Gefühlt hat es nicht mal eine Sekunde gedauert. Ich habe Ninja Gaiden 4 gestartet und von dem Moment an, in dem es mir die Steuerung übergab, wusste ich, dass ich dieses Spiel mögen würde. Die Direktheit in allen Bewegungen. Die nicht nur brachial aussehenden, sondern auch auf coole Art auszuführenden Moves. Und dieses in Regen getränkte Cyber-Tokio mit seinen funkelnden Werbetafeln und Laternen. Dazu das satte Rot des todschicken Menüs…

Und dann taucht etwas auf, das ich völlig vergessen hatte: „Entwickelt von PlatinumGames“. Ja, natürlich! Meine Güte. Genau so fühlt sich Ninja Gaiden 4 an. Von der technisch blitzsauberen Kulisse bis zu seiner hervorragend Spielbarkeit… So sehr ich Spiele mag, die unter das feine Label Character-Action fallen, so wenig war ich bisher der größte Fan von Ninja Gaiden. Aber in diesen vierten Teil habe ich bereits ein ganzes Wochenende investiert, obwohl der in dieser frühen Fassung gemachte Fortschritt nicht für die Vollversion übernommen wird.

Dabei hat Microsoft gemeint, es würden gerade mal zwei Stunden Spielzeit drin stecken. Klar… Wenn man auf dem normalen Schwierigkeitsgrad einfach durchmarschiert und die optionalen Herausforderungen sowie das praktische, jederzeit verfügbare Training ignoriert. Doch als ich das hätte tun können, hatte mich Ninja Gaiden 4 ja schon mit Kopf und Körper verschlungen.

Man hat übrigens die Wahl zwischen einem Fokus auf volle Grafikpracht, dem Schwerpunkt auf Performance – und einem separaten 120-Hz-Modus. Der ist zwar eine Idee unschärfer, aber aus spielerischer Sicht meine erste Wahl.

Okay, okay! Ich weiß, das ist ein bisschen viel Lorbeer nach einer unterm Strich noch sehr überschaubaren Fassung, die bis zur Veröffentlichung am 21. Oktober im Detail noch überarbeitet und um so Einiges ergänzt wird. Denn spielen konnte ich bisher lediglich vier Kapitel des ersten großen Abschnitts, von denen es später ganze sechs geben wird. Hinzu kommen ein separater Boss-Modus, weitere (in der Vorschau noch nicht enthaltene) Herausforderungen sowie die Möglichkeit, jedes Kapitel einzeln anzuwählen.

Selbstverständlich sollte man das alles zunächst im Story-Modus erleben, in dem diesmal nicht Ryu Hayabusa die Hauptrolle einnimmt, sondern ein Mitglied das Clans der Raben: Yakumo. Der will das nahezu leblose Tokio erlösen, um gleichzeitig die Ehre seines Clans wiederherzustellen – was sich gleich nach den ersten Metern freilich als schwieriger gestaltet, als die Prophezeiung vorhergesagt hat. Die Priesterin, die er dafür töten soll, schlägt nämlich eine ganz andere Lösung vor, für die er sich gar mit ihr verbünden muss…

Ryu Hayabusa ist ebenfalls dabei. Was meint ihr: Ob ihn diese fuchsige Bosslady besonders gut leiden kann?

Keine Sorge: Ryu taucht ebenfalls auf – nicht nur als Gallionsfigur, sondern als spielbarer Charakter, weshalb er in den einzeln anwählbaren Kapiteln als Alternative zu Yakumo auch schon zur Verfügung stand. So kann man verpasste Herausforderungen nachholen oder um Highscores spielen.

Dabei führen die zwei Krieger jeweils eigene Aktionen, Kombos sowie Spezialangriffe aus und nutzen auch verschiedene Waffen, während es nie nur darum geht, ein paar Tastenkombinationen zu lernen. Vielmehr dreht sich die Action hauptsächlich um das Ausführen und Aneinanderreihen der richtigen Aktionen in bestimmten Situationen, darunter diverse Arten zu blocken, kontern und ausweichen – sowohl am Boden als auch in der Luft.

Wie gesagt: Das alles rollt herrlich intuitiv und präzise von der Hand. Die eingangs erwähnte, für Platinum typische Direktheit ist nach wie vor eine Klasse für sich. Wobei der normale Schwierigkeitsgrad eine ganze Stufe unter dem liegt, was Ninja Gaiden in der Vergangenheit als Standard definiert hat.

