Spoiler zu Folge 3 von Alien Earth

Ich muss gleich vorwegsagen: Ich schaue Alien Earth trotz allem ganz gern. Ich finde die Serie weiterhin gut gemacht, die Schauspieler liefern — allen voran Timothy Olyphant als Androide Kirsh, und einige der Hybriden-Darsteller verkaufen die Kindlichkeit ihrer Figuren ausgezeichnet. Trotzdem ärgere ich mich zwischendurch immer wieder. Mittlerweile denke ich, ich muss mir eingestehen, dass das Problem zu einem guten Teil auch bei mir liegt.

Am Ende ist das hier nun mal eine Show über Monster, die nicht zu kontrollieren sind — und über die menschliche Hybris, es eben doch zu versuchen. Es war klar, dass wir hier einer Serie von Entscheidungen zuschauen würden, die dazu führen, dass sich die Biester (zum zweiten Mal) ihrer Gefängnisse entledigen, damit wir uns an grausamem Body Horror und kribbeligen Spannungsmomenten erfreuen können.

Timothy Olyphant als Androide Kirsh (in der Mitte) trägt die Show mit.

„Hochsicherheitstrakt“ bedeutet nicht, dass etwas automatisch „sicher“ ist, sobald es sich dort befindet

Das war definiert und ich dachte auch, ich wollte es genau so. Alles, woran sich Showrunner Hawley und Kompagnons versuchen konnten? Das Unausweichliche möglichst wenig dämlich aussehen zu lassen. Ganz ungeachtet der Frage, ob Alien Earth das gelingt (tut es nicht, aber dazu gleich mehr), muss ich einfach sagen: Ich glaube, ich habe das alles schon viel zu oft gesehen und schätze, ich habe mich einmal mehr von meiner Nostalgie verladen lassen, die mir vorgaukelte, dass ich es schon wieder sehen wollen würde.

Aber das soll nicht das Problem dieser Show sein, die - wie das titelspendende Monster - nur macht, was in ihrer Natur liegt. Was hingegen durchaus in ihrer Macht lag, waren törichte Inszenierungs- und Dramaturgieentscheidungen, wie etwa die offene Lagerung von Alien-Eiern im angeblichen Hochsicherheitslabor, wenn Leute drumherum spazieren. Oder etwas wie das mutwillige Infizieren menschlichen Gewebes (mit liebem Dank an Spender CJ für die Lunge, die zu gut war, um sie einfach wegzuwerfen) mit einer Spezies, die schon ein anderes Hochsicherheitslabor nicht im Zaum halten konnte, das extra für diese Mission entworfen worden war.

Aber auch anderes irritiert. Dinge wie, dass das Alien zwar nur logistisch sehr unwahrscheinliche 12 Sekunden braucht, um einen Trupp Soldaten zu Stücken zu verarbeiten, die man selbst nach neuer DHL-Vorschrift noch als Päckchen versenden könnte, bei dem Geschwisterpaar aus Hybridin Wendy / Marcy und CJ aber doch mal kurz abwartet. Das soll wohl zeigen, dass der Xenomorph Wendy als die Bedrohung erkennt, die sie ist, kam aber in dem Moment ein wenig seltsam rüber, vor allem, weil das Monster schon in Folge zwei ein wenig erratisch zwischen Berserker- und Stalker-Betrieb umschaltete.

In manchen kurzen / schnellen Szenen könnte die CGI-Qualität ruhig etwas besser sein, aber das ist wohl dem Budget geschuldet, das mit etas mehr als 31 Mio. pro Episode zwar nicht gerade klein ausfällt, aber nur knapp die Hälfte von Leckerbissen wie Foundation ist.

Immerhin: Dieser Szene verdanken wir, dass wir nun endgültig wissen, wozu diese Hybriden imstande sind, als Wendy auf sich allein gestellt den Xenomorph mit der Klinge ihres Papierschneiders enthauptet. Aber viel Glück, im weiteren Verlauf Alien-Szenen mit Hybrid-Beteiligung bedrohlich oder gar gruselig zu halten! Nun ja, die Hybriden werden wohl ohnehin immer wichtiger, denn Curly hat Ambitionen, Wendy als Boy Kavaliers Liebling zu beerben. Nibs hat offensichtlich einen psychologischen Schaden erlitten, weil sie den Transfer in ihren neuen Körper offensichtlich nicht gut verarbeitet und die Augenmonsterattacke irgendwas in ihr ausgelöst hat — bin gespannt, ob sie das Ding befreit und wie ich das dann finden werde.

Ihr dachtet, es war schon töricht, Kinder auf eine Rettungsmission zu schicken? Dann passt mal auf!

Slightly wurde unterdessen von Morrow verwanzt und wird sicherlich auch noch zu einem weiteren Leck in den Sicherheitsroutinen auf Neverland. Ich bin gespannt, wie sie es erklären werden, sollte der Cyborg mehr oder weniger im Alleingang die gesicherte Anlage des Trillionärs infiltrieren. Ich weiß ja auch nicht… Es kann in verschiedene Richtungen gehen, aber am Ende ist das hier wie immer die Katastrophe mit Ansage, bei der ich nur hoffen kann, dass es plausibel bleibt.

So wie sich die Story-Prämisse schon am Anfang mit der Peter-Pan-Thematik streckt, damit wir mit Wendy und CJ einen emotionalen Kern für die Geschichte haben können (und die anderen Hybriden nun, jeder auf seine Art, wie ein Sicherheitsrisiko wirken), war das für mich schon ein Signal: Alien Earth wirkt so konstruiert, dass es ein bisschen mehr „Suspension of Disbelief“ (willentliche Aussetzung meiner Ungläubigkeit) verlangt, als ich gemeinhin zu leisten bereit bin.

Doch hey, vielleicht war es auch einfach ein von Anfang an zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, Monsterfilm-Material auf Smart zu schminken. Egal. Für kommende Woche stehen wohl die ersten Ausbrüche an, die traditionell das Interessanteste an Filmen und Shows wie dieser sind (was es so frustrierend machte, dass die erste Folge die Ereignisse auf dem Raumschiff in schnellen Zwischenschnitten Collagen-artig zerfetzte und damit ihres Reizes beraubte). Wenn schon die Geschichte nicht überzeugt, bleibt uns zumindest das.

Oh, und eine Sache noch: Auch ich habe eine Schwäche für Tool und alte Metallica-Scheiben, aber am Ende meiner Science-Fiction-Serie muss wirklich nicht meine Abi-99-Party Playlist durchlaufen. Das reißt mich jedes Mal raus. Schlimmer noch als die Idee, dass Kinder im Jahr 2120 noch Ice Age in Dauerschleife schauen werden.