Onimusha Way of the Sword: brillante Arroganz, aber ist das Spiel zu leicht?
Charakter. Das ist die eine Sache, die Onimusha schon immer von vielen anderen Samurai-Spielen da draußen meterweit abgrenzte. In jeder Bewegung steckte Intention, ein Schwung, den man nicht lernen kann – den man hat oder eben nicht. Er sprüht auch in Onimusha Way of the Sword aus jedem Screen, aus jedem Move und macht dieses Spiel umso unverkennbarer und auch anziehender.
Als Fan der Reihe habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, die jüngst erschienene Demo ein zweites Mal zu spielen, nachdem ich sie zur gamescom letztes Jahr schon einmal begutachten durfte. Ich muss sagen, dass mir diesmal noch mehr aufgefallen ist, wie abschätzig Hauptfigur Musashi Miyamoto (dem Capcom das beneidenswert schneidige Gesicht Toshiro Mifunes gab) doch rüberkommt. Und dafür liebe ich dieses Spiel schon jetzt.
Wer war Toshiro Mifune?
Toshiro Mifune (1920–1997) war einer der berühmtesten Schauspieler Japans. Er arbeitete eng mit Regisseur Akira Kurosawa zusammen und prägte in Klassikern wie "Die sieben Samurai" das Bild des ungezähmten Kriegers. Capcom lieh sich sein ikonisches Gesicht für den Protagonisten in Onimusha.
Keine Zeit für Stümper
“Du bist ein Nichts”, “erbärmlich”, “verpiss’ dich” oder “keine Herausforderung” gibt er den geschlagenen Oni mit auf den Weg in den Dreck. Das ist ein wunderbar akkurat beobachteter Kniff der Charakterzeichnung des virtuellen Miyamoto Musashi. Schließlich muss der echte legendäre Samurai seinen Gegnern in jungen Jahren wahnsinnig überheblich vorgekommen sein. Er war ein irrsinniger Perfektionist, dessen Meisterschaft mit der Klinge im krassen Gegensatz zu seinem dezent verlotterten Erscheinungsbild stand.
Image credit: CapcomZugleich war er auf maximale Effizienz im Kampf aus, hatte nichts übrig für Stümper oder Aufschneider, so viel wird aus seinem Buch der Fünf Ringe und aus vielen überlieferten Anekdoten klar. Die modrigen, wankenden Oni mit ihrer halbtoten Haltung und mangelhaften Kampfdisziplin wären für ihn nichts weiter als geistlose Leiber, die keinen Respekt verdienen. In Musashis Augen gilt: Wer die Kunst des Kampfes nicht respektiert, wertschätzt sein eigenes Leben ebenso wenig. Warum sollte er ihnen eine Würde erweisen, die sie für sich selbst nicht aufbringen?
Dazu passt, dass Musashis Erzfeind Ganryu Sasaki – mit dem wir uns in der Demo den abschließenden Bosskampf liefern – in Way of the Sword wie auch im echten Leben den perfekten Gegenpart zu unserem Helden darstellt: gepflegt, exaltiert, flamboyant – in seinen Animationen liegt viel unnötige Anmut. Das Flair von jemandem, der sich selbst ein bisschen zu gut gefällt und will, dass die Welt ihn genauso sieht.
Wenn Attitüde Wellen schlägt
Da ich vorhin von “Charakter” sprach: All das ist kein reiner erzählerischer Ballast. Musashis zur Schau getragene Überlegenheit macht auch was mit mir. Es spornt dazu an, dem Anspruch dieses Samurai zu genügen und Onimushas Kampfsystem in all seinen Facetten zu erlernen und einzusetzen. Und lernen wird man müssen, denn mit Block, Parry, Issen, Reflektieren von Projektilen und Wurfkontern gibt es geradezu verschwenderisch viele Mittel, aggressiv die Initiative an sich zu reißen.
Gegenteiltag in der Edo-Apokalypse: Ganryu Sasaki verkörpert, was Musashi Miyamoto verabscheut. | Image credit: CapcomDie Entwickler bei Capcom sind sich Musashis Kritik am “toten Schwert” – stumpf auswendig gelernten und abgespulten Kampftechniken – sichtlich bewusst, weshalb ihr Kampfsystem offenkundig auf Flexibilität zu setzen scheint. Das ist wunderbar gemacht und lässt Charakterzeichnung und Gameplay mit einer schnörkellosen Eleganz verschmelzen, wie sie wenige Spiele beherrschen.
Aber ich will ja nicht nur Beifall klatschen. Ein paar Fragen hätte ich nach meinem zweiten Durchgang mit der Demo dann doch. Zum einen (und ich bin fast sicher, dass das in der gamescom-Demo noch nicht so war) habe ich das Gefühl, das Spiel ist deutlich zu einfach, wobei der Schwierigkeitsgrad an sich nicht einmal das Problem ist. Die Feinde stehen zu lange herum, sind entschieden zu passiv, um mich wirklich zu testen. Wenn sie dann auf Tuchfühlung gehen, ist das Parierfenster überaus großzügig und die Anzeige für den Blazing-Modus füllt sich durch erfolgreiche Abwehr sehr gönnerhaft. So bricht man den Widerstand mittlerer und auch größerer Gruppen gefühlt viel zu leicht, als schnitte man sich durch Styropor.
Es passt gut zu Musashi, dass er alles andere als angetan davon ist, mit dem Oni-Handschuh verbunden zu sein. | Image credit: CapcomMut zum Backenfutter
Zu Beginn der Demo wählt man aus einem Action- und einem Story-Fokus, wobei letzterer der einfache von beiden sein soll. Das war es auch schon. Dafür, dass der Abschnitt äußerst kurz ist, hätte ich gehofft und erwartet, dass man zusätzlich einen härteren Schwierigkeitsgrad anbietet, damit man das Kampfsystem schön ausreizen kann. Seine Abwesenheit muss nichts bedeuten, aber es macht mich ein wenig nervös, wie wenig Widerstand selbst die spezielleren der Gegner leisteten.
Ich bin nun wirklich niemand, der gerne betont knifflige Spiele zockt. Way of the Sword war bis hierhin aber so zahnlos, dass ich inständig hoffe, wir dürfen die Herausforderung zum Start des richtigen Spiels noch ein gutes Stück heraufsetzen. Wenn ihr schon mal hier seid, könnt ihr mir ja beim Daumendrücken helfen. Denn so cool es auch ist, wenn einem ein Spiel das Gefühl gibt, Japans wohl bekanntester und furchteinflößendster Schwertmeister zu sein: Ich möchte es nicht geschenkt bekommen, sondern auch selbst etwas dafür tun müssen. Musashi Miyamoto hätte es nicht anders gewollt.
Was ist Onimusha Way of the Sword?
Das neue Action-Adventure von Capcom mischt klassischen Horror mit vielschichtiger Samurai-Action. Spieler schlüpfen in die Rolle des legendären Musashi Miyamoto, um dämonische Oni zu bekämpfen. Das Spiel erscheint voraussichtlich für PC, PS5 und Xbox Series X/S (Release: 25.09.2026).