Den habe ich mir deshalb nur kurz angeschaut. Denn wer die bekannte Herausforderung sucht, muss ja nicht darauf verzichten, sondern dürfte sich auf der nächsthöheren Stufe genau richtig fühlen, um auf dem schwersten Level dann zu lernen, was man alles noch zu lernen hat.

Vor allem, wenn man Tokio betritt, sieht das erst mal klasse aus!

Ach, und falls ihr Ninja Gaiden 4 eher beim Entspannen erleben wollt oder auf Unterstützung angewiesen seid, dann gibt es neben Einstellungen in Sachen Barrierefreiheit auch den niedrigsten Schwierigkeitsgrad, auf dem Yakumo wahlweise automatisch ausweicht und blockt sowie bestimmte akrobatische Aktionen von selbst ausführt.

Eine Besonderheit von Yakumo ist übrigens, dass er beim Kämpfen die Fähigkeit auflädt, als Blutrabe zu kämpfen. Was nichts anderes heißt, als dass man die dafür notwendige Taste entweder drückt oder gedrückt hält, um besonders starke Angriffe auszuführen. Außerdem kontert er damit besonders mächtige Attacken. Nicht zuletzt führt er darüber besonders schnelle und vor allem cool inszenierte Kills aus, die ihm aber nur zur Verfügung stehen, falls er zusätzlich genug Blutessenz von geschlagenen Feinden gesammelt hat.

Besonders mächtige Finisher werden in besonderen Bildern eingefangen.

Praktisch finde ich auch, dass Platinum das heimliche Meucheln besser in die dynamische Action einbaut, da man sich jetzt nicht mehr langsam anschleichen muss. Dass die KI also ein furchtbar schlechtes Gehör hat, spielt in einem Spektakel dieser Bauart ja keine Rolle. Abgesehen davon kann sich Yakumo auch von oben auf einen Gegner stürzen, falls der ihn noch nicht gesehen hat.

Es sind die serientypischen, oft rechteckigen Gänge, durch die es ihn auch im vierten Teil treibt. Abzweigungen führen dort zu besonders anspruchsvollen Herausforderungen – darunter das aus anderen Platinum-Abenteuern bekannte „Fegefeuer“. Spezielle Tore führen Yakumo dorthin und man darf wählen, ob er die Herausforderung mit verschieden stark reduzierter Gesundheitsleiste angehen soll, um einen entsprechend höhere Belohnung zu erhalten.

Abgesehen davon stehen in vielen mal mehr, mal weniger gut versteckten Ecken Kisten mit Heilmitteln oder Verstärkern herum. Gelegentlich findet man außerdem einen Ausrüstungsgegenstand, der zum Beispiel die Höhe des eingesteckten Schadens reduziert.

Es ist nicht Liliths Club, in dem es hier heiß her geht. Aber Noisia haben sich ja auch längst aufgelöst.

Nur eine Sache will ich ganz kurz anmerken: So schick das verregnete Tokio auch ist, so bedauerlich finde ich, dass die Kulissen in keiner Weise an reale Straßen erinnern, sondern eher das extrem stilisierte Flair viel älterer Videospiele ausstrahlen. Das ist nicht schlimm, aber in meinen Augen durchaus schade. Mal sehen, was in späteren Abschnitten noch kommt.

Und bin ich eigentlich der Einzige, den die dysfunktionale Kulisse an Ghostrunner erinnert? Das wird durch die Art und Weise, mit der sich Yakumo per Greifhaken an Wände und hohe Balken heranzieht noch verstärkt – sowie dort, wo Dämonen ihr Unwesen mit Yakumos Wahrnehmung treiben und den Schauplatz so erscheinen lassen, als sei er von digitalen Programmfehlern durchzogen… Ob es sich dabei nur um ein zeitgemäßes Stilmittel handelt? Ich bin gespannt, was es damit auf sich hat.

Überhaupt freue ich mich riesig auf dieses Spiel! Die Intensität der Action, für die die Serie bekannt ist, gepaart mit der Präzision einer PlatinumGames-Produktion: Mit diesen ersten vier Kapiteln hatte ich jedenfalls mehr Spaß als mit den meisten anderen Spielen. Weshalb ich Ninja Gaiden 4 schon jetzt zu meinen Höhepunkten in diesem Jahr zähle.