Alien Earth Folge 5: Die Menschen sind zu dumm, die Monster sind zu schlau
Ich war sehr gespannt auf Folge fünf von Alien Earth, versprach sie doch einen Rückblick auf die Ereignisse, die zum Absturz der Maginot führten. Ich war auf Monster-Action, Splatter und Sci-Fi-Grauen eingestellt und bekam es im Prinzip auch. Mir fehlte das in der ersten Episode und dass es da im Schnelldurchlauf nur mit kurzen Einspielern abgewickelt wurde, als würde man ein Video im 30-fachen Schnelldurchlauf schauen, fand ich extrem unbefriedigend.
Jetzt also noch mal die Langfassung und ich muss sagen: Diese Stunde Fernsehen verdeutlicht nur, warum all das hier in Folge 1 mehr Sinn ergeben hätte. Jetzt, da wir das Schicksal aller Crewmitglieder längst kennen, ist jeder Versuch von Charakterentwicklung und Crew-Interaktion – Zaveri, Rahim, Teng – irgendwie überflüssig. Auch Spannung kommt wenig auf. Wir haben das Resultat bereits gesehen. Es war aber nicht alles für die Katz, denn etwas Erkenntnisgewinn brachte die Folge dennoch mit sich.
Ein Reveal um des Reveals Willen?
Boy Kavalier ist verantwortlich für den Absturz des Schiffes, was wiederum in den kommenden Episoden einer neuen Einordnung bedarf. Bisher hat die Prämisse dieses Absturzes für mich besser als Unfall gepasst. Sollte Kavalier an Petrovich, den Saboteur, herangetreten sein, setzt das jahrelanges Vorwissen und Planung voraus. Bisher zeichnete ihn die Show ihn aber als impulsiv, unberechenbar und als nicht so klug, wie er sich selbst findet (das “Asimov”-Zitat). War es Petrovich, der sich an Boy Kavalier richtete, würde mich schwer interessieren, wie ein kleiner Yutani-Angestellter mit einem der abgeschirmtesten Menschen der Welt ins Gespräch kommen sollte, noch dazu während einer geheimen Hochsicherheitsmission. Vielleicht wird das noch erklärt…
Die Crew ist mit Ausnahme von Teng eigentlich ganz sympathisch gezeichnet.Was mich am Ende auch eher ärgerte, waren Petrovichs letzte Worte: Noch mit dem Messer durch die Brust trotzt er Morrow entgegen, dass er die Katastrophe nicht mehr aufhalten könne. Wie ein verblendeter Kultist. Kurz zuvor wollte er nichts weiter als nach Hause, jetzt ist ihm das Wichtigste, dass das Schiff abstürzt? Es ist eine kleine Sache, aber wirkte seltsam deplatziert. Offensichtlich war seine Frau einem der Wesen zum Opfer gefallen. Warum kein verbaler Mittelfinger an die Firma, die ihm diesen Mist eingebrockt hat und die Morrow mit seinem Leben verteidigt?
Aber egal. Wichtiger ist, dass wir auch über Morrow ein bisschen was Interessantes erfahren. War deshalb nicht komplett verschenkt. Zu diesem Zeitpunkt in der Staffel – nur noch drei Folgen – können wir eine Erinnerung daran, dass er kein komplett gewissenloses Monster ist, gut gebrauchen.
Wie viele Monster ohne Schwachstellen soll es denn noch geben?
Leider haben ausgerechnet weite Teile der Monster-Action für mich nicht funktioniert. Wenn selbst die “Zecken” komplexe Problemlösungsstrategien beherrschen und so wehrhaft sind, dass selbst eine halbe Nase eines ihrer Fürze zwei ausgewachsene Menschen binnen Sekunden töten kann, ist das weder glaubwürdig noch cool. Es ist einfach die eine Schippe zu viel, die die Macher hier aufgeschichtet haben, vielleicht aus Sorge, dass ihre Kreationen neben dem Alien verblassen könnten? Und warum zur Hölle diese Crew, die ja offenbar auch mit einigem Wissen über ihre Proben losgezogen ist, um sie einzufangen, darauf besteht, diese gefährlichen Tiere in überdimensionierten Einmachgläsern aufzubewahren, will mir auch nicht in den Kopf. Ich hatte abgelaufene Joghurts im Kühlschrank, die sich aus diesen Behältnissen hätten befreien können, um sich in der (hoffentlich richtigen) Tonne selbst zu entsorgen.
Auf der anderen Seite war da das Alien. Und so sehr ich dieses Monster-Design auch verehre, seit ich den ersten Film etwa 1989 viel zu jung heimlich im Fernsehen gesehen habe, als meine Eltern schon im Bett waren: Die Szenen, in denen es bei voller Beleuchtung als Mann-im-Anzug nach Zaveri schnüffelt oder die anschließende Einstellung, in der es wie auf einem LSD-Trip mit den Händen am viben ist, wirkten eher unfreiwillig komisch als unheimlich. Diagnose: Overacting im Anzug. Klarer Gewinner der Folge ist T. Ocellus, der wandelnde Augapfel, obschon man auch hier wieder einen Drehbuchautoren schütteln möchte, wie es sein kann, dass sein Glasbehältnis einfacher zerschellt, als ein Leonardo-Eisbecher, um den sich ein Rudel unterzuckerter 10-Jähriger streitet. Die Momente, in denen er Shmuels Körper benutzt, um das Alien anzugreifen, haben trotzdem Spaß gemacht.
Alien: Earth | Season 1, Episode 6 Trailer - The Fly | FX Vorschau auf die 6. Folge von Alien EarthAuf YouTube ansehenUnterm Strich kam diese Folge also zu spät und strapazierte die Glaubwürdigkeit seiner Monster, vor allem aber die Bereitschaft, eine Crew voller Weltraum-erfahrener Spezialisten für voll zu nehmen, die derart laissez-faire um fremde Organismen herum agiert. Ich hätte mehr Achtung vor der Intelligenz der Biester, für die die Maginot-Crew mehr Taxi spielt als sie zu studieren, wenn die Menschen ihnen ein Mindestmaß an Vorsicht entgegengebracht hätten.
Immerhin: Diese Folge beantwortet das bisherige Logikloch, warum Weyland-Yutani beim zweiten Versuch ein paar ahnungslose Space Trucker schickt, um den Xenomorph zu bergen (Alien 1979). Wenn selbst eine Crew von Spezialisten, die weiß, dass sie es mit gefährlichen Lebewesen zu tun hat, keine Chance hat, kann man auch ein paar billigere Bauernopfer erbringen und das Ganze wie einen Unfall aussehen lassen.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich das sage, aber nach Folge fünf will ich lieber wieder auf die Erde zurück, um mir hoffentlich plausibel erklären zu lassen, warum Wendy mit Aliens plauschen kann. Aber so langsam wirkt die Show hoffnungslos überladen.









