Eines muss ich Alien Earth lassen: Soviel ich auch meckere, ich fühle mich mittlerweile gut unterhalten. Vermutlich liegt das daran, dass die Katastrophe näherrückt, die Bedrohung konkreter wird und die Monster so langsam zeigen dürfen, was sie drauf haben. Dazu ein Timothy Olyphant (Androide Kirsh) und ein Alex Lawther (Wendys Bruder Joe), die aus einem sowieso schon ordentlichen Cast einen guten Kopf herausstechen und ich bin an Bord.

Zugleich würde ich diese Serie an unratsamen oder unglaubwürdigen Entscheidungen immer noch als Guilty Pleasure verbuchen. Das Konstruierte, was ich schon in den früheren Episode kritisierte, zieht sich weiterhin durch, aber das sind eben die Haken, die eine Serie schlagen muss, damit wir dieses legendäre Filmmonster irgendwie auf die Erde bekommen. So vieles, was hier passiert, scheint mittlerweile so unwahrscheinlich und unerklärlich, dass man Kopfschmerzen bekommt.

Schwer zu schlucken, der der Alien-Schlauch im Hals

Die komplette Sache mit der Überantwortung der kranken Kinder in den Besitz von Prodigy wirkt immer windiger. Nibs trägt den Schaden, den sie durch den Transfer in den Hybriden und durch den Einsatz auf beim Maginot-Absturz davongetragen hat, auf dem Revers. Wodurch ein für allemal klar wird, dass es eine schlechte Idee war, den impulsiven Geist eines Kindes in den Körper eines Terminators zu verpflanzen. Auch hat die Serie noch haargenau eine Folge, um mir irgendwie nachvollziehbar zu erklären, warum Wendy Aliens “hören” kann – oder passiert auch das nur, damit wir eine Nähe zwischen ihr und dem frisch aus der Lunge ihres Bruders geschlüpften Xenomorphs herstellen können? Gut möglich, dass da eine befriedigende Antwort kommt. Aktuell wirkt es noch zu fantastisch, um mich abzuholen.

Olyphant stiehlt jede Szene.

Und überhaupt: Gerade kämpfte Wendy noch mit einem der ausgewachsenen Biester um ihr Leben und das ihres Bruders, jetzt hat sie ein Lächeln und Streicheleinheiten für etwas über, das vermutlich eine Alien-Queen wird. Wie gesagt: Vielleicht wird es irgendwie noch nachvollziehbar dargelegt, woher dieses Wohlwollen auf einmal kommt, aber lange mag ich nicht mehr darauf warten. Dann wäre da die Sache mit der Manipulation Slightlys durch Morrow, die gleich an mehreren Stellen nicht wirkt, als wäre das ein Erfolg versprechender Plan. Klaro, Morrow ist verzweifelt, aber Slightlys Eltern mitten in Indien zu finden, das ist schon eine Leistung, wie sie in erster Linie überarbeitete Drehbuchautoren vollbringen. Und selbst, wenn die Erpressung Erfolg hätte: Wie kommt Morrow darauf, dass die Extraktion der “Ware” von dieser Hochsicherheitsinsel überhaupt gelingen kann?

Immerhin: Hawley ist offenkundig genauso wenig begeistert über den Trend der 5-Minuten-Chestburster, die in der Serie Einzug gehalten haben, wie ich. Mehrfach lässt er Morrow betonen, dass alleine die “Befruchtung” des Wirts eine Sache von ein, zwei Tagen ist. Der Mann hat Geschmackt. Auch sehen wir endlich sehen wir mal Ocellus, das Augenmonster, in Aktion. Und obwohl ich mir insgesamt mehr praktische Effekte wünschen würde, liebe ich das kleine Kerlchen. Der Moment, in dem das Schaf sich auf seine Hinterbeine stellt, war wirklich ganz schön “gnaaaayaaah”.

Let's go!

Und das ist es wohl auch: Ich bin der Monster wegen hier und die stimmen mich weiterhin überwiegend neugierig. Denn ich mag durchaus, wie die Serie eimerweise sprichwörtliche Exkremente bereitstellt, um sie in den nächsten zwei, drei Folgen mit Wucht in den Ventilator zu schmeißen. Hier kann noch eine Menge kaputter Sch*** passieren und letztlich ist es das, wofür ich zahle.

Der will nur spielen. Und auf einmal will sie auch.

Auch gefallen mir Arthur und Dame Sylvia immer besser. David Rysdahls Wissenschaftler ließ mir mit seinem Satz, über KIs, die sich für Kinder halten, einen Schauer über den Rücken laufen. Das ist die Sorte halbwegs betroffener, menschelnder Blick in die längst in der blauen Tonne entsorgte Büchse der Pandora, die viele der anderen Figuren nicht wagten. Aber ich fürchte, der gute Arthur macht es nicht mehr lange.

Oh, und bevor ich es vergesse: Die lizenzierte Musik zum Abschluss – Jane’s Addiction diesmal – ist mal wieder gut, lässt die Macher der Sendung aber mittlerweile wie Poser wirken, die andere Kinder mit ihrem exklusiven, unangepassten Musikgeschmack beeindrucken wollen. Ich kann mir beileibe keinen anderen Grund für diese Tracks vorstellen. Oder sollen wir jetzt wirklich anfangen, 37 Jahre alte Songtexte auf Bezüge zu dieser Sci-Fi-Serie abzuklopfen?