"Plötzlich wurde mir klar, dass diese kleine Erbse, hübsch und blau, die Erde war. Ich hob meinen Daumen und schloss ein Auge, und mein Daumen löschte den Planeten Erde aus. Ich fühlte mich nicht wie ein Riese. Ich fühlte mich sehr, sehr klein." (Neil Armstrong)

No Man’s Sky auf der Switch war einer meiner unwahrscheinlicheren persönlichen Gaming-Episoden. Ja, ich habe all die Konsolen und sogar einen PC, dessen Grafikpower wohl einen urigen Nvidia-Mobile-Chip ausstechen sollte, aber ausgerechnet die alte Switch-Version von Hello Games sich ewig updatender Weltraumsaga hatte es mir für 100+ Stunden angetan. So weit, dass ich irgendwann Seiten mit Titeln wie „Idiots Guide Economy Crashing in No Man’s Sky“ las.

Aber es war dann auch eines der Spiele, bei denen ich jedem erzählte, der es hören wollte oder auch nicht, dass es Zeit für eine Switch 2 ist. Wenn es auf meiner Basis Alpha Prime mal wieder einen Sturm gab, die Sentinels herummarodierten und alle meine Anbauten das taten, was auch immer sie tun, dann ging es mit der Framerate schon mal schwer in den Keller. Und das, obwohl das Spiel eh schon aussah wie die PC-Version, wenn man auf 720p alle Details abschaltet. Dazu kamen die Ladezeiten. Eintauchen in die Atmosphäre? Es gab eine verdächtig lange Zeit, die man zwischen den Wolken zubrachte und die die Konsole nutze, um zu laden, was darunter ist. Ein Teleport-Sprung von System zu System? Konnte schon mal eine Minute dauern. Das machte irgendwann dann doch nicht mehr so viel Spaß.

Das sah letzte Woche noch trister aus! (No Man's Sky Switch 2 Test)

Also war es das siebte oder achte Spiel, das ich jetzt auf die Switch 2 lud, nachdem ich meine alte Konsole in RL remote aus dem Orbit nukte – eine Geschichte für einen anderen Tag – und dann vom Titelbildschirm erst mal zurück in den Store musste. Der Link aus dem Spiel zum Switch-2-Update von No Man‘s Sky ist ein eigenes Produkt, das aber nichts extra kostet. Ihr müsst es aber extra laden. Warum auch immer.

Was dann folgte, war eine Demonstration der relativen Macht der neuen kleinen Konsole. Ich muss hier noch mal Hello Games ausdrücklich und mit allem Nachdruck loben: So ein Gratis-Support für ein fast zehn Jahre altesSpiel, das ist, wie heißt es, "above and beyond the call of duty". Auch, weil es Call of Duty nie einfallen würde, so etwas zu tun. Deren Weltraum-Abenteuer Infinite Warfare sieht immer noch aus wie 2016. Nicht so No Man’s Sky.

Komplette Questlinien schummeln sich immer wieder in jedes Update. (No Man's Sky Switch 2 Test)

Die neue Switch-2-Version lädt erst mal sehr viel schneller, das war zu erwarten. Nicht so schnell wie ein PC, es sind immer noch 20 Sekunden für einen System-Sprung, aber das passt, so oft macht man das auch nicht. In die Planeten taucht man nun gefühlt direkt und ohne Verzögerung ein. Auch das extreme Textur- und Objekt-Pop-in wurde zwar nicht abgeschafft, aber eingefangen und deutlich gezähmt. Es ist immer noch absolut da, wenn ihr schnell über einen Planeten düst und wenn ihr mit vollem Tempo aus dem Orbit runter-crasht, direkt landet und aus dem Schiff springt. Dann wird immer noch hektisch geladen und das eine oder andere Objekt platziert. Aber es ist nicht mehr so, dass ich eine Minute durch meine funktionale, aber Textur-lose Basis laufe, sondern nur ein oder zwei Sekunden.

Dieses kurze Warten wird auch belohnt, denn alles sieht hübscher aus! Die Auflösung wurde scheinbar etwas erhöht, nichts wirkt mehr verschwommen. Die Farben sind satt und kräftig – danke, HDR – und der berühmte Vaporwave-in-Space Look des Spiels hat jetzt auch seinen Weg auf die Switch gefunden. Sehr deutlich wird das auf den Raumbasen. Diese wurden innen komplett renoviert. Waren sie zuvor immer einheitliche, trist-graue, wenn auch funktionale Orte, wirken sie nun lebendig und quirlig, mit Neonfarben, in denen man sich erst mal orientieren muss. Das dauert ein paar Runden, aber es ist alles noch da, nur sehr viel schöner.

