neue Katanafähigkeit sogar Brocken wie Tomeji fliegen.Dabei funktionieren alle neuen Fähigkeiten wohl nach dem “high risk/high reward”-System: “Da es sich um eine Fähigkeit handelt, mit der man massiven Schaden anrichten möchte. Das war die Idee, die bereits im Hauptspiel vorhanden war, wir haben einfach darauf aufgebaut und weiter daran gearbeitet. Wir richten also gerne massiven Schaden an, wobei das Timing dabei eine wichtige Rolle spielt. Du musst dich so positionieren, dass sich genügend Gegner im gleichen Raum um dich herum befinden. In gewisser Weise handelt es sich um Crowd Control, wenn du gleichzeitig Schaden anrichten möchtest.”
Die neue Bogenfähigkeit visiert mehrere Feinde an - blöd nur, wenn man sich das vorher nicht durchliestSo können wir nun das Katana aufladen und dann entfesseln. Ebenso wie der gewaltige Wind, der dabei freigesetzt wird, welcher die umstehenden Gegner hinfortfegt. Doch das klappt nur, wenn wir die Fähigkeit lange genug aufgeladen haben. Ansonsten ist es zwar ein starker Schlag, aber mehr nicht. Unsere Teppo hingegen wird kurzerhand zu einem Flammenwerfer, der die Feinde um uns auf Abstand hält und am Ende eine gewaltige Explosion verursacht. Auch hier gibt es also jede Menge zu entdecken.
Ein Duell der Assassinen
Doch nicht immer bringt uns Waffengewalt ans Ziel. Das hat uns vor Ort auch der Nowaki-Bosskampf gezeigt, welchen wir ausprobieren konnten. Dabei handelt es sich um einen Stealth-Kampf, denn Nowaki hat in der ganzen Arena Puppen aufgestellt, die ihr fast bis aufs Haar gleichen und natürlich sind auch überall Stolperfallen. Entdeckt die Scharfschützin uns oder lösen wir eine Falle aus, bekommen wir gleich ordentlich Schaden. Ein Oneshot ist es zwar nicht, doch einen zweiten überleben wir ohne Heilung sicher nicht. Wir müssen also nicht nur alle Fallen umgehen, sondern auch Nowaki zwischen all ihren Doppelgängern lokalisieren.
Nowaki sieht nicht nur bedrohlich ausDabei hilft uns die Lauschfunktion auf sehr kreative Art und Weise und wird zu einer Art Echolot. Wie auch bei ihren Attentätern und Attentäterinnen bringt uns das Adlerauge nicht sehr weit. Zumindest in der Distanz. Sind wir in ihrer Nähe, können wir so mit der Zeit Nowaki von ihren Doubles unterscheiden.
Das Ganze erfordert Geduld und Ruhe. Selbst unter dem Druck, den Nowaki erzeugt. Denn nicht nur hat sie mehrere Lebensbalken, sondern teleportiert sich auch durch die Arena, wenn sie uns entdeckt. Der Kampf kann also schnell frustrierend werden, doch sobald wir anfangen, uns darauf einzulassen und den Wettstreit um den Titel der besten Attentäterin entsprechend ernstzunehmen, macht er auch überraschend viel Spaß.
Lust auf mehr
Der DLC hat mir beim Anspielen sehr viel Spaß gemacht und vor allem Lust auf mehr gemacht. Die Neuerungen fügen sich wunderbar ein und schaffen, was zuvor versprochen wurde. Wir sind nicht länger die Jäger, sondern die Gejagten. Die gesamte Insel ist uns zunächst feindlich gesonnen. Doch im Laufe der Geschichte soll sich da wohl noch einiges ändern, versprach Simon Arseneault. Wie das Leben also nach und nach zurückkehrt, müsst ihr selbst erleben.
Die Geschichte fügt sich ebenso nahtlos in die Hauptstory ein. Ich hatte das Gefühl, dass hier nicht grundlegend eine neue Geschichte erzählt wird, sondern nur die begonnene beendet wird. Ob ihr das für den Preis von 25 Euro wollt, sofern ihr nicht vorbestellt habt, müsst ihr selbst entscheiden. So viel sei gesagt, nur für den Bo-Stab müsst ihr den DLC nicht kaufen. Der DLC erscheint am 16.09.2025 für alle Plattformen.
Eine mystische Insel voller Gefahren liegt vor unsAuch die Erkundung lässt mich etwas zögern. So gut das Gefühl, die Gejagten zu sein, auch eingefangen wurde, kann es auch überwältigend und nervig werden, alle zehn Meter von einem messerschwingenden Irren, dem nächsten Kontrollposten oder einer Stolperfalle aufgehalten zu werden. Wer die Insel bis ins letzte Detail erkunden will, sollte damit also eher bis zum Ende der Hauptgeschichte warten.
Ich kann diesen DLC guten Gewissens allen empfehlen, die mit dem Hauptspiel Spaß hatten und eine neue Herausforderung suchen. Auch Naoes Geschichte wird hier sicherlich zu einem Ende gebracht und die Suche nach ihrer Mutter endet. Allerdings ist mir Tsuyu bisher auch nicht wirklich sympathisch. Dafür erinnert sie mich zu sehr an Achilles aus “Rogue”. Doch das war auch nur der erste Akt des DLCs.
Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, ob ihr euch auf den DLC freut und wenn ja, worauf im Besonderen. Wollt ihr es euch direkt kaufen oder lieber unseren Test abwarten?