Die Weltraum-Häfen wurden einmal komplett saniert. War auch Zeit! (No Man's Sky Switch 2 Test)

Auch im Weltraum wird es nun bunt wie auf den großen Maschinen. Gerade wenn sich wenn mal mehr als vier oder fünf Schiffe einen Dogfight zwischen Asteroiden liefern, bricht die Framerate nicht mehr ein, sondern alles bleibt flüssig und aufregend. Okay, so aufregend wie ein Dogfight in No Man’s Sky wird, was nicht so sehr ist, aber immerhin. Geht ihr dann in die zuvor auch sehr funktionalen eigenen Großraumschiffe, die mir zu sehr nach Containerschiff aussahen, wird es jetzt grafisch schicker. No Man’s Sky auf Switch 2 hat mehr Remaster und Remake bekommen als also manches Spiel, das eines dieser Wörter im Titel trägt.

Und das Spiel selbst? Seit ich vor ein oder zwei Jahren eine längere Pause einlegte, kamen neue, kleine Features dazu, große neue Questlinien springen mich an und einiges mehr wurde überarbeitet, gefixt und gestriegelt. Alles, damit dies der perfekte Weltraumbaukasten wird, den sich Hello Games vor langer Zeit vorstellte. 2016 war No Man’s Sky ein recht simples, etwas chaotisches und ehrlich gesagt langweiliges Etwas. 2025 ist es selbst auf der zweitkleinsten Plattform – auf Switch 1 läuft es ja auch noch – eine epische Space-Opera mit Erkundung, Crafting, Survival, Kampf, Handel, Aliens, Quests und so viel mehr.

Sicher, wenn ihr es noch nie gespielt habt, dann ist der Einstieg sperrig. Hello Games hat schon vor langer Zeit das initiale Crafting überarbeitet und weit weniger frustig gestaltet. Ihr bekommt auch eine echte Quest-Reihe, die man nachvollziehen kann und generell viel mehr Orientierung in einem fast unendlichen – weil prozedural generiertem – Universum. Und lasst euch von dem „prozedural“ nicht zu sehr abschrecken. Ja, irgendwann erkennt man schon relativ klar, aus welchen Elementen sich Planeten zusammensetzen, aber Teil des Reizes ist auch, das Zufällige zu nehmen und zu etwas Persönlichem umzugestalten. Ich habe meine Basen gebaut, mein kleines Netzwerk aus Systemen, in denen ich mich auskenne und von denen aus ich mich weiter vorwage. Es war vom Moment der Erstellung technisch gesehen eh schon mein Universum, aber mittlerweile habe ich es wirklich dazu gemacht.

Die pastellene, leicht surreale Atmosphäre kommt nun endlich auch auf dem kleinen Handheld voll zur Geltung. (No Man's Sky Switch 2 Test)

Wenn ihr euch auf No Man’s Sky einlasst, dann erwartet euch ein phänomenales Weltraumabenteuer. Etwas, das ich mit diesem Enthusiasmus ganz sicher nicht über das Spiel gesagt hätte, das 2016 unter diesem Namen erschien. Man kann sicher oft genug sagen, wie sehr Hello Games sich hier reinkniete, um euch so in den Weltraum zu entführen, wie sie sich das vorgestellt haben. Aber ich habe es noch nicht oft genug gesagt, also einmal mehr. Und es ist ja nicht gesagt, dass dies die Final Form von No Man’s Sky ist. Das dachten wir ja schon ein paar Mal und immer wieder haben sie uns überrascht. Und wenn ich mich recht erinnere, haben sie dafür nicht nur nie extra Geld genommen. Dazu ist ihr Spiel immer wieder im Angebot für fast nichts, zumindest relativ zu dem, was man dafür bekommt. Aktuell wären das 20 Euro und ich würde sagen, dass das die besten 20 Euro sind, die ihr für eure neue Konsole investieren könnt. Ja, No Man’s Sky ist gerade mal wieder im Angebot, also schlagt zu.

Das ist kein „richtiger“ Test, ich habe gestern zwei oder drei Stunden gespielt und kam erst langsam wieder in den Flow. Aber die fünf Sterne gebe ich einfach mal so, weil das Spiel es absolut hergibt und Hello Games sie absolut verdient hat.